Sonntag, 19. Oktober 2025

Über die Rolle der Duala beim Kontakt mit den Europäern

Duala  Kontakt mit den Europäern 

Über Rudolf Duala Manga Bell als Anführer des Widerstandes gegen die widerrechtliche Vertreibung der Duala aus ihren angestammten Siedlungsgebieten.

"Kaufleute des Hamburger Unternehmens Woermann planten im Zusammenspiel mit Kolonialbeamten und Militärs, die Einwohner am Kamerun-Fluss zu vertreiben und den Zwischenhandel mit Palmöl-Lieferanten aus dem Hinterland unter Kontrolle zu bekommen. In Afrika seien "zwei Schätze" auszubeuten, erklärte Handelshaus-Senior Adolph Woermann, "die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitskraft vieler Millionen Neger"."

https://www.spiegel.de/geschichte/kolonialismus-in-kamerun-die-tragoedie-um-rudolf-manga-bell-a-1280584.html

"Im Juni 1883 verfasste Adolph Woermann eine Denkschrift, in der sich der hanseatische Handel für eine neue Afrikapolitik einsetzte und Schutz durch das deutsche Reich forderte. Das Schreiben wurde von der Hamburger Handelskammer angenommen und an die Reichsregierung weitergeleitet.[11] Neben der Sicherung des Handels vor englischer und französischer Konkurrenz und der Ausschaltung des afrikanischen Binnenhandels[12] wurde ferner die „Erwerbung eines Küstenstriches in West-Afrika zur Gründung einer Handelskolonie Biafra Bai“, das heißt an der Küste des heutigen Kamerun oder Südostnigeria, gefordert.[13]

Aufgrund seines hohen Ansehens gelang Adolph Woermann die Durchsetzung dieser Positionen und Ziele, wobei er ab 1883 Berater von Reichskanzler Otto von Bismarck war.[14]

Am 12. Juli 1884 wurde mit dem afrikanischen Stammesführer der Duala, King Bell, ein Vertrag geschlossen. Dieser übertrug die Souveränität, Gesetzesgewalt und Verwaltung des Ausgangsgebietes von Kamerun an C. Woermann und an das (1874 von zwei ehemaligen Angestellten von C. Woermann gegründete) Unternehmen Jantzen & Thormälen. Der Vertrag wurde am 15. Juli 1884 mit zwölf weiteren afrikanischen Stammeshäuptlingen von Kamerun bestätigt.[11] Zur Sicherung des Palmölhandels wurden diese Gebiete unter den „Schutz“ des Reiches gestellt (sogenannte „Deutsche Schutzgebiete“). Die Verträge wurden in einer Faktorei von C. Woermann geschlossen und auf deutscher Seite unter anderem von Eduard Woermann, einem jüngeren Bruder von Adolph Woermann, unterzeichnet. Um die Aufteilung Afrikas zwischen den Großmächten verbindlich zu regeln, wurde vom 15. November 1884 bis 23. Februar 1885 in Berlin die Kongokonferenz abgehalten, an der Adolph Woermann teilnahm.

Kaufleute des Hamburger Unternehmens Woermann planten im Zusammenspiel mit Kolonialbeamten und Militärs, die Einwohner am Kamerun-Fluss zu vertreiben und den Zwischenhandel mit Palmöl-Lieferanten aus dem Hinterland unter Kontrolle zu bekommen. In Afrika seien zwei Schätze auszubeuten, erklärte Handelshaus-Senior Adolph Woermann, „die Fruchtbarkeit des Bodens und die Arbeitskraft vieler Millionen Neger“.[15]" (Wikipedia)


Über die Geschichte von Bimbi im Dualaland

Die Gegend um Bibundi wurde von der ethnischen Gruppe der Isubu (auch: Subu) besiedelt, die – nach ihrer mündlichen Überlieferung – aus der Gegend um den Kamerunberg eingewandert waren. Einer ihrer lokalen Herrscher hieß Mbimbi, was dazu führte, dass das Gebiet den Namen Bimbia erhielt.[3]

