Mittwoch, 8. April 2026

Zur Entwicklung des Handels in Afrika und Europa im Vergleich

 Bekanntlich fand der Übergang von den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen zum Menschen in Afrika statt. Die Menschen organisierten sich in verhältnismäßig kleinen Gruppen und suchten sich ihre Nahrung als Jäger und Sammler. Erst als Menschen sesshaft wurden und sich für die Herstellung von Gütern spezialisierten, konnte ein Bedürfnis entstehen, sich mit anderen Gruppen auszutauschen, um von denen Güter zu erhalten, die es vor Ort nicht gab. Das geschah, als sich Hochkulturen entwickelten und innerhalb eines größeren Reiches Güter ausgetauscht wurden. Die Fernhandelswege zwischen unterschiedlichen Kulturen waren innerhalb Europas weitgehend Seewege. In Afrika gab es mit der Sahara mit dem Transsaharahandel ein besonders großes nur gering besiedeltes Gebiet zu durchqueren. Die weiteren wichtigen Handelswege in Afrika waren weniger weiträumig. 

Intensive Handelsverbindungen zwischen Nordafrika und Europa gab es bereits zur Zeit des Römischen Reiches. Zu transatlantischem Handel großen Stils kam es erst mit dem Kolonialismus im sogenannten Atlantischen Dreieckshandel, der allerdings seine Vorläufer schon seit dem 7. Jahrhundert im Sklavenhandel zwischen Subsahara-Afrika und dem Nahen Osten. (Dabei ist freilich umstritten, ob es wirklich ein Handelsnetz zwischen den drei Kontinenten Amerika, Afrika und Europa gab oder ob der Handel nur jeweils zwischen zwei Kontinenten stattfand und sich nur aus der Kombination dieser Handelswege ein Dreieckshandel ergab.)

Wenn man die Entwicklung des Handels innerhalb der Kontinente Europa und Afrika vergleicht, fällt auf, dass es zwar schon früh Handel zwischen Städten und eine Spezialisierung des Handels gab, aber die Entwicklung zeitlich ziemlich unterschiedlich verlief.

Der Übergang von Märkten zu festen Verkaufsstellen fand schon früh in Ägypten, Mesopotamien und im Mittelmeerraum statt, im Norden Europas erfolgte er erst deutlich später. Im Mittelalter gab es allerdings in den Niederlassungen der Hanse in Städten an der Nordsee- und Ostseeküste schon viele feste Verkaufsstellen. Für Transsahara-Afrika ist die Entwicklung in der Zeit vor dem Kolonialismus nicht genau festzulegen. Ein Einschnitt liegt eindeutig vor, als am Ende des 19. Jahrhunderts die Europäer sich feste Handelsplätze schufen. In Kamerun geschah das 1884 durch die Deutschen, in Gabun 1890 mit den französischen Konzessionsgesellschaften.

In Gabun bewährten sich die staatlich geförderten Gesellschaften weniger, und der Trend ging zu einer Privatisierung des Handels. 

Einzelhandelsgeschäfte entstanden außerhalb großer städtischer Zentren erst in den 20er und 30er Jahren, doch hatte diese Entwicklung bereits vor dem Afrika-Jahr 1960 und der Dekolonisation Afrikas das Umland der Städte erreicht. 

Der Verbreitung von Einzelhandelsgeschäften in Afrika folgte in Europa der Trend zur autogerechten Stadt und fand in den 1960er Jahren einen Höhepunkt. Doch während in Europa in den 1970er Jahren ein Umdenken in Richtung Verkehrsberuhigung begann, setzte das in Afrika erst im 21. Jahrhundert ein, auch wenn einzelne Städte die durchschnittliche europäische Entwicklung sogar überholten (zum Beispiel Kigali mit der Erklärung einer Straße in der Innenstadt zur autofreien Zone) im Jahr 2015.






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