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Mittwoch, 29. Oktober 2025

Chinua Achebe

 Chinua AchebeThings Fall Apart (französisch: Tout s'effondre

Deutsche Wikipedia: "[...] Alles zerfällt [...] ist der erste Roman des nigerianischen Schriftstellers Chinua Achebe. Er erschien 1958 und wurde zu einem Meilenstein und zugleich Klassiker der afrikanischen Literatur. Bis heute ist er das meistgelesene Buch eines afrikanischen Autors. Der Roman schildert am Beispiel eines Igbo-Dorfes auf tragische Weise, wie eine nach althergebrachten, patriarchalen Regeln funktionierende afrikanische Gesellschaft durch das Eindringen christlicher Missionare und kolonialer Herrschaft zerfällt. Ein Jahr nach dem Erscheinen wurde der Band bereits in deutscher Übersetzung unter dem Titel Okonkwo oder Das Alte stürzt aufgelegt; der englische Titel des Romans, Things Fall Apart (wörtlich „(Die) Dinge fallen auseinander“), ist ein Zitat aus William Butler Yeats’ Gedicht The Second Coming (1919). [...]

Zeitgenössische Rezeption

Zeitgenössische Wissenschaftler, Ethnologen und Religionswissenschaftler, auch Beamte in der nigerianischen Kolonialverwaltung äußerten sich ebenfalls öffentlich zum Buch. Sie reagierten empfindlich auf die Darstellung der Europäer und warfen Achebe sogar vor, manche Spezifika seiner eigenen Kultur nicht korrekt dargestellt oder nicht verstanden zu haben.[5] Seit seinem Erscheinen hat Things Fall Apart eine reiche literaturkritische Beschäftigung erfahren, die bis heute weiterhin besteht, sich aber über die Jahrzehnte deutlich veränderte. In der Phase der Dekolonialisierung machte Achebes Roman die Welt auf Afrika, auf die Mechanismen der kolonialen Herrschaft und nicht zuletzt auf die afrikanische Literatur selbst aufmerksam. Die sorgfältige Struktur und sensible Darstellung einer Entwicklung hin zum tragischen Ende bewegte Leser auf der ganzen Welt. Während Bücher anderer afrikanischer Autoren wie Cyprian Ekwensi oder Amos Tutuola in der westlichen Welt kaum wahrgenommen worden waren, führte Things Fall Apart zur ersten seriösen Literaturdebatte über Afrika. Frühe Reaktionen in den 1950er und 1960er Jahren konzentrierten sich auf Fragen der kulturellen Konflikte, die Authentizität in der Sprache, auf seine Form und Weltsicht. Später befasste man sich mit der Universalität des Romans und Vergleichen in Form und Stil mit Romanklassikern der westlichen Literatur, wie etwa der Aristotelischen Tragödie des 19. Jahrhunderts. Später schließlich wurden die oralen Formen, die Eingang in den Roman gefunden hatten, oder geschlechterideologische Aspekte thematisiert.[3]

Postkoloniale Literaturkritik

Achebes Roman wurde nicht nur zum meistgelesenen fiktionalen Roman eines afrikanischen Autors, sondern auch zum meistuntersuchten Buch aus der Feder afrikanischer Autoren. Seine herausragende Stellung, die anhaltende Wirkung des Romans auf Leser und Kritiker machte das Buch zu einer Ikone der postkolonialen Literatur.[4]

Der afrikanische Bestseller

Seit dem Ersterscheinen des Romans wurde er in mehr als 45 Sprachen übersetzt, weltweit wurden über zehn Millionen Exemplare des Buches verkauft.[4] Für die sich entwickelnde afrikanische Literatur wurde Things Fall Apart zu einem einflussreichen Vorbild, dass eine große Wirkungsmacht entfaltete. Eine breite literarische Bewegung orientierte sich an Achebes Beispiel, die überlieferten afrikanischen Kulturen literarisch aufzuwerten und die kulturellen und politischen Konflikte, die ihre Wurzeln in der kolonialen Ära hatten, aufzuarbeiten.[4] 2018 listete der BBC Things Fall Apart als eine der 100 einflussreichsten Geschichten der Weltliteratur. Der Roman wird auf Platz fünf der Liste geführt und ist das einzige Werk eines afrikanischen Autors unter den Top Ten.[6]

Bedeutung für die afrikanische Literatur

Things Fall Apart machte Achebe, obwohl sein Roman keineswegs der erste aus der Feder eines afrikanischen Autors war, zum Begründer und Vater der afrikanischen Literatur. Mit diesem Roman eröffnete sein Verleger, William Heinemann Ltd in London, die berühmteste Reihe für afrikanische Literatur, die African Writers Series, deren Herausgeber Achebe 1962 wurde und an der er bis zu seinem Verkehrsunfall 1990 federführend mitarbeitete.[7][8] Achebes Erstlingswerk ist bis heute Pflichtliteratur für Schüler in vielen afrikanischen Ländern.[8] Bis heute ist Things Fall Apart weltweit, aber auch innerhalb Afrikas das am meisten gelesene literarische Werk eines afrikanischen Autors.[4 ] (Wikipedia)

Dies Buch erschien zwei Jahre vor dem "Afrikanischen Jahr" 1960, in dem am Januar Kamerun selbständig wurde. Das ist für die "Nachbarschaft" ein Anstoß gewesen, besonders deutlich auf Afrika aus afrikanischer Sicht und auf die nicht immer glückliche Beziehung zwischen Kamerun und Deutschland einzugehen. Deutschland hat nicht lange Kolonien gehabt und Bismarck wollte auch keine haben. Doch leider hat Deutschland sowohl in Namibia wie in Kamerun sich sehr unrühmlich in die Kolonialgeschichte dieser Länder eingetragen. Wir von der "Nachbarschaft" hoffen, ein wenig dazu beitragen zu können, dass die Beziehungen sich verbessern. 


