Posts mit dem Label Klimawandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klimawandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 4. Oktober 2025

Wohin, wenn Tuvalu untergeht?

Bereits 2001 hatte Tuvalu die Pazifikstaaten Australien und Neuseeland vergeblich um Asyl für seine Bewohner:innen gebeten. Mehr als 20 Jahre später erklärte sich Australien dann aber bereit, Tuvalu zu helfen. Im November 2023 unterzeichneten beide Staaten ein Externer Link:bilaterales Abkommen zur Gründung der sogenannten Falepili Union.Zur Auflösung der Fußnote[1] Darin kündigte Australien an, ein spezielles Visaprogramm für die dauerhafte Aufnahme von Einwohner:innen aus Tuvalu zu schaffen. Darüber sollen vorerst jährlich 280 Menschen in das 4.000 Kilometer entfernte Australien einwandern dürfen. Dieses Visakontingent kann jedoch jederzeit angepasst werden. Nach jetzigem Stand würde der Umzug aller Einwohner:innen nach Australien 40 Jahre dauern.

Ab Juni 2025 konnten sich die volljährigen Bürger:innen Tuvalus erstmals für das Visaprogramm bewerben. Bis zum Bewerbungsschluss am 18. Juli ließen sich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Tuvalus für das Programm registrieren. In einem Externer Link:Lotterieverfahren wird nun entschieden, welche Personen ihre Visumanträge einreichen dürfen. Ob ihnen tatsächlich ein Visum erteilt wird, hängt davon ab, ob sie die dafür Externer Link:notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen etwa nachweisen, dass sie die Staatsangehörigkeit Tuvalus besitzen und entweder in Tuvalu geboren wurden oder ein Eltern- oder Großelternteil haben, auf das dies zutrifft. Außerdem müssen medizinische und „charakterliche“ Voraussetzungen erfüllt werden. So dürfen zum Beispiel tuberkulose- oder HIV-Erkrankte ebenso wenig einreisen wie Menschen, die strafrechtlich verfolgt werden oder bereits verurteilt sind. Die Antragsteller:innen müssen außerdem eine Erklärung unterschreiben, „australische Werte“ zu achten und sich an die Gesetze zu halten.

Flucht und Migration im Kontext des Klimawandels

von Vera Hanewinkel (Mehr zum Autor) Christina Mecke bei der Bundeszentrale für politische Bildung 22.9.25


Dienstag, 22. Juli 2025

Tuvalu

"Tuvalu liegt im Südwesten des Pazifischen Ozeans, östlich von Papua-Neuguinea und nördlich von Neuseeland. Zu den umliegenden Inselstaaten gehören die SalomonenNauruKiribatiTokelauSamoaWallis und FutunaFidschi und Vanuatu. Mit einer Fläche von 25,66 km² ist Tuvalu nach der Vatikanstadt mit 0,44 km², Monaco mit 2,02 km² und Nauru mit 21,10 km² der viertkleinste Staat der Welt." (Wikipedia)

Laut Frankfurter Rundschau (22.7.2025) "ragt" die höchste Stelle des Landes 5 Meter aus dem Meer heraus.  Nach wissenschaftlichen Vorhersagungen werden  2100 bei Flut 95 % des Landes unter Wasser stehen. 

Schon länger versuchen Bewohner des Landes nach Neuseeland oder Australien auszuwandern. Bisher wurde das abschlägig beschieden. Doch inzwischen dürfen von den rund 10600 Bewohnern pro Jahr 280 Personen nach Australien auswandern. Die Plätze sollen unter den  5157 Bewerbern für ein Visum nach dem Zufallsprinzip vergeben werden. 

"Tuvalu leidet unter Wirbelstürmen: Im Jahre 1997 wurden durch Wirbelstürme  große Teile der Vegetation zunichtegemacht. In den Jahren 2014 und 2015 waren es 18 Zyklone.[10]" (Wikipedia)

Nach gegenwärtigen Berechnungen wird Tuvalu der erste Staat der Welt sein, der vollständig unter dem Meeresspiegel liegen wird. Andere werden folgen. 

Anmerkung: Für Muttersprachler klingt die Aussage, dass eine Landerhebung von 5 m rage ungewöhnlich. Wegen der Wortbedeutung "sich durch eine vertikale  Aufrichtung von der restlichen Umgebung abheben" spricht man üblicherweise bei Kirchtürmen oder hohen Kränen oder steilen Bergen von ragen. Wie ein Erhöhung die deutlich geringer ist als jedes normale Haus herausragen soll, ist deshalb schwer vorstellbar. 

