Donnerstag, 6. August 2026

Polygamie: ein Vergleich zwischen Kamerun und Europa

 Die Ehe gilt weltweit als Fundament der Gesellschaft. Doch die Form, in der sie gelebt wird, unterscheidet sich stark von Kultur zu Kultur. Während in Europa ausschliesslich die monogame Ehe rechtlich anerkannt ist, kennt Kamerun neben der Einehe auch die Mehrehe. Ein Blick auf die Unterschiede zeigt, dass hinter dieser Frage nicht nur Recht, sondern auch Geschichte, Wirtschaft und Werte stehen .

1-Der rechtliche Rahmen : Anerkennung vs. Verbot

In Kamerun ist die Polygamie im Zivilgesetzbuch geregelt. Ein Mann kann bei der Eheschliessung wählen, ob er eine monogame oder eine polygame Ehe eingehen möchte. Im Falle der Polygamie darf er bis zu vier Frauen heiraten. Alle Ehen müssen offiziell registriert werden. Damit verbunden sind klare Rechte und Pflichten : Unterhaltspflicht, Erbrecht für die Ehefrauen und die Kinder sowie geseztliche Regelung für den Fall einer Scheidung.

In Europa sieht die Rechtslage völlig anders aus. In allen Ländern der EU ist nur die monogame Ehe anerkannt. Eine zweite Eheschließung wäre Bigamie und damit strafbar. Auch wenn in einigen europäischen Staaten Menschen aus polygamen Ehen einwandern, werden nur die erste Ehe und die Kinder rechtlich anerkannt. Weitere Ehefrauen haben keinen Ehegattenstatus. Der Grund dafür liegt im Gleichheitsprinzip und in der Rechtsordnung, die auf das Modell, « zwei Erwachsene, eine Familie » ausgerichtet ist.

2-Kulturelle Hintergründe und soziale Funktion

In vielen kamerunischen Gemeinschaften hat die Polygamie eine lange Tradition. Historisch war sie eng mit Landwirtschaft, Großfamilien und sozialer Absicherung verbunden. Mehrere Ehefrauen bedeuteten mehr Kinder für den Fortbestand des Familiennamens und ein größeres soziales Netzwerk. In diesem Kontext wird die Fähigkeit, mehrere Familien zu versorgen, oft auch als Zeichen von Verantwortung und Wohlstand verstanden.

Zudem spielt der Clan eine große Rolle. Kinder aus der polygamen Ehen gehören derselben Familie an und stärken deren Position innerhalb der Gemeinschaft. Die älteren Frauen nehmen dabei häufig eine leitende Rolle ein und unterstützen die jüngeren Ehefrauen bei Haushalt und Kindererziehung.

In Europa ist die Vorstellung von Ehe dagegen stark durch christliche Werte und später durch die Aufklärung geprägt. Die Ehe wird als Liebes- und Lebensgemeinschaft zwischen zwei gleichberechtigten Partnern verstanden. Individualismus und persönliche Selbstverwirklichung stehen im Vordergrund. Das Sozialsystem, Schulen, Krankenversicherung und Rente sind auf Kernfamilien mit zwei Erwachsenen ausgelegt. Aus dieser Perspektive wird Polygamie oft als unvereinbar mit dem Prinzip der Gleichberechtigung gesehen.

3-Wirtschaftliche Realität und Alltag

Im ländlichen Kamerun kann die Aufteilung von Arbeit und Verantwortung in einer polygamen Familie auch Entlastung bringen. Die Aufgaben im Haushalt, auf dem Feld und bei der Kinderbetreuung werden verteilt. Das kann gerade in Regionen mit wenig staatlicher Infrastruktur eine praktische Lösung sein.