Um 1475 erreichten portugiesische Händler die Wouri-Mündung und in den nächsten Jahrzehnten kamen weitere Europäer, um dort Handelsposten zu errichten. Die Isubu agierten als Zwischenhändler für ElfenbeinKolanüsse und Paprika aus dem Landesinneren. Die wichtigste Handelsware waren allerdings Sklaven, die zunächst hauptsächlich für Plantagen auf nahe gelegenen Inseln wie AnnobónFernando PóoSão Tomé und Príncipe bestimmt waren.[4] Der Handel wurde von den lokalen Herrschern kontrolliert und Bimbia war zu dieser Zeit die primäre Siedlung der Isubu.[5] Als Hafen für die Verschiffung wurde auch die kleine Bucht Dikulu Bay (früher: Dikolo) etwas östlich von Bimbia genutzt.

Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten britische Händler, deren Regierung die Sklaverei mittlerweile verboten hatte. Das Verbot setzte sich durch und der derzeitige lokale Herrscher, genannt König William (englischWilliam I. of Bimbia), dessen Souveränität die Händler in der Region anerkannten, unterzeichnete 1844 und 1848 Anti-Sklaverei-Verträge, die ihm für den Verzicht auf den Sklavenhandel Geld und jährliche Ausgleichslieferungen an Alkohol, Waffen, Textilien und anderen Waren sicherten.[5] Durch den Schutz dieser Verträge wurde Bimbia zu einem Zufluchtsort für repatriierte Sklaven und Flüchtlinge aus dem illegalen Handel, der noch weitere Jahre andauerte.

Neben den Handelsbeziehungen waren die Briten bemüht, ihren Einfluss auch durch das Missionswesen auszuweiten. Nach anfänglicher Ablehnung erhielt der Missionar Joseph Merrick von König William 1844 die Erlaubnis zum Bau einer Kirche und Schule in Bimbia. Merrick starb 1849, jedoch waren in der Zwischenzeit weitere Missionare, etwa Alfred Saker, der spätere Gründer von Limbe (früher: Victoria), und Joseph Jackson Fuller in Bimbia eingetroffen und führten das Missionswerk fort.

Ab 1860 hatten auch deutsche, französische und spanische Kaufleute in der Gegend Fuß gefasst und schwächten das britische Monopol und die Macht der lokalen Herrscher. Als der junge König William 1878 die Nachfolge seines Vaters antrat, war er faktisch machtlos.[6]

Im März 1884 wurde der deutsche Diplomat und Afrikaforscher Gustav Nachtigal zum Reichskommissar für die westafrikanische Küste ernannt.[7] Nachtigal schiffte sich auf dem Kanonenboot Möwe ein und nahm im Juli 1884 Flaggenhissungen an mehreren Orten der westafrikanischen Küste vor, so auch in Bimbia. Als am 12. Juli 1884 offiziell das deutsche Protektorat über Kamerun ausgerufen wurde, war die Umgebung von Limbe und Bimbia zunächst aber nicht Teil der deutschen Kolonie, sondern blieb in britischer Verwaltung.

Erst am 7. Mai 1886 einigten sich Großbritannien und das deutsche Reich darauf, das Gebiet gegen deutsche Rechte an der Niger Mündung und am St.-Lucia-See in KwaZulu-Natal auszutauschen. Am 28. März 1887 wurde die Gegend an die deutsche Verwaltung übergeben. Zur gleichen Zeit kauften Schweizer presbyterianische Missionare das Land 1887 von der Baptist Missionary Society, die hier vorher aktiv war. In der Kolonialzeit behielt Bimbia seine Bedeutung als Handelshafen und Sitz verschiedener Faktoreien.[8] Zu dieser Zeit wurde die Ansiedlung als aus drei Dörfern bestehend beschrieben. Weite Flächen der Umgebung waren im Besitz der Plantagengesellschaft Woermann und Thormählen mit dichtem Urwald und großem Wildbestand. Nicoll's Island gehörte zum Besitz des Hamburger Handelshauses C. Woermann.