Freitag, 8. September 2023

Die erste afrikanische Klimagipfelkonferenz deutet auf eine neue Rolle Afrikas hin

 In Zeiten des Kalten Krieges war Afrika immer wieder Schauplatz von "Stellvertreterkriegen", bei denen die beiden Supermächte USA und Sowjetunion innerafrikanische Konflikte nutzten, um ihre Einflusssphären in Afrika auszudehnen beziehungsweise zu verteidigen. Die Folge war, dass Afrika nicht zur Ruhe kam und seine Chancen zur Entwicklung nicht nutzen konnte. So lautet eine beliebte Deutung der afrikanischen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. und zu Anfang des 21. Jahrhunderts.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Aufstieg Chinas, die Corona-Pandemie und die allgemeine Erkenntnis, dass der menschengemachte Klimawandel verheerende Folgen für die gesamte Menschheit haben wird, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird, eröffnen eine neue Sicht auf die Situation Afrikas.

Es gibt nicht mehr zwei Blöcke und die "Dritte Welt", deren Staaten nur die Wahl haben, sich einer Seite anzuschließen oder auf sich selbst zurückgeworfen die Folgen des Kolonialismus Stein für Stein beiseite zu räumen.

Der "Globale Süden" hat über die Kooperation der BRICS-Staaten   (BrasilienRussland,  Indien,  China und Südafrika) eine Möglichkeit gefunden, manche gemeinsame Interessen deutlich vernehmbar zu vertreten, auch wenn angesichts der vielen Unterschiede zwischen diesen Staaten noch nicht viele Gemeinsamkeiten bestehen. Aber auch ganz Afrika selbst spielt eine neue Rolle. Kein anderer Kontinent hat so viel Potenzial für Solar- und Windenergie, so viele Rohstoffe, die für die Transformation zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft gebraucht werden. Und angesichts der Konkurrenz zwischen den USA und ihrem Juniorpartner Europa einerseits und China andererseits, das Partner für eine zukünftige Führungsrolle sucht, sind plötzlich alle afrikanischen Staaten als Bundesgenossen gefragt.

Wenn beim ersten afrikanischen Klimagipfel Kenias Präsident William Ruto sagte: "Diejenigen, die den ganzen Müll verursacht haben, wollen jetzt die Rechnung nicht bezahlen", kann er darauf verweisen, dass über 90 Prozent von Kenias Strombedarf mit erneuerbaren Energien abgedeckt wird. Hier ist Kenia Vorreiter. Weder USA noch China, weder Europäische Union noch Russland können auf Vergleichbares verweisen. Das gilt auch im Bezug auf Afrika allgemein. Es ist der Kontinent mit 60 Prozent der weltweiten erneuerbaren Energieanlagen, darunter Solar- und Windenergie, Geothermie und Wasserkraft.

"Kein Land soll je wählen müssen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz" so lautet ein Satz in der vorgesehenen Abschlusserklärung für die Konferenz in Nairobi.

"Genau darin liegt die Kernfrage für so viele afrikanische Staaten: Gibt es einen 'grünen Weg' aus der Armut? Ja sagt William Ruto und forderte auf dem Gipfel unter anderem eine globale CO2-Steuer." (sieh: Der grüne Weg aus der Armut, ZEIT 7.9.23, S.7)

Olúfẹ́mi O. Táíwò schreibt dazu: "Wir müssen Leitungen schaffen, die den bisher Entmachteten Vorteile zufließen lassen und diejenigen, die durch die Ungerechtigkeit von gestern bereichert und ermächtigt wurden, dazu bringen, ihren gerechten Anteil an den globalen Belastungen zu übernehmen, die aus den Reaktionen auf die Klimakrise und dem Schutz unseres Lebens auf diesem Planeten erwachsen. " (Greta ThunbergDas Klima-Buch, S.451/452)

Mehr dazu:

Montag, 16. Januar 2023

Klima-Reparationen

 Olúfẹ́mi O. Táíwò:

