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Mittwoch, 1. Juli 2026

Welchen Weg sollten die Staaten Afrikas gehen?

Vermutlich ist die Mehrheit der Deutschen wie die Mehrheit der Bewohner Afrikas

der Meinung, dass es den Deutschen gegenwärtig besser geht als den Bewohnern in

ihrem Land. Der Streit in Deutschland geht vor allem darum, wie man die gegenwärtige

Situation aufrecht erhält. Dadurch dass man mehr Menschen ins Land lässt oder weniger.

Von Afrika aus gesehen ist das ein Streit, wie man ihn gern hätte. Die Probleme stellen sich da anders. Die Frage ist: Warum geht es uns so viel schlechter als den meisten Menschen in Europa?

Ist unsere Regierung daran schuld oder sind es die Kolonialmächte?

Die einfachste Lösung wäre: Die ehemaligen Kolonialmächte geben zu, dass sie schuld sind, und finanzieren unseren wirtschaftlichen Aufstieg. Wenn man die Situation von Deutschland aus betrachtet, hat man eine schöne Antwort parat: „Ja, die Kolonialmächte waren schuld wie z.B. das deutsche Kaiserreich mit seinem Völkermord an den Herero und Nama von 1904 bis 1908. Aber das ist über 100 Jahre her. Zwar leben unter uns nach manche, die am Holocaust mitschuldig waren, aber die wurden bestraft und die Schuldigen an dem Völkermord von 1904-1908 sind alle tot. Aber wir wollen euch gern helfen, ganz Afrika zu helfen sind wir zwar zu schwach, aber wir helfen euch nach unseren Kräften. Gewiss tun das auch andere ehemalige Kolonialmächte.

Von Afrika aus gesehen stellt sich dabei aber ein anderes Problem: „Werden die ehemaligen Kolonialmächte uns richtig helfen? Sie hätten uns schon seit Jahrzehnten helfen können, aber praktisch ist nie wirklich etwas daraus geworden. Wir müssen darüber entscheiden, wie uns geholfen wird.“ Über genau dieses Problem streiten sich gegenwärtig im Senegal zwei Parteikollegen. Bassirou Diomaye Faye der neu gewählte Präsident des Senegal und  Ousmane Sonko der Parlamentspräsident.

Faye hält es für sinnvoll, mit Frankreich zusammenzuarbeiten und Sonko, der Gründer der Partei, die Faye als Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat, fordert, dass Senegal die Bestimmungen festlegen können soll, unter denen die Zusammenarbeit erfolgt.





 

Dienstag, 30. April 2024

Migration in der menschlichen Frühzeit

 Wo und der Übergang der Vorfahren von Menschen und Affen genau stattgefunden hat, ist noch umstritten. Sehr viel spricht dafür, dass es in Ostafrika war und dass sie sich von dort über den gesamten Erdball verteilt haben. Bei ihrer Wanderung nach Europa ergab es sich, dass viele von ihnen Ackerbauern wurden und weniger Fleisch und Fisch zu sich nahmen und deshalb Vitamin-D-Mangel bekamen. Der führt unter anderem zu Depressionen, Immunschwäche und Knochenerweichung. Da war es ein Glück, dass sie sich an die Umwelt mit weniger Sonnenlicht anpassen konnten und mit der Zeit immer hellere Haut bekamen, so dass sie bei gleicher Sonneneinstrahlung mehr Vitamin-D produzieren konnten. Das dauerte viel länger als der Klimawandel aufgrund der Industriellen Revolution. Man schätzt, dass es innerhalb von 2500 bis 3000 Jahren so weit kam. Allerdings bis der Ackerbau von Mitteleuropa bis Nordeuropa kam, dauerte es noch gut 2000 Jahre länger. (So stark beeinflusste offenbar der Mangel an Sonnenlicht die Entwicklung. Aus archäologischen Funden lässt sich das allerdings erst nachweisen, seit man das menschliche Genom auch anhand alter Knochenfunde bestimmen kann.