In Europa hingegen basiert der Alltag auf anderen Strukturen. Zwei Einkommen, staatliche Kinderbetreuung, Teilzeitarbeit und soziale Sicherungssysteme machen das Modell der Kleinfamilie tragfähig. Ein Haushalt mit mehreren Ehepartnern würde in diesem System an rechtliche und administrative Grenzen stoßen, etwa bei Steuern, Versicherungen oder Erbschaft.

4-Rechte der Frauen und gesellschaftliche Debatte

Auch die Diskussion über die Rechte der Frauen verläuft unterschiedlich. In Kamerun sind die Rechte polygamer Ehefrauen gesetzlich verankert. In der Praxis hängt die Umsetzung jedoch stark von Region, Bildung und Familientradition ab. In Städten hinterfragen gerade jüngere Menschen das Modell zunemend und entscheiden sich bewusst für die Monogamie.

In Europa steht die Debatte unter dem Zeichen der Geschlechtergleichheit. Kritiker der Polygamie argumentieren, dass sie strukturell zu Abhängigkeiten führen könne. Befürworter kultureller Vielfalt veweisen hingegen auf das Selbstbestimmungsrecht von Erwachsenen. Insgesamt dominiert aber die gesellschaftliche Ablehnung.

Als Fazit geht hervor, dass der Vergleich zwischen Kamerun und Europa unterschiedliche Antworten auf die Frage gibt, wie Familien und Zusammenleben organisiert werden. In Kamerun ist die Polygamie eine rechtlich geregelte, kulturell verankerte Struktur mit klaren sozialen Funktionen innerhalb der Gesellschaft. In Europa ist die Monogamie rechtlich und sozial die Norm, gestützt auf Werte der Gleichberechtigung und ein anderes Wirtschaftssystem.

Wichtig ist, diese Unterschiede nicht nur zu bewerten, sondern zu verstehen. Hinter dem Gesetz stehen Lebensrealitäten. Ein Dialog zwischen den Kulturen kann helfen, Vorurteile abzubauen und gleichzeitig über Menschenrechte, Gleichstellung und den Schutz von Frauen und Kindern zu sprechen. Denn am Ende geht es in jeder Gesellschaft um dasselbe Ziel : ein Leben in Würde, Sicherheit und gegenseitiger Achtung.



William CHANTCHO, Yaoundé - KAMERUN

Mittwoch, 8. Juli 2026

Mangelndes Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz Kameruns

 


Derzeit zweifeln viele Bürger an der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Justiz in Kamerun. Viele befürchten, dass  Korruption und äußere Einflüsse die Arbeit der Justiz stark beeinträchtigen. Die häufigsten Vorwürfe sind, dass Verfahren mit sehr unterschiedlicher Dringlichkeit behandelt werden. Manche werden verschleppt, andere ungewöhnlich beschleunigt.

In einem Rechtsstaat soll die Justiz den Zugang zum Recht für alle gewährleisten, ohne Unterschied von sozialem Status, von Vermögen oder der Nähe zur Macht. Sie ist die Zuflucht des schwachen Bürgers vor der Willkür und die Garantin der Gleichheit vor dem Gesetz. Das ist in Artikel 1 Absatz 3 der Verfassung Kameruns verankert.

Der Vertrauensverlust zu dem Justizapparat hat starke Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt. Wenn ein Teil der Bevölkerung an der Gerechtigkeit gerichtlicher Entscheidungen zweifelt, wird auch die allgemeine Autorität des Staates geschwächt. Umgekehrt spielt eine glaubwürdige Justiz eine befriedende Rolle. Sie schützt die Rechte, regelt Konflikte und festigt den Gesellschaftsvertrag .

Die Bürger fordern keine Privilegien, sondern eine unparteiische Anwendung der Gesetze. Dies setzt eine Justiz voraus, die zugänglich und vorhersehbar ist und innerhalb angemessener Frist tätig wird, im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen Kameruns auf faire Verfahren.