Im Zuge der Aufteilung des deutschen Kolonialgebiets nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Gebiet bis 1960 Teil des französisch Kolonialreichs in Zentralafrika. (Wikipedia)


mehr dazu in: Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas  


Die deutsche Kolonie Kamerun 1884 bis 1919

 Kolonie Kamerun

Histoire du Cameroun     Geschichte Kameruns

Bilder und anderes aus der Zeit der deutschen Kolonie Kamerun und zu Kamerun allgemein

Gesetzestexte zu den Kolonien Kamerun und Togo:

Kamerun

Togo



Samstag, 18. Oktober 2025

Theodor Michael: Deutsch sein und schwarz dazu

 Mit dem Artikel über die Geschichte Afrikas aus afrikanischer Sicht von Zeinab Badawi haben wir hier in unserem Blog erstmals einen Blick zurück in die Geschichte vor vielen Jahrhunderten getan, um im Sinne des Kulturaustauschs nicht nur die gegenwärtige afrikanische und europäische Kultur zu betrachten, sondern sondern auch ihren historischen Hintergrund einzubeziehen. 

Der Hintergrund der europäischen Geschichte mit der industriellen und der französischen Revolution wird genauso wie der der Menschheitsgeschichte mit der Herkunft aus Afrika und den Hochkulturen im nordafrikanischen (Ägypten), asiatischen (Sumerer, Babylonier, Inder, Chinesen) und europäischen Raum (Griechen, Römer) mehr oder minder genau im allgemeinen Schulunterricht behandelt (vgl. Menschheitsgeschichte (Wikipedia und Wikibooks). Die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts kennt man auch aus dem Schulunterricht, doch die Geschichte davor kommt dort meist zu kurz. 

Deshalb ist das Buch von Badawi  so wichtig. In dem hier vorgestellten Buch geht es aber um die persönliche Lebensgeschichte eines Mannes der aus Kamerun stammte und in Deutschland  aufwuchs und der einen Blick auf Kamerun und Deutschland hat, den wir alle nicht kennen. Das zeigt sich daran, dass die Bezeichnungen von Gebieten aus Kamerun, die er verwendet, in der Wikipedia weitestgehend nicht vorkommen und dass er von einem Deutschland berichtet, in dem Afrikaner so unbekannt waren, dass man sie in Völkerschauen als Attraktionen im Zirkus vorführte (in anderen Sprachen verwendet man oft den Ausdruck Zoo: frz. zoo humain, engl. human zoo)  

"[...] Theophilus Wonja Michael wurde, so steht es im Familienstammbuch, am 14. Oktober 1879, 5 Jahre vor Beginn der deutschen Kolonialherrschaft, in Victoria, im Bimbaland an der Atlantikküste Kamerun geboren. Heute heißt dieser Landstrich, Malimbe. Seine weitverzweigte Familie hieß ursprünglich M'Bele, nach andere Schreibweise und auch phonetisch 'M'Bella'. Der in der deutschen Kolonialgeschichte bekannte William Bell, der den Vertrag über den Anschluss des Duala-Landes an Deutschland aus ausgehandelt hat, kommt auch aus dieser Familie. Bell entspricht M'bele. Das konnten die Europäer nur schwer aussprechen und ließen deshalb das 'M' weg. Der Großvater meines Vaters wurde am Michaelitag getauft und seitdem ist Michael unser Familienname. 

