Samstag, 31. Januar 2026

Aus der Geschichte Kameruns

 


Wieso gibt es in Kameruneinen Teil mit französischer Verwaltung und einen anderen mit britischer?

Als nach der deutschen Kolonialzeit (1884-1919) nach der Niederlage im 1. Weltkrieg Deutschland seine Kolonien abgeben musste, übernahmen ab 1919 Frankreich und Großbritannien das Gebiet zur Verwaltung als Mandat des Völkerbundes zugesprochen. 

Frankreich strebte eine möglichst enge Anbindung seines Mandatsgebietes an das Mutterland an, während Großbritannien nicht so viel am wirtschaftlichen Anschluss seines Mandatsgebietes lag. "Es kam sogar zu der paradoxen Situation, dass im britischen Mandatsgebiet Kameruns selbst 1938 noch dreimal mehr Deutsche als Engländer lebten." (Wikipedia)

Vor der Entlassung Kameruns in die Unabhängigkeit wurden Volksabstimmungen abgehalten, wobei sich innerhalb des britischen Mandatsgebietes der nördliche Teil zum Anschluss an Nigeria, der südliche Teil zum Anschluss an das französische Gebiet entschloss. So kam es "zu den beiden Amtssprachen Französisch und Englisch und dem Problem zweier komplett getrennter Verwaltungssysteme." (Wikipedia)


Montag, 26. Januar 2026

Demokratie in Kamerun?

 Parteien helfen, den politischen Willen der Bevölkerung herauszufinden. Von den vielen denkbaren Zielen entscheiden sich Parteien für die, die den Mitgliedern der Partei als die wichtigsten erscheinen, und formulieren auf dieser Grundlage ein Angebot an die Wähler, damit die entscheiden können, welches Ihnen am sinnvollsten erscheint. Nach den Wahlen erweist sich dann, welches Angebot ihnen am besten gefallen hat. Wenn sich dabei aber keine Mehrheit für ein einzelnes Angebot ergibt, sucht jede Partei Bundesgenossen, mit denen zusammen sie eine Mehrheit bilden können. So kommt am Schluss ein Angebot heraus, dass zu diesem Zeitpunkt am besten dem Willen der Bevölkerung entspricht.

In Kamerun scheint es allerdings etwas anders zu laufen.

Es gibt einen Präsidenten, der zusammen mit seinen Gefolgsleute bestimmt, was passieren soll. Die Bevölkerung weiß also schon seit 40 Jahren: das passiert und nichts anderes.

Was aber geschieht mit dem Willen der Bevölkerung?

Während der Regierungszeit bildet sich ein gewisser Unmut heraus, und die Opposition greift diese Gedanken heraus und vertritt die.

Und jetzt kommt die wunderbare Kameruner Demokratie ins Spiel: Dem oder derjenigen, die diese Ziele am deutlichsten vertritt, wird verboten, an der Wahl teilzunehmen, Denn es soll ja weitergehen wie bisher.

Wozu gibt es dann überhaupt noch Wahlen?

Das hat seinen guten Grund. Bis zur Wahl finden sich andere, die bereit sind, den Willen der Bevölkerung zu vertreten.

Jetzt schlägt das System zu. Denn jetzt ist klar, wenn es auszuschalten gibt, damit die Bevölkerungsmeinung sich nicht durchsetzt.

Die Wahlen dienen also nur dafür, herauszufinden, wer am klarsten den Willen der Bevölkerung zum Ausdruck bringt. Der wird ausgeschaltet, und bei den nächsten Wahlen beginnt das Spiel von neuem.

Oder sollte es anders sein? Wozu dienen in Kamerun Wahlen? 


Donnerstag, 15. Januar 2026

Warum verlassen immer mehr kamerunische Lehrkräfte ihr Land ?

Woran liegt es?

Gibt es keine Arbeitsplätze ? Werden sie politisch verfolgt ? Werden sie zu schlecht bezahlt ?

Lehrer werden nach denselben Kriterien bezahlt wie andere Beamte. Es beginnt mit den ersten Stufen der Gehaltstabelle A1, A2 ... Dann steigt das Gehalt mit den Dienstjahren, ganz wie bei den Beamten im Ministerium. Warum sind sie unzufrieden ?

Sie bekommen sogar Extrazahlungen !  Die « Prime de technicité « (Technikzulage) und zusätzlich die «Prime d’enseignement» (Lehrerzulage). So etwas bekommen Lehrer in Deutschland nicht.

Was gibt es zu klagen ?

Wenn Lehrer ihren Dienst beginnen, bekommen sie von ihrem Gehalt nur einen Teil ausbezahlt. Das läuft jahrelang so. Immer weiter steigen die Beträge, die ihnen noch zustehen. Das geht bis in die Millionen.

Der Staat hat kein Geld.