Letztlich bemisst sich die Stärke einer Nation auch an der Stärke ihrer Justiz. Wenn die Justiz ihre Arbeit mit Strenge und Neutralität verrichtet, wird dadurch die gesamte Gesellschaft gestärkt.


William CHANTCHO

Mittwoch, 1. Juli 2026

Welchen Weg sollten die Staaten Afrikas gehen?

Vermutlich ist die Mehrheit der Deutschen wie die Mehrheit der Bewohner Afrikas

der Meinung, dass es den Deutschen gegenwärtig besser geht als den Bewohnern in

ihrem Land. Der Streit in Deutschland geht vor allem darum, wie man die gegenwärtige

Situation aufrecht erhält. Dadurch dass man mehr Menschen ins Land lässt oder weniger.

Von Afrika aus gesehen ist das ein Streit, wie man ihn gern hätte. Die Probleme stellen sich da anders. Die Frage ist: Warum geht es uns so viel schlechter als den meisten Menschen in Europa?

Ist unsere Regierung daran schuld oder sind es die Kolonialmächte?

Die einfachste Lösung wäre: Die ehemaligen Kolonialmächte geben zu, dass sie schuld sind, und finanzieren unseren wirtschaftlichen Aufstieg. Wenn man die Situation von Deutschland aus betrachtet, hat man eine schöne Antwort parat: „Ja, die Kolonialmächte waren schuld wie z.B. das deutsche Kaiserreich mit seinem Völkermord an den Herero und Nama von 1904 bis 1908. Aber das ist über 100 Jahre her. Zwar leben unter uns nach manche, die am Holocaust mitschuldig waren, aber die wurden bestraft und die Schuldigen an dem Völkermord von 1904-1908 sind alle tot. Aber wir wollen euch gern helfen, ganz Afrika zu helfen sind wir zwar zu schwach, aber wir helfen euch nach unseren Kräften. Gewiss tun das auch andere ehemalige Kolonialmächte.

Von Afrika aus gesehen stellt sich dabei aber ein anderes Problem: „Werden die ehemaligen Kolonialmächte uns richtig helfen? Sie hätten uns schon seit Jahrzehnten helfen können, aber praktisch ist nie wirklich etwas daraus geworden. Wir müssen darüber entscheiden, wie uns geholfen wird.“ Über genau dieses Problem streiten sich gegenwärtig im Senegal zwei Parteikollegen. Bassirou Diomaye Faye der neu gewählte Präsident des Senegal und  Ousmane Sonko der Parlamentspräsident.

Faye hält es für sinnvoll, mit Frankreich zusammenzuarbeiten und Sonko, der Gründer der Partei, die Faye als Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat, fordert, dass Senegal die Bestimmungen festlegen können soll, unter denen die Zusammenarbeit erfolgt.





 

Donnerstag, 30. April 2026

Dass die Körper der Verstorbenen bei den Totenwachen nicht mehr präsent sind, ist bei den Bamilekes in Kamerun eine gängige Praxis geworden.

 Jeder Hinterbliebene kümmert sich nur noch um seine eigenen Gäste, die Trauerfeier des Dorfs findet nicht mehr statt.

Aus den Totenfeiern der Grasland-Kultur ist eine bloße Inszenierung eines Events geworden. Man reist zu einer Beerdigung, tanzt Mbolé, Bikutsi, Makossa usw. , ohne überhaupt den Trauerhof zu kennen.

Die Freunde des Verstorbenen werden mit dem Leichnam ihres Freundes im Hof alleingelassen; Jeder Sohn ist damit beschäftigt, seine eigene Feier vorzubereiten. Die Hinterbliebenen wissen nicht einmal, ob im Hof des Verstorbenen, wo sich der Leichnam befindet, die Kerzen noch brennen, ob die Nachbarn ebenfalls eine Feier begehen.