"In der Klimakrise gipfelt jahrhundertelange 'Rassen'-Ungerechtigkeit - [...] Wie den Aktivistinnen und Aktivisten, die das koloniale politische System in den 1960er und 1970er Jahren infrage stellten, durchaus klar war, erfordert Gerechtigkeit, dass wir unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme in weltweitem Maßstab umstrukturieren. [...] Wir sollten uns unseren Handel und unser politisches System wie ein Wasserleitungsnetz vorstellen, "das dem ganzen Globus umspannt. Aber statt Wasser zu transportieren, produziert und verteilt dieses Leitungsnetz soziale Vorteile und Nachteile: Wohlstand und Armut, Endprodukte und Umweltverschmutzung, medizinisches Wissen und Unwissen. Die daraus erwachsene Verteilung von Vor- und Nachteilen spiegelt [...] jahrhundertelange menschliche Bestrebungen und Entscheidungen wider. Gezielte Versuche, eine ungerechte Gesellschaftsstruktur zu schaffen, fehlgeschlagene Versuche, eine gerechte Gesellschaftsstruktur hervorzubringen [...]. Diese historischen Leitungen ermöglichen es uns vorherzusagen, wohin zukünftige Ströme von Vor – und Nachteilen wie von selbst fließen werden [...], wenn die Leitungswege so bleiben, wie sie sind. Die Konstruktion der heutigen Welt erfolgte über das globale 'Rassen'-Imperium: über die historisch beispiellose koloniale Eroberung und 'Rassen'-Versklavung, die im 15. Jahrhundert anfing. [...] Dieses System schufen die Kolonialmächte "durch Kolonien auf Landgebieten, die sie sich durch Herrschaft über und Eliminierung von indigenen Völkern sicherten und mit der Arbeitskraft versklavter und verkaufter Afrikanerinnen und Afrikaner produktiv machten. [...]

Im 18. und 19. Jahrhundert verknüpft das britische Weltreich sein Netz von Kolonien und Sklavenarbeit mit neuen kohle– und dampfgetriebenen Technologien, [...] diese Industrielle Revolution [...] verstehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Beginn unserer Ära des anthropogenen Klimawandel.

Diese Geschichte des 'Rassen'-Weltreichs [...] hat auch die Netzwerke und Kanäle geschaffen, die heute Vorteile und Nachteile an verschiedene Völker und Orte auf der Welt leiten. [...] Innerhalb dieser unterschiedenen geographischen Bereiche und über sie hinweg haben schwarze und indigene Menschen tendenziell die geringsten Vorteile und die meisten Nachteile im Vergleich zu ihren Nachbarn. Die Ungerechtigkeiten haben sich in der Struktur abgelagert [...]. Diese Struktur werden wir ändern müssen, wenn wir die Übel der Vergangenheit wirklich angehen wollen." (S.450/451)

"Diese Einsicht liegt dem 'konstruktiven' Ansatz der Reparationen für Sklaverei und Kolonialismus zu Grunde: Wir müssen Leitungen schaffen, die den bisher Entmachteten Vorteile zufließen lassen und diejenigen, die durch die Ungerechtigkeit von gestern bereichert und ermächtigt wurden, dazu bringen, ihren gerechten Anteil an den globalen Belastungen zu übernehmen, die aus den Reaktionen auf die Klimakrise und dem Schutz unseres Lebens auf diesem Planeten erwachsen. " (S.451/452)

"Bedingungslose Geldtransfers betreffen nicht nur Individuen und Haushalte. Historische Kapitalflüsse umzulenken, kann – und muss – auch auf der Ebene von Staaten und multinationalen Institutionen passieren. Genau das haben reiche Länder [...] zugesagt, allerdings waren sowohl die Zusagen als auch ihre Umsetzung zu wenig. [...] Privatinvestoren und Konzerne haben angeboten, die Lücke zu überbrücken [...] In dem Maße, wie unsere Bemühungen Umweltgestaltung Finanzmittel erfordern, ist es besser, unmittelbaren politischen Druck auf private Institutionen auszuüben, als sie ans Steuer zu lassen. Solche 'Desinvestitions-Investitions'-Strategien würden Aktivismus nutzen, um Finanzmittel aus fossilen Brennstoffen und anderen umweltverschmutzenden Industrien abzuziehen und in Projekte zu lenken, die das Gemeinwohl fördern: [...] Dies könnten wir mit Blick auf eine weltweite Reichweite [...] damit verbinden, Druck auf den in Steueroasen auf dem gesamten Globus gehorteten Reichtum im Wert von Billiarden US-Dollar auszuüben." (S.452/53)