Einer der Vorfahren meines Vaters war Bona N'golo Mbimbi a M'bele. Er war der Namensgeber des späteren Bimbia. Mag sein, / dass sich auch der abwertende Begriff Bimbo für Schwarze davon herleitet. Dieser Mann war einer der berüchtigten afrikanischen Fürsten gewesen, die in der Zeit des Sklavenhandels reich und mächtig wurden. Die in den europäischen Quellen üblichen Bezeichnungen, 'Häuptling' oder 'Chief' sind eher irreführend. Es waren Männer, die die Elite ihrer Völker bildeten, in einer Sozialstruktur, die an diesem Teil der Küste weitgehend feudalistisch war. Als die Baptisten aus der Karibik um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Lande Bimbia Fuß fassten und die Missionsstation Victoria gründeten, war die frühere Macht dieser Fürsten allerdings größtenteils dahin geschwunden. Die ersten Europäer, die in das Land kamen, berichteten von endlosen Kämpfen und Auseinandersetzungen unter den führenden Familien, von Intrigen und Kabalen [Streitigkeiten], die sie untereinander und miteinander führten. Einige dieser Potentaten waren nicht unfroh, als sich die europäischen Mächte, England, Frankreich und Deutschland, plötzlich für diese Küstenstreifen zu interessieren begannen. Erhofften sie sich doch, die Fremden für die Durchsetzung ihrer eigenen, persönlichen Ziele einsetzen zu können.

Bekanntlich kam es nicht so. Den Wettlauf um Kamerun gewannen die Deutschen, und die hatten ganz andere, eigene Vorstellungen und Ziele als die einheimischen Potentaten. Ab etwa 1875 hatten Kaufleute aus Hamburg und Bremen begonnen, mit den 'Chiefs' an der Küste Handel zu treiben. Diese Kaufleute wollten ungehindert ihren Geschäften nachgehen, und zwar auch im Hinterland von Kamerun. Das wiederum wurde Ihnen von ihren afrikanischen Geschäftspartnern, die selbst den Handel im Hinterland für sich monopolisiert hatten, verweigert. Damit wollten sich der Hanseaten nicht abfinden und verlangten, dass die Beauftragten der Regierung in Berlin so genannte 'Schutzverträge' zu ihren Gunsten mit den einheimischen Fürsten und Königen abschlossen. Ein solches Ansinnen stand zunächst im Widerspruch zu den Plänen des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck. Er war eigentlich ganz und gar gegen Kolonien. Denn deren Unterhalt würde den Staat – seiner Meinung nach – nur Geld kosten und nichts einbringen als Ärger, den das deutsche Kaiserreich, so kurz nach seiner Gründung und / dem Ende des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 nicht gebrauchen konnte. 
Aber das berüchtigte Scramble for Africa hatte begonnen, und die Reichsregierung folgte diesen Forderungen. letztlich doch. Man entsandte Gustav Nachtigal, den deutschen Konsul in Tunis, um entsprechende Verträge mit den afrikanischen Fürsten zu schließen. Darin nannte man diese Länder irreführend 'Schutzgebiete', nach damaliger Rechtsauffassung Protektorate, eine Zwitterbezeichnung. Am Ende setzte sich der Begriff 'Schutzgebiet' für die deutschen Kolonien durch und hielt sich auch über das Ende der deutschen Kolonialzeit hinaus.

De facto war Kamerun nunmehr eine Kolonie des deutschen Kaiserreiches. Ich gehe davon aus, dass die afrikanischen Fürsten, die diese Verträge mit ihren Kreuzchen gegenzeichneten, den genauen Wortlaut gar nicht kannten. Zum einen konnten sie selbst zumeist weder lesen noch schreiben. Denn Lernen war nach ihrer Auffassung ‚‘Arbeit‘ und deshalb für ‚Adelige‘ nicht standesgemäß. Erst später, als die Missionare Schulen einrichteten, in die vor allem unterprivilegierte Familien ihre Kinder schickten, merkten sie, dass sie einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatten. Die Kinder aus ‚adligen‘ Familien fühlten sich plötzlich gegenüber, den ‚nicht adeligen‘ Kindern benachteiligt, was zu sozialen Konflikten führte, von denen die Kolonialmacht und ihre Vertreter überhaupt nichts merkten. Zum anderen wurde der Wortlaut der schriftlichen Verträge durch die oft mehrfachen mündlichen Übersetzungen bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ich kann mich mir nicht vorstellen, dass diese Fürsten freiwillig ihre Autorität, Selbstständigkeit und ihren Landbesitz mit der eigenen Unterschrift einer fremden Macht preisgegeben hätten.