Das Event Trauerfeier wird bei den Bewohnern des Kameruner Graslands so sehr geschätzt, dass man sich fragt, ob ein Sterbefall nur noch ein willkommener Anlass ist, die Feier für allerlei Ausschweifungen zu nutzen Der Trauerhof ist leer, Unkraut wächst an den Eingängen, der Sarg wurde beschädigt, der Leichenwagen wurde wegen Geldmangels frühzeitig weggeschickt: alles, um das Geld für die Getränke beim Event aufzusparen.

Wie soll man verstehen, dass jemand gestorben ist, dass Söhne, Enkel mit Freunden kommen, um ihren Onkel, ihre Tante usw.zu ehren, aber abreisen, ohne zu wissen, wo die Trauerfeier überhaupt stattfand? Wie soll man verstehen, dass jeder erst um 10 Uhr ankommt : “Ndop” über der Schulter, mit wiegendem Gang und im frisch gebügelten Zweireiher! Dabei beachten sie nicht, dass sie dabei beobachtet werden. Denn es wäre ja längst Zeit, Stühle aufzustellen und das religiöse, traditionelle Protokoll vorzubereiten. Bei den Bewohnern des Graslandes ist jeder Sinn für die Würde der Verstorbenen verlorengegangen. In diesem völligen Chaos schweigen die Hüter der Tradition. Sie nehmen diese Entweihung der Trauer einfach hin! IHRE MAJESTÄT, die Könige, unsere Würdenträger, geehrte Notable und Weise, euer Volk verliert seine Orientierung, und ihr seid die Hauptschuldigen an dieser Katastrophe, die sich nun bei jedem Todesfall wiederholt!

EIN TODESFALL BEDEUTET HEUTE:

Das Rind kaufen, es ausstellen, damit das Dorf sieht, dass es sich um eine große Trauerfeier handelt; den Verstorbenen irgendwo im Hof ablegen und den Leichenwagen wegschicken. Die Aktion läuft ab: jeder Sohn lässt den Körper seines Vaters, seiner Mutter, seines Großvaters bei seinen Freunden zurück, weil eine Gruppe aus Yaoundé eingetroffen ist und er mit der das große Ereignis begehen muss. Der Tod hat seine Würde verloren, denn wie sonst kann man die Trauerhäuser der Hinterbliebenen mit Besuchern überfluten und den Körper des Toten allein zurücklassen?

Die Inszenierung des Events entheiligt das Heilige und zerstört die Werte vor den Augen der Hüter der Tradition, der Intellektuellen und sogar des Dorfbewohners, der es wagt, Vorwürfe zu machen und deshalb sogar als rückständig gilt. Das lassen wir einfach so geschehen.


William CHANTCHO, Douala -KAMERUN

Samstag, 18. April 2026

Die Polygamie: eine fest in der afrikanischen Gesellschaft eingebundene Praxis

 Wenn man über Polygamie spricht, denken viele sofort an einen reichen und mächtigen Mann, der Frauen wie Trophäen aneinanderreiht. Doch die afrikanische Geschichte erzählt uns etwas anderes. In vielen alten Gesellschaften war die Polygamie nicht nur eine Frage männlichen Verlangens. Sie war eine echte Familienstrategie, eine soziale Organisation, die oft von den Frauen selbst geregelt und überwacht wurde. Die Familie war nicht nur ein Zuhause: sie war eine Produktionseinheit. Landwirtschaft, Viehzucht, Handwerk, lokaler Handel…. Alles beruhte auf der Arbeit des Haushalts. Und die Frau hatte eine wichtige wirtschaftliche Rolle im Haushalt. Sie pflanzte, säte, erntete und verarbeitete. Sie kümmerte sich um Wasser, Feuer, Kinder und tägliche Rituale. Sie verwaltete den Haushalt und manchmal auch den Handel. Diese ganze Last allein zu tragen, konnte sie schnell erschöpfen und den gesamten Haushalt schwächen. In diesem Kontext war eine Mitfrau nicht unbedingt eine Rivalin. Sie konnte eine Verbündete sein, die half, die Last zu teilen und den Haushalt zu stabilisieren. Und wer entschied oft über das Kommen der zweiten Frau? Unausweichlich die erste Ehefrau. Sie beobachtete die Dynamik des Haushalts, bewertete die Bedürfnisse und konnte die neue Ehefrau vorschlagen oder bestätigen. Sie achtete darauf, dass diese aus einer passenden Familie kam, arbeitsfähig war, die Regeln respektierte und fähig war, zusammenzuleben, ohne das familiäre Gleichgewicht zu stören. Die Polygamie war ursprünglich keine männliche Laune ; sie erforderte freilich diplomatischen Umgang der Frauen miteinander.