Da zeigte sich, dass die menschliche Vielfalt in Afrika weit größer ist als in Europa. Unter anderem zeigt sich da daran, dass Ostafrikaner sich genetisch stärker von Westafrikanern unterscheiden als von Europäern.

Freilich solche genetischen Forschungen lagen noch in ferner Zukunft, als der Panafrikanismus entstand. Übrigens nicht in Afrika, doch das ist ein anderes Kapitel.

(Angeregt wurde dieser Beitrag über "DNA von damals" im ZEIT-Magazin vom 25.4.24, S. 24ff.)

Samstag, 22. Juli 2023

Begegnung über Kulturgrenzen hinweg: Tansania und Norwegen 2. Teil

Von dem, was in dem vorhergehenden Artikel über die Gesprächspartnerinnen berichtet wurde, ist Juanice Mollel und Janicke Kernland vor ihrem Videokontakt nur ihre Seite bekannt. So beginnt ihr Gespräch tastend. 

Die Norwegerin fragt, die Tansanierin antwortet:

Was ist mit dem Klimawandel? Macht er sich schon in der Serengeti bemerkbar?

Die Landschaft dort habe sich in kürzester Zeit wahnsinnig verändert, sagt Junaice Mollel, allerdings auch wegen des unmittelbaren Handelns der Menschen. "Ich war zuletzt 2019 da, und als ich es jetzt gesehen habe, konnte ich es kaum glauben. So viele Zelte und Unterkünfte! Bald gibt es mehr Camps als Tiere."

 Ob auch Tansanier Safaris machen, will Janicke Kernland als Nächstes wissen.

 "Eigentlich ist es nicht so unsere Kultur, in den Busch zu gehen, um Tiere anzugucken", antwortet Junaice Mollel. 

Ein kurzes Zögern – was könnte man noch besprechen? Bevor die Stille zu groß wird, füllt Janicke Kernland sie: "Also, ich habe bei dieser Frage, ob hartes Arbeiten immer zu einem besseren Leben führt, mit Ja geantwortet. Aber das war vielleicht eine arrogante Antwort. Das habe ich aus meiner privilegierten Perspektive geschrieben."

Junaice Mollel: "Ich habe mit Nein geantwortet, weil ich so viele Menschen hier kenne, die hart arbeiten und es trotzdem nicht schaffen, ihrer Familie Essen auf den Tisch zu stellen. Würde ich meinen Job verlieren, würde ich sofort auf null zurückfallen." Sie erzählt vom Vater, von den Schlägen, dem Hunger. Auf der anderen Seite des Bildschirms ist es ganz still. Wegen der Erfahrungen mit ihrem Vater habe sie auch bei der Frage zur Geschlechtergerechtigkeit mit Nein geantwortet, sagt Junaice Mollel. "Natürlich sollen Frauen und Männer gleiche Chancen haben." Allerdings trage ein Mann, der eine Familie hat, eben eine besondere Verantwortung. Er sei der Versorger, er stehe in der Pflicht, er müsse das Essen nach Hause bringen. "Mein Vater hat das nicht getan." In Tansania gebe es einen großen Unterschied zu Europa: Der Mann bestimme das gemeinsame Leben in der Familie. "Wenn Männer so gerne Männer sein wollen, sollen sie sich auch so verhalten."

 Janicke Kernland sagt, sie verstehe, warum Junaice die Frage mit Nein beantwortet habe. In Norwegen sei das alles ganz anders. "Es gibt hier per Gesetz Gleichberechtigung." Jeder habe die gleichen Rechte, egal ob Mann, Frau, trans. 

Junaice Mollel: "Transgender! Davon muss man hier gar nicht erst anfangen. Das ist komplett neu für uns."

Janicke Kernland: "Und wenn man seine Kinder schlägt, kann man bei uns ins Gefängnis kommen."

Junaice Mollel:  "Wie hast du denn dann deine Kinder diszipliniert?" 

"Ich habe geschrien!"  Großes Gelächter.