Dieses Original des Vertrages über den Landstrich [région] Malimbe bzw. Bimbia ist nicht mehr auffindbar. Mein Großvater und mehrere andere Fürsten, die damals das Land regierten, hatten ihn mit einem Kreuz gezeichnet. Darunter standen ihre Namen. Der Journalist und Afrika-Reisende Hugo Zöller war in amtlichen Auftrag am Abschluss dieser Verträge beteiligt und hat 1885 ein Buch darüber veröffentlicht mit dem Titel ‚Die deutschen Besitzungen / an der westafrikanischen Küste‘. Darin wird unter dem Namen ‚Freeborn‘ auch mein Großvater erwähnt. Freeborn ist in etwa die englische Übersetzung von Wonja beziehungsweise ;Wonjange’ oder auch Wonjunge’ in der Duala-Sprache. Mehr konnte ich über die Wurzeln meiner Familie auch in Kamerun nicht in Erfahrung bringen.

Einer der wenigen positiven Aspekte der deutschen Kolonialzeit, war die Einführung von Schulen. In der Regel wurden sie von den christlichen Missionaren getragen, und mein Vater hatte das Glück, eine solche besuchen zu dürfen. Es war das Ziel aller junger Kameruner, insbesondere aus den aristokratischen Familien, unter allen Umständen nach Europa zu gelangen, um teilzuhaben, an Kenntnissen, Fortschritt und Reichtum dieses Kontinent. Mein Vater gehörte zu diesen aufbruchsbereiten jungen Männern, die weg wollten aus der Enge der Stammesgesellschaft, aus der Bevormundung einer Kolonialverwaltung, aus Lebensverhältnissen, die so völlig anders waren als diejenigen, die die Repräsentanten von Kamerun ihren Familien begeistert beschrieben hatten, als sie von der ersten Kolonialausstellung 1894 [1896] in Berlin nach Hause zurückgekehrt waren. Europa beziehungsweise Deutschland erschienen ihnen wie das gelobte Land. Wer es jedoch tatsächlich schaffte, nach Deutschland zu kommen, sah sich mit Umständen und Erfahrungen konfrontiert, die nichts mit paradiesischen Zuständen zu tun hatten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. (S.12-15)

Es folgt ein Inhaltsüberblick über das Buch von Seite 9 bis 186. Aus diesem Inhalt werden vermutlich nur wenige kurze Zitate nach dem Inhaltsüberblick aufgenommen werden.

"Studium in Paris

Von dem afrikanischen Politiker und Literaten Léopold Sédar Senghor wusste ich schon, bevor ich nach Paris ging. Ich kannte ihn aus den Übersetzungen von Jan Heinz Jahn, einem Schriftsteller, der seit den fünfziger Jahren afrikanische Literatur in Deutschland bekannt machte, mehr als 50 Jahre, nachdem der Ethnologe / und Afrikareisende, Leo Frobenius in München, sein 'Afrika-Archiv 'gegründet hatte. Doch erst nun wurde mir bewusst, welche Bedeutung ein Mann wie Senghor auch für die neue politische und intellektuelle afrikanische Elite hatte. Von afrikanischen Studenten hörte ich zum ersten Mal den Begriff 'la Négritude'. Zuerst war ich fast entsetzt, weil das übersetzt 'das Negerhafte' oder 'das Negerische' heißen würde. Im anglofonen afrikanischen Sprachraum wurde das auch so empfunden, wie ich später feststellte, und eher abgelehnt.

