Posts mit dem Label Klimastreik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klimastreik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. November 2022

Wie der Klimastreik in die Schulen kam

 Weil in Uganda Demonstrationen sehr leicht verboten werden können und weil Schüler dort nur unter Gefahr der Entlassung von der Schule fern bleiben könnten und weil außerdem viele in ländlichen Internaten wohnen und deshalb kaum zu zentralen Demonstrationen kommen könnten, beschloss Vanessa Nakate, ihrerseits 

"die Klimastreiks in die Schule zu bringen, anstatt die Schüler*innen aufzurufen, den Unterricht zu schwänzen – der Klimawandel als Teil des Lehrplans, wie ich mir das für mich als junges Mädchen gewünscht hätte.

 Im März 2019 besuchte ich die Refverend John Foundation Primary School in Kampala und erzählte der Direktorin von meinem Plan, bei den Schüler*innen das Bewusstsein für die Klimathematik zu wecken und unsere Politiker*innen zum Handeln aufzufordern. Sie erlaubte mir, mit den Schüler*innen zu sprechen, und sogar, mit ihnen einen Streik zu organisieren. Ich war begeistert von der Offenheit und Kooperationsbereitschaft dieser Schule. Als ich in der folgenden Woche wieder kam, hatten die Lehrer*innen sich mit etwa einhundert Schüler*innen auf dem Schulgelände versammelt. ich erklärte den Kindern, dass ich für den Schutz der Bäume und unseres ganzen Planeten kämpfte; gegen Wegwerfprodukte aus Plastik protestierte, die aus fossilen Brennstoffe hergestellt sind; und auch, dass ich versuchte zu verhindern, dass immer mehr Menschen aus ihren überfluteten oder von Erdrutschen verschütteten Dörfern fliehen mussten. Ich versuchte, mich möglichst verständlich auszudrücken, und auch, auf Fachbegriffe zu verzichten. Am Ende brachte ich den Kindern noch einen der internationalen FFF-Protestrufen bei: 'What do we want? Climate Justice. When do we want it? Now.'
Die Lehrer*innen hatten offenbar keine Bedenken, dass das, was ich von mir gab, zu radikal oder staatsfeindlich war. Sie ermutigen die Kinder sogar, lauter zu rufen. Diese erste Veranstaltung wurde zum Modell für die vielen Klimabewusstwerdungsstreiks, die ich seither an unseren Schulen organisieren durfte." (Vanessa Nakate: Unser Haus steht längst in Flammen. Warum Afrikas Stimme in der Klimakrise gehört werden muss, Rowohlt Verlag 2021, S. 46/47)

Donnerstag, 10. November 2022

Wie der Klimastreik in Uganda begann

 Vanessa Nakate, 22 J., war kurz vor dem Abschluss ihres BWL-Studium in Kampala, als sie nach langem Nachdenken darüber, weshalb der bedrohliche Klimawandel nicht ernstgenommen und nichts dagegen getan wurde, trotz vieler Selbstzweifel beschloss, einen Protestmarsch zu organisieren. Sie gewann dafür ihre Brüder 14 und 10 Jahre und Cousin 11 J. und zwei Cousinen 9 und 22 Jahre dazu, dabei mitzumachen:

Ihr Bericht:

"Jetzt setzten uns hin, um die Schilder herzustellen, die wir bei unserem Streik in die Luft halten würden.
'Was sollen wir schreiben?' wollte Varak wissen. Ich legte Wert darauf, unsere Botschaften positiv zu formulieren. Außerdem war es mir wichtig, dass die Jüngeren nur Plakate zeigten, die sie auch selbst verstanden. Wir beschlossen, Sprüche zu nehmen, die nicht zu bedrohlich klangen, und suchten uns ein paar verschiedene aus. Auf Englisch schrieben wir Bäume sind wichtig für uns - Natur ist lebenWer einen Baum pflanzt, pflanzt einen Wald Danke für die Erderwärmung (das allerdings war Ironie) außerdem noch Klimastreik jetzt. Dann malten wir noch ein paar Bäume neben die Schriftzüge ,während wir im Wohnzimmer vor uns hin bastelten. [...]" (S.26)
"Wir machten uns auf den Weg zu unserer ersten Station auf dem Kititale-Markt und reckten unsere Schilder in die Luft: ein richtiger kleiner Klimamarsch. Mein Bruder Paul Christian machte Fotos, damit ich später in meinen Social-Media-Kanälen Bilder posten konnte. Während wir auf dem Gehsteig unterwegs waren, starten die Leute uns an. Die Frage, was wir da trieben, stand Ihnen ins Gesicht geschrieben. Eine Frau blieb vor uns stehen und sagte uns, wir sollten zu einer Baustelle in der Nähe gehen wo Bäume gefällt wurden, um Platz für eine Schule zu schaffen. 'Die müssen verstehen, dass sie das nicht tun dürfen', sagte sie. 'Man kann die Bäume stehen lassen und trotzdem eine Schule bauen.' "(S.27/28)

"Nachmittags postete ich, wie geplant, ein paar Fotos und ein Video, das mein Bruder von uns gemacht hatte, für meine etwa 500 Follower*innen in den sozialen Medien. Als ich das nächste Mal auf mein Handy sah, stellte ich erfreut fest, dass meine Posts bereits ein paar Likes bekommen hatten, es gab sogar ein paar positive Kommentare. Vor dem Schlafengehen schaute ich noch einmal nach. Ich hatte meine Postings mit Hashtags versehen und unseren Klimastreik auch mit #FridaysForFuture verlinkt. Überrascht sah ich, dass Greta Thunberg meine Fotos geteilt hatte. Mein Originalpost hatte plötzlich über tausend Likes. Das war völlig neu für mich. Bis jetzt hatten höchstens zehn Leute auf meine Posts reagiert. Wie war das möglich?
Bis zum nächsten Morgen waren noch viel mehr positive Reaktionen eingetroffen, und sie kamen aus aller Welt. Ich fing sofort an, für den kommenden Freitag meinen nächsten Streik zu planen." (S.31)

Sie beschließt, zum Parlamentsgebäude zu gehen und gewinnt einen Freund dazu, mit ihr zu kommen. Der fand das sehr mutig, aber kam mit. Als sie merkten, dass viel Betrieb war, und auch andere Veranstaltungen liefen, beschloss sie, die Polizisten, die dort aufpassten anzusprechen und ihr Unternehmen zu erläutern. Den Polizisten war vor allem wichtig, dass sie nicht für eine Oppositionspartei demonstrieren wollten und auch nicht von einer Partei geschickt worden waren. 

Vanessa berichtet weiter:
"Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich bei meinem Gespräch mit den Beamten zwar nervös, zugleich jedoch seltsam ruhig gewesen war. Ich hatte mir meine Angst nicht anmerken lassen, um Elton nicht noch weiter zu verunsichern. Ich fühlte die Verpflichtung, ihn zu beschützen. Er war drei Jahre jünger als ich und hat er mich begleitet, weil ich ihn darum gebeten hatte. (S.39)

sieh auch: Das Klima-Buch von Greta Thunberg und vielen Wissenschaftlern und Journalisten
Namen anderer Klimaaktivist*innen:
Licypriya Kangujam  Indien (11 J.)
Leah Namugerwa Uganda  (*2004)
Hilda Flavia Nakabuye Uganda (*1997/98)

Divina Maloum Kamerun Friedenskaktivistin, Trägerin des Internationalen Kinder-Friedenspreises von 2019, Quelle