Junaice Mollel: "Das Gesetz sollte man lieber nicht nach Tansania bringen ..." 

Junaice hat klare Vorstellungen darüber, wie sie ihr weiteres Leben gestalten will. Zwei Kinder haben und ihnen die beste Mutter sein: Nur vor einer Sache fürchte sie sich dabei: "Dass ich mich für den falschen Mann entscheide."

Nach dem zögernden Beginn kommt es jetzt - entgegen den vorherigen Erwartungen der beiden Frauen zu einem engagierten flüssigen Austausch. 

3084 Menschen aus 116 Ländern haben bei dem Experiment "The World talks" in ähnlicher Weise miteinander gesprochen: "Um möglichst diverse und globale Gesprächspaare zu bilden, haben wir darauf geachtet, dass kein Land mehr als 40 Prozent der Teilnehmenden stellt. Ein Algorithmus fand letztlich für 3.084 Menschen einen Gesprächspartner – 1.542 Gegensatzpaare, die möglichst weit voneinander entfernt wohnen und möglichst unterschiedlicher Meinung sind. Rund 57 Prozent von ihnen sind Männer, knapp 41 Prozent Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 42 Jahren." (ZEIT ONLINE 25.6.23)

Samstag, 24. Juni 2023

Ein Experiment: Persönliche Begegnung über alle Kulturgrenzen hinweg

 Die Wochenzeitung Die ZEIT hat in der Aktion "The World Talks" Tausende Menschen, die einander völlig fremd sind, dazu gebracht, ausführlicher miteinander zu sprechen.

https://www.zeit.de/2023/27/the-world-talks-frauen-tansania-norwegen

Es geht dabei darum, dass Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen sich bereit erklären, miteinander zu sprechen, um die andere Person besser zu verstehen. Das soll dazu helfen, dass sie nicht nur eine andere Kultur besser verstehen, sondern darüber auch ganz allgemein lernen, wie man sich über Kulturgrenzen hinweg verstehen kann.

Das ist in großem Maßstab das, was sich in kleinerem Maßstab im Juli 2008 Evariste Fosong in Gabun und Franziska Götz in Deutschland mit dem "Magazin für internationalen Kulturaustausch Nachbarschaft" vorgenommen haben. Es begann mit hektographierten Blättern und wurde ab September 2009 auch ins Internet übertragen.

Weil wir die gleiche Zielsetzung verfolgen wie das Projekt der ZEIT, wollen wir den Bericht über das erste solche Gespräch (sieh ZEIT vom 22.6.23) hier vorstellen:

Der ZEIT-Artikel berichtet vom Gespräch einer 30-jährigen Frau aus Tansania mit einer 67-jährigen Frau aus Nordnorwegen, wo gegenwärtig die Mitternachtssonne scheint.

Junaice Mollel aus Tansania ist am 11.5.1993 am Stadtrand von Arusha in einem Stall geboren und über ein Ausbildungsprogramm für Teenager  aus mittellosen Familien, in der Fachrichtung Tourismus zur Hotelmanagerin in Arusha aufgestiegen.

Janicke Kernland, * 27. Juni 1966 in Park Ridge, Illinois, USA ist das Kind norwegischer Auswanderer, der Vater Berater für ein amerikanisches Metallunternehmen, die Mutter Journalistin. Janicke lebt jetzt in der Kleinstadt Mosjøen und ist Direktorin der dortigen Heimatmuseen.

Junaice hat ihren Geschwistern die Ausbildung finanziert, der Bruder wurde Polizist, die Schwester Lehrerin. Das hat sie durchgehalten, auch als sie während der Corona Zeit deutlich weniger verdiente, weil der Tourismus damals zusammen brach.