"In unserem gegenwärtigen System haben private Unternehmen einseitige und autoritäre Kontrolle über weite Bereiche des öffentlichen Lebens [...] Eine wichtige Alternative bietet die Idee der 'Gemeinschaftskontrolle' [...] Wir sollten anstreben, freiheitsfördernde praktische Angebote zu schaffen und gerecht zu verteilen [...] und greifbare Strukturen [...] aufbauen, die uns helfen, eine gerechte, klimaresiliente Welt zu schaffen. Wir müssen Abwassersysteme für den Hochwasserschutz bauen und gerecht verteilen; neue energieeffiziente Wohnungen nachrüsten; und eine sichere, resiliente Infrastruktur für Energietransport und –speicherung entwickeln. [...] Geld allein wird die Probleme nicht beheben Wir müssen Umweltprobleme spezifisch und unmittelbar angehen und dabei zugleich die Machthierarchien infrage stellen, die sie verursacht haben. [...] Welche Entwürfe wir auch entwickeln, wir müssen die Welt buchstäblich neu gestalten – diesmal für die vielen, statt für wenige." (Greta Thunberg: Das Klima-Buch, S.453/454)

Klimawandel und Ungleichheit

Solomon Hsiang:

"Unsere Welt ist zu tiefst ungleich. Es gibt heute reiche Gesellschaft mit einem Lebensstandard und Chancen, die vor ein paar Jahrhunderten unvorstellbar gewesen wären, und auf der anderen Seite ärmere Gesellschaften, deren Zugang zu Ressourcen, Gesundheitsversorgung und Technologie sich seit diesen Zeiten kaum verändert hat. [...] Wenn reichere Gesellschaften durch den Klimawandel ärmer und ärmere Gesellschaften reicher würden, könnte der Klimawandel die globale Ungleichheit verringern. Wenn jedoch reichere Gesellschaften eher von der Erderwärmung profitierten und ärmere Gesellschaften eher geschädigt würden, müssten wir erwarten, dass der Klimawandel die Ungleichheit noch verstärkt. [...] 

Die Forschung lässt erkennen, dass es zwei Hauptgründe gibt, weshalb in der Welt ärmere Populationen eher unter dem Klimawandel leiden als reichere. Erstens verfügen ärmere Gesellschaften über geringere Ressourcen [...]. Der zweite Grund ist weniger bekannt, aber potentiell sogar nach bedeutsamer: Die Auswirkungen der Temperatur auf viele für die Menschen wichtige Ergebnisse sind nichtlinearer Art. [...] Wenn eine Gemeinschaft in einer kälteren Regionen (z.B. in Norwegen) lebt, ist die Erwärmung durchaus hilfreich - [...]. Lebt eine Gemeinschaft in einer gemäßigten Regionen (z.B. Iowa in den USA), hat die Erwärmung kaum Auswirkungen auf das Wohlergehen. Viele Studien zeigen, dass die 'ideale' Durchschnittstemperatur zwischen 13 und 20 °C liegt. Lebt eine Gemeinschaft in einer heißen Region (z.B. Indien), ist eine weitere Erwärmung schädlich – sie vernichtet Ernten, verstärkt die Ausbreitung vektorübertragener Krankheiten und verlangsamt das Wirtschaftswachstum. Ein Grad zusätzliche Erwärmung hat nicht überall denselben Effekt, und das hat tiefgreifende Folgen für die Ungleichheit.

Der nichtlineare Effekt der Temperatur ist deshalb so wichtig, weil die armen Populationen heute eher in deutlich heißeren Regionen leben. [...] Deshalb haben ärmere Populationen beim Klimawandel eine schlechtere Ausgangsposition, da sie in heißen Regionen leben, in denen die weitere Erwärmung besonders schädlich ist, während die reicheren Populationen in kühleren Regionen leben, in denen die Erwärmung geringere Schäden verursacht – und zuweilen sogar vorteilhafter ist." (Grete Thunberg: Das Klima-Buch, S.199-202)

Dienstag, 15. November 2022

Weshalb weiß man in Afrika mehr über den Regenwald in Brasilien als über die Regenwälder Afrikas?

Vanessa Nakate machte im Januar 2020, als sie beim Weltwirtschaftsforum in Davos bei einer Pressekonferenz mit Klimaaktivist*innen sprach, die Erfahrung, dass sie als einzige Schwarze aus dem von Associated Press veröffentlichten Foto herausgeschnitten worden war, und erklärte daraufhin: "  „Ihr habt nicht nur ein Foto gelöscht. Ihr habt einen Kontinent gelöscht.“[20] " (Wikipedia)

Dann wurde sie darauf aufmerksam, dass sie in keiner Weise ein Sonderfall war. Vielmehr weiß man in Afrika über viele Vorgänge, die in den USA und Europa vorgehen, mehr als über die Entwicklungen in Gesamtafrika. Das liegt an der Berichterstattung der großen Nachrichtenagenturen. So ist dort immer wieder über den Regenwald im Bereich des Amazonasbeckens die Rede. Die großen Regenwälder in Äquatorialguinea, in Gabun, im Kongobecken und in Zentralafrika kommen aber viel seltener vor. 