Freilich. Für die Beamten der Ministerien reicht es gerade noch. Und natürlich erhalten verdiente Beamte auch Leistungsprämien (Prime de rendement). Und weil die Mieten in den Städten so hoch sind, bekommen sie kostenlose Dienstwohnungen gestellt. Oder wenn die nicht zu Verfügung stehen, angemessene Wohnungsgelder. Natürlich wegen der besonderen Verantwortung ihrer Arbeit auch eine Indemnité de responsabilité (Haftungsentschädigung).

Haben Lehrer keine Verantwortung ? Was bedeutet es, wenn Lehrer fehlen ? Wenn Kinder nicht lesen und schreiben können? Wenn sie nicht rechnen können ? Wenn sie die Amtssprache nicht verstehen und sich nicht verständlich machen können ?

Da haben wir in Deutschland unsere Erfahrungen. Seit Jahren wird geklagt, dass immer mehr Kinder nicht Deutsch sprechen können. Nicht zuletzt deswegen, weil so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, deren Eltern kein Deutsch können, und deshalb zu Hause nur ihre Herkunftssprache sprechen, bis ihre Kinder ihnen Deutsch beigebracht haben. Die Klagen der Eltern nehmen laufend zu. Interessanterweise besonders die der Eltern, wo in den Familien Deutsch gesprochen wird. Es ist eine Zumutung, wenn so viele Mitschüler kein Deutsch können. Die Partei, die so argumentiert, erhält mehr und mehr Stimmen. Die Regierung macht sich Sorgen um die Demokratie.

In Kamerun werden über 230 Sprachen gesprochen. Natürlich die Amtssprachen Französisch und Englisch und die Herkunftssprachen. Aber inzwischen spielen zwei Sprachen eine immer größere Rolle : Cameroonian Pidgin English und Camfranglaisdenn wenn die Eltern keine Amtssprache sprechen, nimmt die Zahl derer, die die Amtssprache unzureichend lernen, auf die Dauer mehr und mehr zu.

Das müssen die Lehrer doch verhindern! Wozu haben wir die denn? Immer mehr sind abgewandert, und nicht die schlechtesten. In Deutschland geben Zugewanderte den deutschsprachigen Kindern Unterricht in Deutsch als Muttersprache und natürlich auch in der Sprache des Landes, wo sie herkommen. Natürlich nur, wenn sie die Sprache besser beherrschen als ihre Schüler.

Aber warum wandern die denn aus Kamerun aus?

Der entscheidende Grund besteht im Unterschied zwischen dem, was auf dem Papier steht und der Wirklichkeit.

Die Verfassung Kameruns und die Gesetze sind gar nicht so schlecht, aber die Wirklichkeit ist oft das pure Gegenteil:

Die staatliche Grundschule ist gratis. Das steht auf dem Papier. Aber weit und breit ist keine Grundschule zu finden, für die man nicht zahlen muss.

Es gibt einen Mindestlohn. Offiziell ja, aber für etwa 80% der Kameruner gilt das überhaupt nicht, denn sie arbeiten im informellen Sektor.

Lehrer und Regierungsbeamte werden nach den gleichen Gehaltstabellen bezahlt.

Nur den Regierungsbeamten wird das Gehalt wirklich ausgezahlt, den Lehrern wird es vorenthalten.

Die Lehrer haben oft Guthaben von Millionen. Aber viel lieber hätten sie keins. Denn ihr Guthaben sind genau die Gelder, die ihnen der Staat schuldet, weil er sie ihnen nicht ausgezahlt hat und allenfalls erst Jahre später auszahlen wird. Wenn …, ja wenn es wirklich einmal dazu kommt.

Lehrer und Regierungsbeamte bekommen ein Gehalt und außerdem Sondervergütungen. Bei den Lehrern betragen die Sondervergütungen mal 20 000 XAF, mal weniger. Regierungsbeamte bekommen mehrere Millionen XAF im Jahr als Sondervergütung. Wenn es der Staat gut mit ihnen meint, sind es auch mal 80 Millionen.

Ist das gerecht? Leisten Regierungsbeamte hundertmal oder gar tausendmal so viel wie Lehrer?


Auf dem Papier ist Kamerun eine Demokratie, und inzwischen finden auch regelmäßige Wahlen statt. Vor kurzem wurde der Präsident Kameruns gewählt, und es wurde verkündet, der Amtsinhaber sei wiedergewählt worden. Wirklich von der Bevölkerung gewählt, oder steht auch das nur auf dem Papier?

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Kamerun – Pokal 2025: Panthère Sportive du Ndé gewann den Titel

 Die Panthère Sportive du Ndé hat den Kamerun-Pokal 2025 nach einem Elfmeterschießen (3:1) gewonnen, nachdem das Spiel nach regulärer Spielzeit mit einem Unentschieden (1 : 1) gegen Colombe Sportive du Dja-et-Lobo, den Titelverteidiger von 2024, geendet hatte. Die Begegnung fand im Ahmadou-Ahidjo-Stadion in der Hauptstadt Jaunde statt und stellte eine feste und disziplinierte Panthère einer ehrgeizigen Colombe gegenüber, die entschlossen war, ihren Titel zu verteidigen.