Möglich wurde das nur, weil sie ständig mehr als andere gearbeitet hat, um ihrer Familie zu helfen. Ihre Schulausbildung konnte dazu nur wenig beitragen. Ihre Klasse hatte 100 Schüler, der Schulweg dauerte eine Stunde hin und eine zurück. Hausaufgaben gab es keine, individuelle Förderung gar nicht. Als Leistungsantrieb hatte ihr Vater für sie Folgendes vorgesehen: Wenn sie am Ende des Halbjahres zu den zehn besten gehörte, bekam sie eine Cola und ein Stück Kuchen. Wenn sie schlechter war, gab es so viele Schläge, wie es dem Platz entsprach: 12 beim12. Platz, 13 beim 13. Als sie mit elf Jahren auf den 40. Platz kam, also 40 Schläge. Die wurden, weil sie noch jung war, auf vier Tage verteilt.

"Böse sei sie ihrem Vater deswegen nicht. Seine Kinder zu schlagen, sagt Junaice Mollel, sei in Tansania noch immer normal. 'Er hat einen Stock genommen, der nicht so wehtat.' Andere Dinge, die er tat, wiegen schwerer. Dass er manchmal mit härteren Gegenständen zuschlug, so fest, dass die Haut aufplatzte und Narben blieben. Dass er, nachdem er den kleinen Laden verkauft hatte, nicht mehr arbeiten wollte und Junaice und ihre Geschwister von der Hilfsorganisation World Vision ernährt werden mussten. [...] Und trotzdem, das sei ihr wichtig zu betonen, liebe sie ihren Vater, er sei ihr bester Freund und wichtigster Ansprechpartner. Fragt man Junaice Mollel, ob sie nie daran gedacht habe, mit ihm zu brechen, schaut sie einen verständnislos an. " (ZEIT 22.6.)

Janicke kannte in ihrem Leben keinen wirklichen Hunger. 

"Als sie aufwuchs, bedeutete Familie für sie nie etwas anderes als Geborgenheit und Freiheit. 'Mein Vater hat immer gesagt: Wenn dir etwas Spaß macht, dann bist du gut darin, und wenn du gut in etwas bist, dann wirst du immer Arbeit haben.' Ihre Eltern hätten ihr viel gegeben, sagt sie, aber auch viel gefordert. Was genau – schwer zu sagen. Vielleicht waren es die stillen Erwartungen, die eine Kindheit voller Chancen weckt: gute Noten schreiben, einen guten Job finden, glücklich werden.

Als sie 14 war, trennten sich die Eltern. Der Vater lernte eine Frau aus Hongkong kennen, die Mutter einen schwedischen Piloten. Patchworkfamilie, Stiefeltern, noch mehr Reisen: Abu Dhabi, Florida, die Bahamas, die Cayman Islands, das Great Barrier Reef. Alles, noch bevor Janicke Kernland 18 wurde. In New York heiratete sie ihren Jugendfreund. Danach wechselten sie mehrmals das Land, in dem sie arbeiteten. Mal im Interesse des Mannes, mal im Interesse der Frau. In Nordnorwegen in einem kleinen Ort Heimatmuseen zu betreuen, entspricht ganz ihrem Interesse.

Und in ihrer Freizeit fahren sie und ihr Mann am liebsten auf eine Insel: nur 10 Häuser, keine Straßen, kein fließend Wasser. Fast nur Birken, Felsen und ringsum Wasser. Möglichst viel Natur, möglichst wenig Zivilisation. 

Auf die Frage: Was macht Sie glücklich? antwortet Juanice: Meine Familie.

Janicke  antwortet: Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Dass es meinen Kindern gut geht. Ich liebe die Jahreszeiten. ...

Auf die Frage: Was macht sie unglücklich? sagt Junaice: Meine Familie zu verlieren

Janicke: Globale Instabilität. Klimawandel. Umweltverschmutzung. Der Platz, den wir Menschen einnehmen. Der Anstieg der Energiekosten und die Gehälter im Museum. ...

Zeit für eine kurze Reflexion: Junaice hat es in ihrem Leben viel schwerer gehabt als Janicke. Aber auf die Frage, was sie unglücklich macht, hat Janicke viel mehr zu sagen. Freilich auch auf die Frage, was sie glücklich macht. (Ihre beiden Antworten sind, um die Leser nicht zu langweilen, stark gekürzt.) Janickes Familie ist, schon als sie 14 war, zerbrochen. Weshalb erwähnt sie das nicht in ihrer langen Liste und schreibt erst erst nach vielem anderen: "Ich habe Angst, dass ich nicht genug für meine alternden Eltern tue." Warum?