Ich als Mitglied der Redaktion der Nachbarschaft wusste nicht einmal, dass Gabun und Kamerun auch zu den Staaten gehören, über die sich das zentralafrikanische Regenwaldgebiet erstreckt. 

Vanessa Nakate reagierte, als sie sich über den afrikanischen Regenwald mit dem Kongobecken im Zentrum informiert hatte, mit der Gründung eine Organisation zum Schutz dieses Regenwaldes. In ihrem Buch schreibt sie darüber im Kapitel "Wir sind alle Afrika": 

"Ein Mann aus dem Publikum äußerte seine Verwirrung darüber, dass die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes weltweit verurteilt wurde – auch hier in Afrika –, dass aber niemand über die Zerstörung des Kongo-Regenwaldes redete." (S. 90)
"Das Kongobecken ist nach dem Amazonas-Regenwald das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt, auch bekannt als 'zweite Lunge' der Welt und besitzt genau wie der Amazonas eine reiche Biodiversität." (S.91)
"84 Prozent der Abholzung sind auf traditionelle Methoden wie Brandrodung zurückzuführen. Zwischen 2002 1014 wurde im Kongobecken eine Waldfläche größer als Bangladesch gerodet. Fatalerweise nahm die Abholzung im Jahr 2020 weltweit um 12 Prozent zu, auch in vielen Ländern der Kongobecken-Region und das, obwohl sich während der Corona– Pandemie die meisten Wirtschaften im Lockdown befanden. In der DRK, in Kamerun und der zentralafrikanischen Republik überstieg der Waldschwund im Jahr 2020 das Ausmaß von 2019. [...] Die Daten zeigen, dass sich zu viele Länder in die falsche Richtung bewegen." 
(S. 92)
"Ich hatte die Gelegenheit, meinen Kongo-Streik mit auf den Weltklimagipfel nach Madrid [2019] zu nehmen. [...] Nachdem ich mit ein paar anderen Aktivistinnen vergeblich den ugandischen Pavillon gesucht hatte, entdeckten wir den Pavillon der Demokratischen Republik Kongo. Ich unterhielt mich mit den Leuten, die dort Dienst hatten, über meine Streiks für den Kongo-Regenwald.
Ich stieß auf wenig Begeisterung. Sie bemühten sich, mir klarzumachen, dass ich, da ich schließlich weder in ihrem Land gewesen sei noch jemals den Regenwald besucht hatte, keinen Begriff von den Bedürfnissen der dortigen Bewohnerinnen hätte, geschweige denn von der Bedeutung der Weiterentwicklung für die Region Kongo. Die Kongolesen bräuchten ordentlich gebaute Häuser, sagte ein Mann, was ich dahingehend deutete, dass das Holz für die Errichtung dieser Häuser aus dem Regenwald kommen sollte. [...]
Es stimmt, ich bin nie im Kongo gewesen, und womöglich durchdringe ich die Entwicklungsbedürfnisse der Menschen im Kongobecken auch nicht vollständig. Trotzdem kann es nicht sinnvoll sein, die 'zweite Lunge' der Welt zu zerstören, um  Möbel, Palmöl, Baustoffe, Mineralien oder fossile Brennstoffe zu gewinnen. [...]
Auch ich bin der Meinung, dass es absurd ist, ein Individuum könnte als Sprecher*in eines ganzen Kontinents auftreten oder auch nur dafür gehalten werden. Trotzdem wurde ich nach der AP-Entscheidung, mich von dem Davos-Bild zu eliminieren, von so gut wie jeder und jedem Interviewpartner*in nicht nur nach den Auswirkungen des Klimawandels auf Uganda gefragt, sondern immer auch auf die Konsequenzen für andere Teile Afrikas angesprochen. [...]
Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass wir den Mund aufmachen müssen – 'um das Schweigen zu brechen' [...]. Ich sehe meine Rolle im Klimaschutz darin, Gespräche über Themen anzustoßen, über die viele Menschen noch nie gesprochen haben, und auf die zerstörerischen Strategien und Investitionen von Banken, Hedgefonds, multinationalen Konzernen und Regierungen aufmerksam zu machen, denen es allen am liebsten wäre, wir anderen hätten keine Ahnung, was sie im Schilde führen. [...] 
Kein Land, ganz egal wo, ist einfach nur ein Land. Was im Regenwald des Kongobeckens passiert, betrifft nicht nur die Menschen in Zentralafrika, sondern beeinflusst das Wettergeschehen weltweit. Die Klimakrise hält sich weder an geopolitische Grenzen noch ein politische Blöcke oder regionale Handelsverbände. Deshalb ist das, was im Kongo passiert, nicht nur Angelegenheit der Kongolesen oder ihre Nachbarn. Es geht uns alle an.