 
Mannschaft von der Panthère Sportive du Ndé
                                                                            
Im Verlauf eines sehr umkämpften Duells machte letztlich die Spielkontro
lle und die Nervenstärke im Elfmeterschießen den Unterschied. In dieser Übung war die Panthère Sportive du Ndé erfolgreicher und sicherte sich den Pokal, womit sie ihre Fähigkeit bestätigte, entscheidende Phasen und Schlüsselmomente eines national bedeutsamen Finales zu meistern.

Bereits 1988 und 2009 erfolgreich war die Panthère Sportive du Ndé, ein Verein aus der Westregion, und gewann somit den dritten Kamerun-Pokaltitel ihrer Geschichte. Dieser Erfolg beendet eine 16-jährige Durststrecke ohne Titel und markiert die Rückkehr eines traditionsreichen Vereins in die jüngere Erfolgsgeschichte des kamerunischen Fußballs.

Der Sieg wurde in Anwesenheit der Ministerin für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, Célestine Ketcha Courtès, Ehrenpräsidentin des Ndé-Clubs, gefeiert. Sie war offizieller Zeuge dieses als historisch bezeichneten Moments für den Verein aus der Westregion Kameruns. Ihre Präsenz auf höchster politischer Ebene verstärkt die symbolische Bedeutung des Triumphs über die rein sportliche Dimension hinaus.

Der Mittelfeldspieler von der Panthère, Brandon Fopa (22 Jahre alt), wurde zum « Man of the Match » dieses Finales gewählt . Er erhielt so einen Scheck von über 2 Millionen Cfa Franken als Anerkennung für seinen Einfluss während des gesamten Spiels – sowohl bei der Spielgestaltung als auch beim Management der entscheidenden Phasen.

Den Sieg gegen den Titelverteidiger erreichte die Panthère Sportive du Ndé aufgrund ihrer Beherrschung des gesamten Spielverlaufs.

Durch diesen Sieg gegen den Titelverteidiger erzielt die Panthère Sportive du Ndé einen Erfolg von großer symbolischer Tragweite. Der Verein bestätigt seine Rückkehr unter die festen Größen des kamerunischen Fußballs und schreibt ein neues Kapitel seiner Geschichte – mit einem dritten nationalen Titel, der seine sportliche Attraktivität sowie seine Fähigkeit stärken könnte, politische Unterstützung, Partner und eine treue Fanggemeinde an sich zu binden.

Familienbild mit Célestine Ketcha Courtès (Ehrenpräsidentin)
und Djapom Gélis Harold (Vorsitzender von der Panthère Sportive du Ndé)
















William CHANTCHO, Yaoundé

Donnerstag, 27. November 2025

Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas (mit Ergänzungen)

 Einführung:

Zeinab Badawi hat mit ihrer Geschichte Gesamtafrikas aus afrikanischer Sicht ein Werk vorgelegt, das vor allem Afrikaner, die nicht in dem arabisch geprägten Raum anregen könnte, sich mit der Vorgeschichte ihrer Region zu beschäftigen. Denn die Tatsache, dass Ägypter, Griechen und Römer schon lange, bevor sich Schriftkultur über die ganze Welt ausbreitete, über Völker in Nordafrika und Europa berichtet haben, ändert ja nichts daran, dass wesentliche Entwicklungen der Menschheit in Afrika stattgefunden haben.

Deshalb werden hier besonders die Passagen wiedergegeben, in denen Badawi darauf eingeht, dass aufgrund der kolonialen Vergangenheit wichtige Phasen der afrikanischen Vergangenheit lange übergangen wurden. Auf die Inhalte der Geschichte verweisen vor allem Links auf die Wikipedia (meist auf die deutsch-, gelegentlich auf die englischsprachige).

Verlagshinweis: Afrika ist die Geburtsstätte der Menschheit – und doch wissen viele inner- und außerhalb Afrikas nur wenig über die frühe und auch die jüngere Geschichte des Kontinents. Weil die Geschichtsschreibung von der europäischen Perspektive dominiert und daher unvollständig, interessengeleitet sowie verzerrt sei, stellt die Historikerin und Journalistin Zeinab Badawi eine Gegenerzählung aus afrikanischer Perspektive vor. Nach einem Einblick in paläontologische Funde urzeitlicher Menschen gibt sie einen Überblick über die alten Zivilisationen und ihre Herrschenden – etwa die Pharaonen Ägyptens und des Kusch-Reiches, Mansa Musa und die Königreiche Westafrikas oder Mutota und die Könige Groß-Simbabwes.

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Zur Geschichte Afrikas in der Wikipedia

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