Ich lernte aber schnell den Begriff, positiv zu sehen, als ich von der kulturmorphologischen Seite her an die Négritude heranging. Eines meiner Schnäppchen in den Frankfurter Buchantiquariaten war ein Buch von Leo Frobenius gewesen. Es war 1933 in dem Züricher Phaidon Verlag erschienen und trug den Titel 'Kulturgeschichte Afrikas'. 1998 hat es in Deutschland der Peter Hammer Verlag noch einmal neu herausgebracht. auch die umfangreichen Sammlungen afrikanischer Märchen von Frobenius mochte ich sehr. Mit einem Werk von ihm, 'Paideuma. Umrisse einer Kultur und Seelenlehre' konnte ich allerdings zunächst nicht viel anfangen. Erst als ich mit Dahrendorfs Aussage 'vom ständig sich verändernden Wandel der Kulturen sowie ihren gegenseitigen Beeinflussungen' näher beschäftigte, begriff ich, dass Frobenius zu einer Zeit, in der afrikanische Völker nur unter dem Gesichtspunkt der 'Primitivität' betrachtet wurden, den unterschiedlichen afrikanischen Kulturen jeweils ein Paideuma, also eine eigene Kulturseele, zugesprochen hatte. Die aus den französischen Kolonien in Afrika und der Karibik stammenden Studenten, Léopold Sédar Senghor, Aimé Cesaire und Léon-Gontran Damas, kannten die französische Übersetzung der 'Kulturgeschichte Afrikas' Histoire de la Civilisation Africaine, die 1938 bei Gallimard in Paris erschienen war. Mit Sicherheit hatten sie, wie alle damals in Europa lebenden Menschen afrikanischer Herkunft, rassistisch motivierte Demütigung erlebt und waren erstaunt, dass ausgerechnet ein Deutscher, wie Senghor später schrieb, 'Afrika, seine Würde und seine Identität' wieder zurückgegeben hatte." (S. 156/57)

" 'La négritude war ein Aufruf an die in aller Welt verstreuten 'schwarzen Menschen',  zur Rückbesinnung auf ihre Wurzeln und die Werte, afrikanischer Kultur und Kulturen. Aimé Cesaire  hatte den Begriff zum ersten Mal verwendet, 1935 in der Studentenzeitschrift 'L'Etudiant Noir'. Der Begriff wurde von der damals noch recht kleinen schwarzen Studentengemeinde in Paris als politische Alternative zum französischen Assimilationsangebot und als eigene Identifikationsmöglichkeit verstanden. Heute würde ich Négritude mit 'Afrikanität' übersetzen und sehe sie politisch und kulturell als Gegenpol zur europäischen Arroganz und Dominanzbestrebung. " (S.158). 

(Wie Deutschland zum Einwanderungsland wurde)

"Die größte Zuwanderung war eine Folge des verlorenen Krieges, als Millionen von Menschen deutscher Zunge durch Flucht und Vertreibung, ihre ursprüngliche Heimat verlassen mussten. Sie haben das alles andere als freiwillig getan, und sie sind keineswegs mit Begeisterung aufgenommen worden. Dennoch war es die Gesamtheit dieser Menschen, die nach den Folgen des Krieges und dem Chaos der Nachkriegszeit erheblichen Anteil am Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland in Europa und der Welt hatten." (S.183) 
 
"Vor einigen Jahren, lange nach der Wiedervereinigung, hatte ich mich anlässlich eine ISD- Veranstaltung in Berlin über Internet in einem kleinen Hotel außerhalb der Hauptstadt einquartiert, denn viele Berliner Hotels waren wegen einer parallel stattfindenden Großveranstaltung ausgebucht. Nach meiner Ankunft meldete ich mich telefonisch bei meinen ISD–Freunden. Sie waren entsetzt, als sie hörten, wo ich gelandet war. 'Da kannst du doch nicht bleiben!', hieß es. 'Das ist doch eine No–go–Area!' Auch diesen Begriff hörte ich hier zum ersten Mal und wurde rasch aufgeklärt. Man wollte mich sofort dort wegholen. Natürlich bestand ich darauf zu bleiben. Ich wollte einfach wissen, was passiert. Es passierte nichts. Aber allein der Gedanke, dass es 'No–go–Areas' in Deutschland gibt, beunruhigt mich doch sehr. Unverändert müssen Menschen deutscher/Zunge und deutscher Staatsangehörigkeit in ihrer Heimat und um Leib und Leben fürchten, wenn sie eine dunkle Hautfarbe haben! Ein unerträglicher Gedanke." (S.185/186). 
(wird  weiter ergänzt)

Sonntag, 12. Oktober 2025

Präsidentenwahl in Kamerun

 

Élection présidentielle camerounaise de 2025

Außer dem Wikipedia-Artikel in der Amtssprache Französisch fügen wir noch den englischsprachigen an, da er die Portraits weiterer Kandidaten vorstellt.