Und schließlich bin ich absolut der Meinung, dass wir auf unseren Plattformen mehr Diversität brauchen und mehr junge Aktivist*innen die Möglichkeit haben müssen, über Herausforderungen zu sprechen, mit denen ihre Heimatländer oder Regionen zu kämpfen haben. Jeder Aktivist*in hat eine Geschichte zu erzählen. Jede Geschichte birgt eine Lösung in sich. Und jede Lösung kann ein Leben verändern." (Vanessa Nakate: Unser Haus steht längst in Flammen. Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss. Rowohlt 2021, S.102-104)

Ein Schlaglicht auf die Geschichte des Kongobeckens

Sonntag, 17. November 2019

Unser Ökosystem und der Klimawandel

Das Ökosystem der Erde hat seit über 2 Millionen Jahren so stabile Bedingungen geschaffen, dass sich die Menschheit entwickeln konnte. Seit 10 000 ist das Klima noch einheitlicher, und es haben sich viele Hochkulturen entwickelt. Manche sind zusammengebrochen, nicht selten, weil sie vorhandene Ressourcen übernutzt haben, aber ebenso auch, weil eine neue herrschende Schicht sich nicht darauf verstand, die komplexen gesellschaftlichen Voraussetzungen zu bewahren. 
Gegenwärtig ist die Weltgesellschaft so eng vernetzt, dass es zwar viele politische Gegensätze, aber für über 99% der Weltbevölkerung nur noch eine gemeinsame  Reproduktionsgrundlage gibt. In dieser Situation wird erkennbar, dass diese Grundlage von der Menschheit insgesamt übernutzt wird. Die Auseinandersetzung geht jetzt darum, wer wie viel dazu beitragen soll, dass die Folgen nicht für alle unerträglich werden.

Dazu einige Anmerkungen:

"Ein gefährliches Täuschungsmanöver besteht darin, dass so getan wird, als gelte es, einen künftigen Klimawandel zu verhindern. Die Wahrheit ist, dass der Klimawandel längst da ist. Neue wissenschaftliche Daten zeigen, dass sich der Golfstrom seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 15 Prozent verlangsamt hat mit großen Auswirkungen auf das Klima.
Gleichzeitig beobachten wir ein rapides Abschmelzen des arktischen Meereises und des Grönlandeises. Damit verbunden ist ein kontinuierlicher Anstieg des Meeresspiegels mit existenziellen Bedrohungen für niedrig gelegene Inseln und für die zahlreichen Megastädte an Meeresküsten. Unübersehbar ist die Zunahme verheerender Wirbelstürme in der Karibik und im nördlichen Pazifik. Der Bericht der World Meteorological Organization (WMO) von 2018 besagt, dass die 20 heißesten Jahre weltweit in den letzten 22 Jahren waren. Die vergangenen vier Jahre waren zudem die vier wärmsten, seit gemessen wird.
Wir wissen heute, dass die Kosten für die Reparatur von Umweltschäden um ein Vielfaches höher sind als die Kosten der Schadensvermeidung." 
(Peter Vonnahme: Nichts wird so bleiben wie es istheise.de 29. Oktober 2019)

Sonntag, 20. Oktober 2019

Kurzinfo: klimagefährdende Rückkopplung oder Kippelemente

Zwei besonders klimagefährdende Rückkopplungen sind schon länger bekannt: das Abschmelzen des Eisschildes an Nord- und Südpol und die Auflösung des Dauerfrosts in polarnahen Gebieten.
Der polare Eisschild führt dazu, dass einströmendes Sonnenlicht, das auf die weiße Fläche betrifft, weitgehend zurück gestrahlt wird. Wenn sich die Eisfläche verkleinert, wird weniger Wärme abgestrahlt und die Atmosphäre erwärmt sich weiter. Inzwischen brechen immer größere Flächen des Grönlandeises und des Eisschildes der Antarktis ab und schmelzen dann im Meerwasser weiter ab. So gibt es schon Eisberge die größer sind als Belgien.