"Das Leben in Norwegen war Anfang der Siebzigerjahre für viele Menschen noch schlicht und hart. Doch das sollte sich bald ändern. Denn man begann, in der Nordsee Öl und Gas zu fördern.

Rein materiell betrachtet ist zumindest Norwegen heute ein sehr viel besserer Ort als in der Vergangenheit. Sich selbst versorgt das Land fast ausschließlich mit nachhaltiger Energie aus Wind- und Wasserkraft. Das Öl und das Gas verkauft es ins Ausland, dort werden sie verbrannt, wodurch CO₂ in die Atmosphäre gelangt. Das ist schlecht fürs Klima, aber gut für die norwegische Wirtschaft. Die fossilen Energiequellen pumpen so viel Geld in den Staatshaushalt, dass sie den meisten Einwohnern ein gutes Leben ermöglichen. Die Schulen sind umsonst, die Universitäten und Büchereien. In einer durchschnittlichen norwegischen Grundschule kommen auf einen Lehrer 13 Kinder. Der Staat verwaltet für seine Bürger einen Pensionsfonds, über eine Billion Euro schwer, jeder Norweger und jede Norwegerin besitzt allein dadurch mehr als eine Viertelmillion Euro in Aktien und Anleihen.

Junaice Mollel in Tansania sieht von dem Geld natürlich nichts, sie ist schließlich keine Bürgerin Norwegens. Sie sieht etwas anderes: was das CO₂ mit ihrer Heimat macht. Sie sieht, wie der Schnee auf dem Kilimandscharo von Jahr zu Jahr weiter schmilzt. Wie der Victoriasee, Afrikas größter See überhaupt, austrocknet. Wie sich die Serengeti aufheizt, wie Ernten ausfallen und Starkregenfälle zunehmen und Malariamücken sich vermehren. Obwohl die Tansanier pro Kopf und Jahr nur 0,21 Tonnen CO₂ ausstoßen, spüren sie die Folgen des Klimawandels deutlich mehr als Janicke Kernland in Norwegen. Dort emittieren die Menschen trotz all der nachhaltigen Energie im Durchschnitt 7,57 Tonnen CO₂.

Junaice Mollel weiß nichts vom Reichtum Norwegens, von dessen Schatz aus Öl und Gas. Mit Klimapolitik, sagt sie, kenne sie sich nicht aus. Sie findet nur, dass die reichen Länder, die die Erde so verschmutzen, Ländern wie Tansania, die darunter leiden, helfen sollten. Darin ist sie sich mit Janicke Kernland einig, die sogar noch einen Schritt weiter geht. Ihrem Land gehe es gut genug, sagt sie, dem Klima ganz und gar nicht. Janicke Kernlands Forderung: Norwegen solle zwar nicht sofort die gesamte Ölförderung stoppen, aber keine neuen Felder mehr erschließen." (ZEIT vom 22.6.23)

Der Bericht wird in einem Folgebeitrag fortgesetzt.

Zur Rolle der Frau in Afrika vgl. auch den Blogartikel: Schwarz und Frau

Zu der Forderung, die reichen Länder sollten mehr für die Länder tun, die unter dem Klimawandel leiden, sieh in unserem Blog: Klimareparationen und in Greta Thunberg: "Das Klima-Buch".


Mittwoch, 7. Juli 2021

Schon gewusst? - Unterschiede zwischen Afrika und Europa

Kommt Ihnen etwas bei dem Folgenden etwas verwunderlich vor:

1. Eine lahme Bettlerin lebt mit zwei anderen Bettlerinnen zusammen und oft reicht das Erbettelte nicht aus, dass sie abends satt werden können. Und trotzdem schickt sie regelmäßig Geld in ihr Heimatdorf und unterstützt damit acht Verwandte.