2025 Cameroonian presidential election


Deutsche Fassung der wichtigsten Punkte des englischen Artikels:

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen am 7. Oktober 2018 wurde der amtierende Präsident Paul Biya, der seit 1982 regiert, für eine weitere siebenjährige Amtszeit gewählt. 2008 wurde die Amtszeitbeschränkung durch eine Verfassungsänderung aufgehoben, die Biya eine erneute Kandidatur ermöglichte.[3] Biyas Kandidatur bleibt jedoch angesichts seiner Erklärung, weiterhin der Nation dienen zu wollen, plausibel.[4] Seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2025 sorgt innerhalb der kamerunischen Regierung für Kontroversen.[5] Der Oppositionskandidat Akere Muna reichte beim Verfassungsrat eine Petition ein, um Biya aufgrund seines hohen Alters, wiederholter gesundheitlicher Fehlzeiten und seiner vermuteten Abhängigkeit von Dritten zu disqualifizieren.[6]

Wahlsystem

Der Präsident Kameruns wird nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt; der Kandidat mit den meisten Stimmen wird zum Sieger erklärt, ohne dass eine Mehrheit erforderlich ist.[7] Die Registrierung für die Wahl endete am 31. August 2024. Schätzungsweise haben sich mehr als sieben Millionen Menschen angemeldet.[8]
Kandidaten
Insgesamt 83 Personen hatten sich zur Wahl beworben,[9] davon sieben Frauen.[10] Am 26. Juli veröffentlichte Elécion Cameroon (Elecam) eine vorläufige Liste mit 13 Kandidaten, auf der Hermine Patricia Tomaïno Ndam Njoya die einzige weibliche Kandidatin war.[9] 35 abgelehnte Kandidaten legten daraufhin beim Verfassungsrat Berufung ein.[11]

Genehmigt

Paul Biya[9]
Issa Tchiroma[9]
Hermine Patricia Tomaïno Ndam Njoya[9]
Bello Bouba Maigari[9]
Joshua Osih[9]
Akere Muna[12]
Cabral Libii[12]

Dieses Foto vom 26. Juli 2025 zeigt Mitglieder des Wahlausschusses am Sitz der kamerunischen Wahlkommission (ELECAM) in Jaunde, Kamerun. Die kamerunische Wahlkommission (ELECAM) gab am Samstag bekannt, dass sie 13 von 83 Kandidaten, die ihre Absicht erklärt hatten, bei der Präsidentschaftswahl anzutreten, vorläufig zugelassen hat. (Xinhua/Kepseu)

JAUNDE, 26. Juli (Xinhua) – Die kamerunische Wahlkommission (ELECAM) gab am Samstag bekannt, dass sie 13 von 83 Kandidaten, die ihre Absicht erklärt hatten, bei der Präsidentschaftswahl anzutreten, vorläufig zugelassen hat.

Die Bekanntgabe durch den Vorsitzenden der Wahlkommission, Enow Abrams Egbe, erfolgte in der kamerunischen Hauptstadt Jaunde.

Auf der Liste der nominierten Kandidaten standen der amtierende Präsident Paul Biya, Oppositionsführer Joshua Osih sowie zwei ehemalige Minister und Verbündete Biyas, Issa Chiroma Bakary und Bello Buba Maigari.

Unter den 13 bestätigten Kandidaten war Hermine Patricia Tomaino Ndam Njoya die einzige Frau.

Die Bewerbung von Oppositionsführer Maurice Kamto wurde abgelehnt.

Nach dem Wahlgesetz des Landes können diejenigen, die nicht an den Wahlen teilnehmen dürfen, innerhalb von 48 Stunden beim Verfassungsrat Berufung einlegen.