Die Integration einer Mitfrau erfolgte mit Protokollen, Ritualen und Gesprächen. Die erste Ehefrau begleitete sie und führte sie in die Regeln des Haushalts ein, in die Verwaltung des Hauses, den Respekt gegenüber den Älteren und die Beziehungen zur Verwandtschaft. Die neue Ehefrau wurde nicht einfach hinzugefügt : sie wurde in eine bestehende Familienstruktur integriert. Heutzutage haben wir jedoch nur das Wort Polygamie im Blick. Verantwortung, Protokoll, Gleichgewicht und die Würde von den Frauen werden oft ignoriert. Man behält das Privileg des Mannes bei, aber nicht mehr die Tradition. Geld, Macht, Prestige oder Religion werden instrumentalisiert. Daher stellen wir uns die Frage: Wenn wir vom alten Afrika sprechen, was haben wir wirklich bewahrt? Die Institution oder nur das Privileg? Denn Polygamie ohne Verantwortung, ohne Gerechtigkeit, ohne soziales Protokoll, ohne Stabilität und ohne Respekt gegenüber Frauen zu bewahren …… ist keine Tradition mehr. Es ist schlicht und einfach nur eine Ausrede.

William CHANTCHO

Montag, 13. April 2026

Leo XIV. vor seiner Reise nach Kamerun

 Leo XIV.  * 14. September 1955 in Chicago, Illinois, Vereinigte Staaten, leitete von 2001 bis 2013 als Generalprior den Augustinerorden, war von 2015 bis 2023 Bischof des Bistums Chiclayo im Nordwesten Perus und wurde im September 2023 zum Kardinal erhoben. (Neben der Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten besitzt er seit 2015 auch die peruanische Staatsbürgerschaft, außerdem seit 2023 von Amts wegen die des Vatikans.) [...]

Leo XIV. verurteilte die russische Invasion der Ukraine als „eine echte Invasion, die imperialistischer Natur ist und bei der Russland versucht, aus Machtgründen Territorium zu erobern“.[150] Er forderte in einer seiner ersten großen Reden als Papst einen Waffenstillstand im Gaza-Krieg.[151][152][153] Leo XIV. bezeichnete den Frieden als zentrales Thema seines Pontifikats und rief dazu auf, „nie wieder Krieg“ zu führen und sich für einen echten, dauerhaften Frieden einzusetzen.[154][155] Er betonte, dass Frieden im Inneren beginne: „Nur ein friedvolles Herz kann Frieden verbreiten, in der Familie, in der Gesellschaft und in den internationalen Beziehungen.“[156][157] Gewaltlosigkeit soll die Methode und den Stil aller Entscheidungen, Beziehungen und Handlungen bestimmen. [...] (Wikipedia)

Angekündigte Reisen in das außeritalienische Ausland

ZielDatumAnlass / Orte
Algerien13. bis 15. April[2]Algier und Annaba
Kamerun15. bis 18. April[2]YaoundéBamenda und Douala
Angola18. bis 21. April[2]LuandaMuxima und Saurimo
Äquatorialguinea21. bis 23. April[2]MalaboMongomo und Bata
Spanien6. bis 12. Juni 2026[2]
(Wikipedia)