2. Ein junges Paar ist in eine große Stadt gezogen und hat darüber den Kontakt mit Eltern und Geschwistern verloren. Es kommt schon bald zu bescheidenem Wohlstand. Nach der Lebensplanung befragt, erklärt es: "Wir haben beschlossen, alles zu tun, damit wir als Rentner nicht auf unsere Kinder angewiesen sind."

3. Ein junger Unternehmer verdient etwa das 30-Fache des Durchschnittsverdienstes. Dennoch gelingt es ihm nicht, etwas für den Ausbau seines Unternehmens anzusparen, obwohl er bescheiden lebt. Der Grund ist: Er hat eine große Zahl von Erwachsenen ud Kindern, insgesamt 19, zu unterhalten und unterstützt regelmäßig Bekannte aus seinem Herkunftsdorf.

Wenn Sie sich über den ersten und den dritten Fall wundern, kommen Sie wahrscheinlich aus Europa. Wenn Sie sich über den zweiten wundern, kommen Sie wohl eher aus Afrika.

So sieht es jedenfalls Angela Köckritz in ihrem Artikel "Lieb und teuer" in der deutschen Wochenzeitung Die ZEIT vom 17.6.2021, aus dem diese drei Beispiele entnommen sind. Sie weist darauf hin, dass die Unterschiede zwischen Afrika und Europa weit elementarer seien als einerseits die innereuopäischen und andererseits die innerafrikanischen Unterschiede.

Die Entstehung der Kleinfamilie in Europa sei nämlich nicht erst auf die Industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert zurückzuführen, sondern auf den Übergang von der Antike zum Mittelalter.

So heißt es da:

"Glaubt man dem britischen Sozialanthropologen Jack Goody, wurde die Macht der europäischen Großfamilie schon gebrochen, als die Kirche in der Spätantike ihren Einfluss auf dem Kontinent festigte. Die christliche Moral verdammte Scheidung, Konkubinat und die für Großfamilien typische Heirat unter entfernten Verwandten, sie stärkte das Band der Eheleute – und damit die Kernfamilie. Davon profitierte die Kirche wirtschaftlich, denn ihr wurde nun oft das Vermögen kinderloser Paare oder Witwen überschrieben, das vorher bei Verwandten gelandet wäre."

Mittwoch, 26. Juli 2017

Ist die europäische Weltsicht seit 500 Jahren durch den Kolonialismus verzerrt?

„Willkommen in Zhengistan, ÄthiopierInnen!“

So begrüßt  der Politikwissenschaftler Aram Ziai das Publikum bei seiner Antrittsvorlesung.

Dann geht es dort weiter:

 "Lassen Sie uns einige Jahrhunderte zurückgehen, ins Zeitalter, in dem Kontinente „entdeckt“ wurden, ins 15. Jahrhundert. Überliefert sind folgende Worte des großen Admirals, der über seine Entdeckungsfahrten berichtet: „Wir haben mehr als 50.000 Seemeilen des gewaltigen Ozeans befahren … und haben unseren Blick auf weit entfernte barbarische Gegenden geworfen.“ (zit. nach Baron 2005). Es handelt sich um den führenden Seefahrer und Entdecker der damals größten und technisch fortgeschrittensten Flotte. Sein Name ist Zheng He. Obwohl er hierzulande weitestgehend unbekannt ist, sind seine Reisen durchaus vergleichbar mit denen von Vasco da Gama oder Christoph Kolumbus. [...] 
Was wäre geschehen, wenn er den asiatischen Kontinent in der entgegengesetzten Richtung umrundet hätte? Und eine dieser barbarischen Gegenden die Heimat meiner Mutter gewesen wäre, das heutige Deutschland? Folgen wir der historischen Fiktion noch ein Stück weiter: was, wenn er aus unerklärlichen Gründen auf den Gedanken verfallen wäre, der von ihm „entdeckte“ Westzipfel Asiens sei ein eigener Kontinent? Und wenn dieser Kontinent nach ihm als seinem „Entdecker“ benannt worden wäre? Nehmen wir weiter an, Zheng He wäre dem Irrtum erlegen, die von ihm „entdeckte“ Region sei eigentlich Hinter-Äthiopien und die dort lebende Bevölkerung würde infolge dieses Irrtums fortan entsprechend bezeichnet – wir lebten heute als ÄthiopierInnen in Zhengistan. [...]"