In diesem Sommer wüteten in Sibirien mehr und größere Feuer, als je zuvor beobachtet wurden. Das hängt mit der allgemeinen Temperaturerhöhung zusammen und führt dazu, dass der Boden bis in größere Tiefen auftaut, als es sonst im Sommer geschieht. Dadurch wird Methan, das bisher im gefrorenen Boden gespeichert war, freigesetzt. Methan ist ein Treibhausgas mit der 25-fachen Wirkung von CO2. Wenn so viel frei gesetzt würde, dass es den Treibhauseffekt merklich verstärkt, käme es wie beim Abschmelzen des Eisschildes ebenfalls zu einer positiven Rückkopplung. Wenn dieser Prozess eingesetzt hat, verstärkte er sich, selbst wenn die Menschheit inzwischen völlig klimaneutral lebte. Deshalb spricht man von einem Kippelement: Das Klima würde umkippen und die Erderwärmung würde extrem.

Freitag, 18. Oktober 2019

Treibhausgase

Die Treibhausgase, insbesondere Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Ozon (O3) und Lachgas (N2O) machen nur einen verschwindend kleinen Anteil unserer Atmosphäre aus, haben aber einen entscheidenden Einfluss auf den Treibhauseffekt.
Dabei hat Wasserdampf mit 0,25% den größten Anteil. Der größte Anteil entsteht aufgrund des natürlichen Wasserkreislaufs, doch weil aufgrund menschenverursachten weltweiten Erwärmung mehr Wasser verdunstet, ist bei ihm die Rückkopplung besonders stark. In der Stratosphäre kommt er natürlich kaum vor; er entsteht zu einem erheblichen Anteil durch den Flugverkehr. Deshalb wird dieser von Klimaaktivisten besonders stark kritisiert. 
Bisher wird die Zunahme von CO2 aufgrund der Verbrennung fossiler Energiespeicher besonders kritisch gesehen, doch Methan und Lachgas könnten im Falle der Auflösung des Permafrosts zu einem wichtigen Kippelement werden.
Methan  ist 25 mal wirksamer als CO2 und macht schon jetzt 20% des menschenverursachten Treibhauseffekktes aus. Es entsteht zum einen bei der  Tierproduktion (z.B. bei Wiederkäuern wie RindernSchafen und Ziegen), in Klärwerken und Mülldeponien. Doch 50% sind auch der Industrie zuzurechnen,  so wenn es bei Förderung, Transport und Verarbeitung z.B. von Erdgas und bei der unvollständigen Verbrennung beim Abfackeln von technisch nicht nutzbaren Gasen freigesetzt wird.
Lachgas ist sogar rund 300 mal so wirksam auf den Treibhauseffekt wie CO2, es entsteht vor allem in der Landwirtschaft, insbesondere durch Überdüngung aufgrund der Einbringung von zu viel Gülle.

Die Treibhausgase (abgesehen von Wasserdampf) machen nur 0,04% der Erdatmosphäre ausmachen und deshalb erscheint eine Erhöhung des Anteils von Kohlendioxid um 44% im Blick auf das Gesamtvolumen verschwindend gering.  Das wird von Leuten, die die Gefahren des Klimawandels kleinreden wollen, oft dazu benutzt durch das Nennen von extrem geringen Anteilen den Eindruck der Harmlosigkeit zu verbreiten. Dabei wird aber verschwiegen, dass der CO2-Anteil seit mindestens 800 000 Jahren noch nie so hoch war wie heute.
Bisher wird die Zunahme von CO2 aufgrund der Verbrennung fossiler Energiespeicher besonders kritisch gesehen, doch Methan und Lachgas könnten im Falle der Auflösung des Permafrosts zu einem wichtigen Kippelement werden.
Methan  ist 25 mal wirksamer als CO2 und macht schon jetzt 20% des menschenverursachten Treibhauseffekktes aus. Es entsteht zum einen bei der  Tierproduktion (z.B. bei Wiederkäuern wie RindernSchafen und Ziegen), in Klärwerken und Mülldeponien. Doch 50% sind auch der Industrie zuzurechnen,  so wenn es bei Förderung, Transport und Verarbeitung z.B. von Erdgas und bei der unvollständigen Verbrennung beim Abfackeln von technisch nicht nutzbaren Gasen freigesetzt wird.
Lachgas ist sogar rund 300 mal so wirksam auf den Treibhauseffekt wie CO2, es entsteht vor allem in der Landwirtschaft, insbesondere durch Überdüngung aufgrund der Einbringung von zu viel Gülle.

