Freitag, 20. Februar 2026

Mehrsprachigkeit I

 Für Kamerun ist es angesichts der über 200 Sprachen, die im Land gesprochen werden, eine Selbstverständlichkeit, dass man seine Muttersprache und die Verkehrssprache beherrscht, über man sich mit denen verständigt, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind. 

Aber dabei gibt es auch große Unterschiede. Bei manchen unterscheidet sich die Muttersprache gar nicht so sehr von der Verkehrssprache, nämlich dann, wenn man mit Camfranglais aufgewachsen ist, hat man mit der Amtssprache Französisch relativ wenig Schwierigkeiten, denn das Camfranglais  ähnelt dem Französischen sehr. Wer aber mit Kamtok aufgewachsen ist, für den gilt das nur in dem kleineren Teil von Kamerun, wo die Amtssprache Englisch ist.
Das hat große Ähnlichkeit mit der Situation, die in Deutschland die haben, die mit einem Dialekt aufgewachsen sind. In Zeiten der DDR unterschied sich der obersächsische Dialekt in Sachsen und Thüringen nur relativ wenig von der Amtssprache Deutsch. Das hängt damit zusammen, dass die am weitesten verbreitete Bibelübersetzung in Deutschland, die von Martin Luther im obersächsischen Dialekt geschrieben war, der damals in Kursachsen die Amtssprache war.
Aber die Sprache, aus der Luther die katholische Bibel, die Vulgata, übersetzte, war für ihn als Mönch seine eigentliche Verkehrssprache, denn in der katholischen Kirche sprach und schrieb man Latein. Jetzt fängt es für manchen an, kompliziert zu werden. Dabei haben wir die eigentliche Ursache der Mehrsprachigkeit, nämlich, dass auf der Erde rund 7000 Sprachen gesprochen werden und in Kamerun etwa 230, noch gar nicht behandelt. Doch darauf kommen wir im nächsten Artikel zur Mehrsprachigkeit (Mehrsprachigkeit  II).

Samstag, 14. Februar 2026

Das Leben: ein Darlehen, kein Eigentum

Das Leben gehört uns nicht. Es ist uns anvertraut wie ein kostbares Darlehen, ziemlich begrenzt. Wir kommen ohne etwas auf die Welt und gehen auf dieselbe Weise. Diese einfache, aber tiefgründige Wahrheit lädt uns zur Demut und Verantwortung ein.

 Das Leben als ein Darlehen zu betrachten, lehrt uns zunächst Dankbarkeit. Jeder Morgen ist ein Geschenk, jeder Atemzug eine erneuerte Chance. Nichts ist endgültig garantiert: Gesundheit, Kraft, Erfolg und Beziehungen können sich von einem Tag auf den anderen verändern. Wer das versteht, lernt auch für die kleinen Dinge „Danke“ zu sagen und hört auf, sich ständig zu beklagen. Diese Sichtweise ruft uns alle auch zur Verantwortung. 

Ein Darlehen wird sorgfältig verwaltet. Wenn uns das Leben anvertraut ist, dann zählen unsere Taten. Verlorene Zeit, verletzende Worte und verpasste Gelegenheiten sind moralische Schulden, die sich anhäufen. Umgekehrt sind das Gute, das wir tun, die Hilfe für andere und die weitergegebenen Werte Investitionen, die dauerhafte Früchte tragen, oft weit über unser eigenes Leben hinaus. Das Leben als Darlehen erinnert uns zudem an die Zerbrechlichkeit des Stolzes. Viele leben, als wären sie ewige Eigentümer von allem: Macht, Geld, soziale Position oder Prestige. Doch all das kann uns irgendwann weggenommen werden. 

Diese Erkenntnis hilft uns dazu, bescheiden, zugänglich und menschlich zu bleiben. Sie führt uns dazu, das Wesentliche dem Oberflächlichen vorzuziehen. Schließlich ist dieser Gedanke eine Einladung, unserem Dasein auf der Erde Sinn zu geben. Da das Darlehen ein Ablaufdatum hat, lautet die Frage nicht: « Wie lange werde ich noch leben? », sondern: « Was mache ich mit der Zeit, die mir gegeben ist ? »

 Nützlich zu leben, aufrichtig zu lieben und eine positive Spur im Leben anderer zu hinterlassen, das ist die beste Art, dieses « Darlehen zurückzuzahlen ». Letztlich gilt es so; das Leben ist ein Darlehen, kein Eigentum. Wer das verstanden hat, lebt besser, gemütlicher, liebt den Nächsten mehr, vergibt leichter und handelt mit Weisheit. Er verschwendet die Zeit nicht, weil er genau weiß, wie kostbar sie ist. Und wenn der Moment kommt, das Anvertraute zurückzugeben, kann er es in Frieden tun, im Bewusstsein voll und sinnvoll gelebt zu haben. 

William CHANTCHO