Mittwoch, 8. April 2026

Zur Entwicklung des Handels in Afrika und Europa im Vergleich

 Bekanntlich fand der Übergang von den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen zum Menschen in Afrika statt. Die Menschen organisierten sich in verhältnismäßig kleinen Gruppen und suchten sich ihre Nahrung als Jäger und Sammler. Erst als Menschen sesshaft wurden und sich für die Herstellung von Gütern spezialisierten, konnte ein Bedürfnis entstehen, sich mit anderen Gruppen auszutauschen, um von denen Güter zu erhalten, die es vor Ort nicht gab. Das geschah, als sich Hochkulturen entwickelten und innerhalb eines größeren Reiches Güter ausgetauscht wurden. Die Fernhandelswege zwischen unterschiedlichen Kulturen waren innerhalb Europas weitgehend Seewege. In Afrika gab es mit der Sahara mit dem Transsaharahandel ein besonders großes nur gering besiedeltes Gebiet zu durchqueren. Die weiteren wichtigen Handelswege in Afrika waren weniger weiträumig. 

Intensive Handelsverbindungen zwischen Nordafrika und Europa gab es bereits zur Zeit des Römischen Reiches. Zu transatlantischem Handel großen Stils kam es erst mit dem Kolonialismus im sogenannten Atlantischen Dreieckshandel, der allerdings seine Vorläufer schon seit dem 7. Jahrhundert im Sklavenhandel zwischen Subsahara-Afrika und dem Nahen Osten. (Dabei ist freilich umstritten, ob es wirklich ein Handelsnetz zwischen den drei Kontinenten Amerika, Afrika und Europa gab oder ob der Handel nur jeweils zwischen zwei Kontinenten stattfand und sich nur aus der Kombination dieser Handelswege ein Dreieckshandel ergab.)

Wenn man die Entwicklung des Handels innerhalb der Kontinente Europa und Afrika vergleicht, fällt auf, dass es zwar schon früh Handel zwischen Städten und eine Spezialisierung des Handels gab, aber die Entwicklung zeitlich ziemlich unterschiedlich verlief.

Der Übergang von Märkten zu festen Verkaufsstellen fand schon früh in Ägypten, Mesopotamien und im Mittelmeerraum statt, im Norden Europas erfolgte er erst deutlich später. Im Mittelalter gab es allerdings in den Niederlassungen der Hanse in Städten an der Nordsee- und Ostseeküste schon viele feste Verkaufsstellen. Für Transsahara-Afrika ist die Entwicklung in der Zeit vor dem Kolonialismus nicht genau festzulegen. Ein Einschnitt liegt eindeutig vor, als am Ende des 19. Jahrhunderts die Europäer sich feste Handelsplätze schufen. In Kamerun geschah das 1884 durch die Deutschen, in Gabun 1890 mit den französischen Konzessionsgesellschaften.

In Gabun bewährten sich die staatlich geförderten Gesellschaften weniger, und der Trend ging zu einer Privatisierung des Handels. 

Einzelhandelsgeschäfte entstanden außerhalb großer städtischer Zentren erst in den 20er und 30er Jahren, doch hatte diese Entwicklung bereits vor dem Afrika-Jahr 1960 und der Dekolonisation Afrikas das Umland der Städte erreicht. 

Der Verbreitung von Einzelhandelsgeschäften in Afrika folgte in Europa der Trend zur autogerechten Stadt und fand in den 1960er Jahren einen Höhepunkt. Doch während in Europa in den 1970er Jahren ein Umdenken in Richtung Verkehrsberuhigung begann, setzte das in Afrika erst im 21. Jahrhundert ein, auch wenn einzelne Städte die durchschnittliche europäische Entwicklung sogar überholten (zum Beispiel Kigali mit der Erklärung einer Straße in der Innenstadt zur autofreien Zone) im Jahr 2015.