Die Treibhausgase (abgesehen von Wasserdampf) machen nur 0,04% der Erdatmosphäre aus, und deshalb erscheint eine Erhöhung des Anteils von Kohlendioxid um 44% im Blick auf das Gesamtvolumen verschwindend gering.  Das wird von Leuten, die die Gefahren des Klimawandels kleinreden wollen, oft dazu benutzt durch das Nennen von extrem geringen Anteilen den Eindruck der Harmlosigkeit zu verbreiten. Dabei wird aber verschwiegen, dass der CO2-Anteil seit mindestens 800 000 Jahren noch nie so hoch war wie heute.

Rückkopplung

Mit Rückkopplung bezeichnet man das Phänomen, dass ein Vorgang auf sich selbst einwirkt und sich dadurch verändert. Am deutlichsten ist das vielleicht bei einer Lawine zu erkennen. Wenn etwas Schnee in Bewegung kommt, reißt er beim Abrutschen weiteren Schnee mit sich, je mehr Schnee rutscht, desto mehr reißt er mit sich. Im täglichen Alltag erleben wir Rückkopplung immer dann, wenn ein Mikrophon zu stark ausgesteuert wird und deshalb zu pfeifen beginnt. Zunächst verstärkt das Mikrophon nur die Raumgeräusche, dann verstärkt es das leise Pfeifen des Lautsprechers, bis ein quälender Pfeifton entsteht. Eine Rückkopplung die einen Vorgang (oder ein Signal) verstärkt, nennt man positive Rückkopplung.
In der Natur ist freilich die entgegengesetzte Rückkopplung, die sogenannte Gegenkopplung oder negative Rückkopplung häufiger. Das vielleicht bekannteste Beispiel dafür ist das Verhältnis von Räuber und Beute. Kaninchen vermehren sich "wie die Karnickel". Dass sie in der freien Natur trotzdem nicht überhand nehmen, liegt daran, dass sie natürliche Feinde haben. Je mehr Kaninchen es gibt, desto leichter fällt es ihren Feinden, sie zu fangen und zu fressen. Dann können sich die Feinde so vermehren, dass die Kaninchen weniger werden. Die Feinde bekommen weniger zu fressen, vermehren sich weniger, fressen weniger, so lange, bis die Zahl der Kaninchen wieder zunimmt.
Was hat das mit dem Klima zu tun?
Im natürlichen Kreislauf werden positive Rückkopplungen immer wieder durch Gegenkopplung gebremst. Der zunächst nur geringe Einfluss der Menschen, hat dies Gleichgewicht aber gestört.

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Der Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich auf der Erde Leben entwickeln konnte. Denn ohne ihn würde die auf die Erde treffende Sonnenstrahlung so weitgehend wieder abgestrahlt, dass auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von minus 19 Grad Celsius herrschte und es kein flüssiges Wasser gäbe.
Der Effekt entsteht dadurch, dass die Erdatmosphäre (unsere Luft) nicht nur aus Stickstoff (ca. 78%) und Sauerstoff (ca. 21%), sondern auch aus kleinen Mengen Wasserdampf, Edelgasen und Treibhausgasen besteht, die Wärme speichern können und so verhindern, dass die Wärme vollständig wieder abgestrahlt wird. Deshalb herrscht auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von 14 Grad.
Seit der Industriellen Revolution haben die Menschen freilich in den natürlichen Kreislauf eingegriffen, indem sie die in  Jahrmillionen entstandenen und in der Erdkruste gespeicherten Energieträger verbrannt und damit der Atmosphäre laufend etwas mehr  CO2 (Kohlendioxid) hinzugefügt haben. Dadurch hat sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde im Laufe der Jahrhunderte um etwa 1 Grad erhöht.
Damit setzten Rückkopplungseffekte ein, die den bisherigen Kreislauf veränderten.


Die weltweiten Schülerstreiks von Fridays for Future haben vor allem in den jüngeren Generationen für ein vermehrtes Interesse an Klimawandel und Klimaschutz gesorgt. Deshalb versuchen wir hier grundlegende Sachverhalte in kurzen Artikeln möglichst verständlich darzustellen. Wer an vertiefter Information interessiert ist, kann sie sich über die verlinkten Wikipediaartikel verschaffen. 

Einen sehr gut verständlichen Artikel zum gesamten Thema Klimawandel findet man im Internet-Kinderlexikon Klexikon.

Unterrichtsempfehlungen zum Thema: Ich und meine Umwelt