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Mittwoch, 29. Juli 2015

Die "grünen" Wurzeln Afrikas

Die grünen Wurzeln Afrikas, Frankfurter Rundschau, 27.5.2015

 Von 

Wer es zum ersten Mal sieht, traut seinen Augen nicht. „Nach sechsstündiger Fahrt durch trostloses Gelände tut sich vor uns plötzlich ein grünes Paradies auf“, schwärmt Silvia Holten von World Vision: „Statt der allgegenwärtigen kargen Hügel bedeckt nun dichter Wald die sanfte Landschaft.“ Die Sprecherin der Hilfsorganisation ist in Humbo im äthiopischen Hochland angekommen: Ein Ort, der jahrzehntelang Lebensmittel von außen brauchte. Heute gehen die Überschüsse von Humbo ans Welternährungsprogramm der UN: Was, um Gottes Willen, ist geschehen? [...]
In Nigers trostloser Sahelzone hatte der australische Agrarexperte Tony Rinaudo herausgefunden, dass selbst übelst verwüstete Regionen von einem endlosen Geflecht an Wurzeln durchzogen werden: „Ein unterirdischer Wald“, so der World-Vision-Mann. Werden die aus dem Wurzelwerk wachsenden Sprösslinge in Ruhe gelassen und nicht von Tieren gefressen, abgebrannt oder abgehakt, wachsen bald wieder Bäumchen – die dann nicht nur Schatten spenden und so die Feuchtigkeit im Boden halten. Sie bremsen auch die Erosion und düngen die Umgebung.
Die „regenerative Wiederaufforstungsmethode“ wird bereits in mehr als 20 Staaten angewandt, rund 20 Millionen Hektar Land wurden wieder begrünt. Die Bauern würden hier bis zu dreifach größere Ernten einfahren, sagt Holten: „Ich bin mir sicher, dass mit dieser Methode das Hungerproblem der Welt gelöst werden kann.“ [...]

Vergleiche: Der Mann, der die Wüste aufhielt 

Sonntag, 29. Dezember 2013

Afrikas Boom, Afrikas Probleme

Angola hat - dank seines Ölreichtums - letztens das höchste Wachstum des Bruttosozialprodukts der Welt: 23 Prozent. Seine Hauptstadt Luanda war 2013 nach dem Ranking der Unternehmensberatung Mercer die teuerste Stadt der Welt. Das berichtet Thomas Schmid in seinem Artikel "Afrikas Boom, Afrikas Kriege" in der Frankfurter Rundschau vom 28.9.13.
Wie kann dies Wirtschaftswachstum für dauerhafte industrielle Entwicklung genutzt werden?
Eine Frage, vor der - anders gelagert, aber vergleichbar - etwa die Hälfte der afrikanischen Staaten stehen.
Bei den anderen lautet die Frage: Wie gelingt wirtschaftliche Entwicklung ohne Erdöl.

Eine Antwort, aber beileibe keine einfache, gibt der Artikel: Der Mann, der die Wüste aufhielt.

Freitag, 30. November 2012

"Der Mann, der die Wüste aufhielt"

Diesen Blogartikel verdanke ich Andrea Jeskas Bericht "Der Mann, der die Wüste aufhielt" in der ZEIT vom 29.11.12, S.17-19. Da ich diesen Bericht zunächst nicht verlinken konnte, habe ich einiges aus dem Internet über Yacouba Sawadogo zusammengetragen. Das kann aber die Lektüre ihres weit inhaltsreicheren Artikels nicht ersetzen. (Link)

Yacouba Sawadogo hatte keinen Erfolg auf der Koranschule, aber er kultivierte die Wüste, säte Hirse und  Bäume am Rand der Wüste, indem er traditionelle Techniken, Zaï-Löcher und Steinreihen, fortentwickelte.

Hier der Trailer zum Film, der über ihn gedreht wurde: The Man who stopped the Desert.

1953 schrieb Jean Giono über einen Bruder im Geiste von Yacouba Sawadogo:  L'Homme qui plantait des arbres Text - französisch (Der Mann, der Bäume pflanzte). Giono hat diesen Mann nie getroffen, er hat ihn erfunden, um die Liebe zum Pflanzen von Bäumen zu entfachen.

Yacouba Sawadogo ist real. Er begann seine Arbeit knapp 30 Jahre, nachdem Giono seinen Helden erfunden hatte. Er wurde für verrückt gehalten. Seine Felder wurden niedergebrannt, doch er machte weiter. Dann wurde der holländische Geologe Chris Reij  auf ihn aufmerksam und publizierte 2004 eine Studie über seine Arbeit. Dennoch beschloss 2008 die benachbarte Stadt Ouahigouya das von ihm fruchtbar gemachte Land zu beschlagnahmen und  ihm fast nichts davon übrig lassen. Er gab nicht auf. Der Präsident der Yatenga Province wurde auf ihn aufmerksam. 2010 wurde der oben erwähnte Film über ihn gedreht. Inzwischen arbeiten viele Tausend, vielleicht Millionen von kleinen Bauern nach seiner Methode. Die größten Erfolge wurden in Niger erzielt, wo "seit den achtziger Jahren" über "200 Millionen neue Bäume gepflanzt" (ZEIT, S.19) wurden, nach Chris Reijs Schätzung die jährliche Getreideernte über 500 000 t erhöht wurde, wovon jetzt  "2,5 Millonen Menschen" ernährt würden. (ZEIT, S.19)  Reij sagt über Yacouba: "Yacoubas Einfluss ist größer als der aller nationalen und internationalen Experten zusammen." (zitiert nach ZEIT, S.18)

Der Landraub, den die Stadt Ouahigouya versuchte, geschieht tausendfach nicht nur in Afrika. Kleinbauern werden um ihr Land gebracht. Man nimmt ihnen die Ernährungssouveränität, das Recht, selbst für ihre Ernährung zu sorgen.

In Andrea Jeskas Bericht heißt es gegen Schluss:
"[...] tauchten Leute auf, denen irgendein Beamter das Land zur Ansiedlung versprochen hatte. Sie begannen,  Yacoubas Bäume zu fällen und Häuser zu bauen, wo Yacoubas Hirse wächst."
Den Schluss kann man in der ZEIT vom 29.11. nachlesen.

Hinweis:
Hunger im Süden Afrikas
Burkina Faso
Yacouba Sawadogo hat sein Konzept erfolgreich durchgehalten, wo das Konzept der Grünen Mauer im Sahel, weil es zu technokratisch war, vor die Wand gelaufen ist. Alles spricht dafür, dass das Konzept der lokalen Einbindung erfolgreicher ist als das Konzept internationaler Großprojekte. (vgl. monde diplomatique)

Sieh auch:
Green Belt Movement
Die "grünen" Wurzeln Afrikas