Die Präsidentschaftswahlen in dem zentralafrikanischen Land finden am 12. Oktober statt.

Ein Bericht über den Ablauf der Wahl findet sich hier.

Kamerun



Nobelpreise

Die Preisträger des Jahres werden zwischen dem 6. und 13. Oktober bekanntgegeben.[49] Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels in Stockholm bzw. Oslo (Friedensnobelpreis).


Donnerstag, 9. Oktober 2025

Ein Experiment

 Wir Autoren von der Nachbarschaft schreiben, wie jeder weiß, nur in unserer Freizeit Artikel. Und wir finden auch nur in unserer Freizeit Gelegenheit, uns über interessante Themen zu informieren. 

Ich, Walter Böhme, habe gar keine Chance, in Afrika vor Ort zu recherchieren, bin also darauf angewiesen, dass ich bei meiner Lektüre auf Reportagen und Recherchen zu Afrika stoße. Die dann so zu kürzen, ohne die Texte unverständlich werden zu lassen, aber auch nicht so ausführlich wiederzugeben, dass ich gegen ein Copyright verstoße, ist ein eigenes Problem

Die verstärkte Verwendung von künstlicher Intelligenz (abgekürzt: dt. KI, frz. IA) hat mich darauf gebracht, mir die Arbeit zu erleichtern, indem ich die Fragen, auf die ich aufmerksam werden, von einer künstlichen Intelligenz ( IA) beantworten zu lassen. Bei der Gelegenheit möchte ich aber auch auf die Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz aufmerksam machen. Keine Angst, Artikel mit IA werden so bald nicht überhand nehmen. (Wer aber wenig Gelegenheit hat, eine KI zu befragen, kann hier ein paar Antworten von einer KI zu verschiedenen Fragen finden, zu denen ich unter dem Namen Fontanefan öfter auch schon Kommentare gegeben habe. - Das Design des Blogs ist dort etwas anders, aber ich glaube, die meisten finden sich rasch zurecht und können auch andere fragen.)

Zur Information über die Arbeit mit KIs ziehe ich schon einmal zwei Antworten einer KI heran:

Wie gefährlich kann eine KI sein?

Selten unmittelbar so gefährlich wie ein Düsenjäger mit eine Atomwaffe, aber ..

Jetzt sollte man sich die vollständige Antwort ansehen.

Wie unterscheiden sich eine KI und ein Mensch? Der Artikel ist etwas anspruchsvoller geschrieben. deshalb setze ich hier eine Kurzfassung schon hierhin:

Eine KI ist so programmiert, dass sie keine einseitigen Stellungnahmen abgibt, sie analysiert und beschreibt und versuch, möglichst neutral zu bleiben.

Ein Mensch vertritt Ziele und verteidigt das, was er für richtig hält. Dabei ist er nicht neutral.

Aber es lohnt sich, die vollständige Antwort zu lesen, weil sie genauer und differenzierter ist. 

Und nun bitte ich darum, die folgenden Artikel zu lesen und mich zu informieren, was falsch oder unvollständig ist, und überhaupt Anregungen zur Gestaltung des Blogs zu geben. 

Dafür ist an sich die Kommentarfunktion des Blogs gedacht. aber die ist bei blogspot.com nicht einfach zu benutzen, weil man immer in einem Test nachweisen muss, dass man kein Computer ist. Das gelingt auch mir nicht immer beim ersten Versuch. Das liegt daran, dass die künstliche Intelligenz es einem absichtlich schwer macht. Deshalb biete ich an, mich auch per E-Mail anzuschreiben: Die E-Mailadresse findet man auf der Seite Impressum.

Bei der wiederholten Lektüre der von KI verfassten Texte fällt mir auf, dass sie oft schwieriges Vokabular enthalten und dass die Formulierungen oft im Nominalstil gehalten sind, das heißt, dass sie nicht lebendig fließen und dadurch vielleicht leichter ermüden.

Aber all das könnt ihr eurerseits erproben und dazu Rückmeldungen geben.