Der vollständige Text ist hier zu finden:

www.uni-kassel.de/fb05/fileadmin/datas/fb05/FG_Politikwissenschaften/Entwicklungspolitik/Antrittsvorlesung_Aram_Ziai.pdf

Sonntag, 20. September 2009

Europäische Jugendpolitik: Was ist das?

Ich stelle mich einfach mal kurz vor. Ich bin Pater Meinolf von Spee, ein Salesianer Don Boscos und arbeite seit ca. 3 Jahren für die NGO Don Bosco International aisbl (www.don-bosco.eu) in Brüssel.
Wir haben zwei Ziele: Zum einen wollen wir den Blick für eine Zusammenarbeit in Europa bei den Projekten und Einrichtungen der Salesianer Don Boscos fördern. Zum anderen wollen wir mit den Verantwortlichen der EU Kommission
ins Gespräch kommen, um mit Ihnen über Erfahrungen in der Förderung von jungen Menschen (besonders von jungen Menschen mit Benachteiligungen) sprechen.
Für diese Arbeit ist es wichtig, was sich junge Menschen in Europa für sich wünschen. Ein paar Beispiele: Es wäre doch schön, wenn
a. junge Menschen in Europa mehr voneinander wissen würden;
b. sie auch etwas gemeinsam machen könnten;
c. junge Menschen, die z.B. Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Beruf haben, mehr Unterstützung
bekommen;
d. dass man das, was man irgendwo in der Schule, auf der Uni, bei der Berufsausbildung, aber auch in der Jugendarbeit
gelernt hat, so bescheinigt bekommt, dass es überall anerkannt ist
e. … Die Wunschliste lässt sich leicht noch verlängern…

Und was ist jetzt die Aufgabe der Europäischen Union?
Vor allen Dingen: Anregungen geben und koordinieren! Seit 2001 versucht die EU die Mitgliedsstaaten in der Verwirklichung dieser Ziele zu unterstützen. Es wurde ein Rahmen der Kooperation vereinbart, der durch einen Pakt für die Jugend junge Menschen mit Benachteiligungen in den Blick nimmt.
Nach Auswertung des Erreichten soll nun eine neue Vereinbarung die einzelnen Staaten dazu anregen, in ihrer Politik noch mehr für junge Menschen zu tun, denn der erste Europäische Jugendbericht zeigt einigen Handlungsbedarf auf, z.B.:
- jedes 5 Kind in Europa kann nicht richtig lesen und schreiben! Oder
- jeder 5 Jugendliche ist von Armut bedroht! Oder
- die Jugendarbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie bei Erwachsen!
Oder…
Die neue Strategie für die Jahre 2010-2018 steht unter der Überschrift: Investing and Empowering.
In den 8 Bereichen möchte man gemeinsam Fortschritte erreichen, damit die jungen Menschen in der Krise nicht die Verlierer sind. Ein wichtiges Instrument ist das Programm-Paket Jugend in Aktion, mit vielen Fördermöglichkeiten für Europäische / internationale Jugendaktionen/-austausche, für Freiwilligendienste und anderes. Gute Ideen erhalten meist eine Förderung.
Im Bildungsbereich sind die bekanntesten Programme Erasmus (für Studenten) und Comenius (für Schüler).
Wer mehr dazu erfahren möchte, kann im Jugendportal der EU-Kommission viele Infos dazu lesen bzw. runterladen. Gern
unterstützen auch wir Euch bei Suche nach Informationen oder nach Partnern, schreibt mir einfach eine Email: spee@don-bosco.eu
Meinolf von Spee, Brüssel