Donnerstag, 25. September 2025

Kulturaustausch zwischen Deutschland, Afrika, Indien und den Philippinen

 Um 8.30 Uhr begann für Franziska W. der Tag im Mädchenheim in Mumbai. Die Mädchen sind zum Teil Waisen oder stammen aus schwierigen familiären Verhältnissen. „Wir haben dann in der Hausaufgabenbetreuung unterstützt“. Von 12 bis 13 Uhr ging der Tag im Seniorenheim weiter, wo sie bei der Essensausgabe half.

Am Nachmittag half Franziska in einer Schule mit 5 Klassen, wo sie zusammen mit Maire aus Bonn in einer Klasse Nachhilfe in Englisch und Mathe gab, aber auch mit den Kindern über ihr Leben in Deutschland und das der Kinder in Mumbai sprach. Da gab es für beide Seiten viel zu staunen und zu lernen.  Am Abend haben sie dann im Heim mit den älteren Mädchen, die am Vormittag in der Schule waren, gespielt getanzt.

Trotz vieler Arbeitsstunden erlebte Franziska auch viele schöne und besondere Momente. Ob beim Basteln mit den Senioren, dem gemeinsamen indischen Kochen oder den vielen Festen, die gefeiert wurden. Es gab zahlreiche Anlässe, in die indische Kultur einzutauchen.

Franziska W. hat mit Franziska Götz, die 2008 zusammen mit Evariste Fosong unser Kulturaustauschmagazin gegründet hat, nicht nur den Vornamen gemeinsam, sondern beide kommen aus dem Kreis Bergstraße und haben auch beide einen freiwilligen Auslandsdienst verbracht.

Franziska W. leistete ihn im Rahmen des Programms „weltwärts“ des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Während ihrer acht Monate war sie im Heim der Schwestern der Society of the Helpers of Mary, einer Organisation die 1942 von der katholischen Ordensschwester Anna Roggendorf gegründet wurde.

Das Programm der Bensheimer Karl-Kübel-Stiftung ermöglicht auch einen Rückaustausch. So leben gegenwärtig drei junge Frauen aus Indien und den Philippinen seit einigen Monaten Zwingenberg, Bensheim und Lorsch und arbeiten dort wie Franziska W. Und unsere Franziska Götz es getan hat, in sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel in der Behindertenhilfe Bergstraße

Dieser Artikel stammt von Walter, der nur ein paar Häuser entfernt vom Heim der Behindertenhilfe Bergstraße wohnt und Franziska Götz beim Nord-Süd-Forum kennengelernt hat.

Hier ein Link zu Franziska W.s Bericht an die Karl-Kübel-Stiftung

Weitere Projekte der Stiftung

Walter Böhme

Sonntag, 23. Februar 2025

Zur Vorgeschichte der gegenwärtigen Demonstrationen zur Verteidigung der Demokratie in Deutschland

Vor der Bundestagswahl in Deutschland, die am 23.2.2025 stattfand, hat es viele Demonstrationen zur Verteidigung der Demokratie und der Menschenrechte auch für Minderheiten stattgefunden. Denn wegen der Radikalisierung der AfD scheint das Asylrecht des Grundgesetzes ernsthaft bedroht zu sein. Die AfD  die seit ihrem Parteitag von 2024 ausdrücklich für eine erhöhte Abschiebung von Geflüchteten und Migranten eintritt und das beschönigend Remigration nennt, obwohl diese Freiwilligkeit voraussetzt.

Gegen diese gegen Migranten gerichteten Pläne wurde bereits 2024 deutschlandweit  unter dem Schlagwort "Deutschland gegen rechts" demonstriert. Vorbild waren dafür die Münchner Lichterkette von 1992, denn nach der deutschen Wiedervereinigung war es damals zu einer  Welle rechter Gewalt gekommen, "die sich häufig gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Asylsuchende richtete, wie die Mordanschläge von Mölln und Solingen oder die Ausschreitungen von Hoyerswerda und  Rostock-Lichtenhagen" (Münchner Lichterkette). 

Das Schlagwort "gegen rechts" war freilich zu allgemein gehalten. Auch Konservative nennt man rechts, das Problem sind gefährliche Rechtsextremisten. Schlagworte wie "Demokratie verteidigen" und "Für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" sind deshalb passender.

Eine Demonstration zur Verteidigung der Demokratie in einer deutschen Mittelstadt

 Die erste Rednerin war vom Hospiz und erinnerte daran, dass am Schluss des Lebens für die Sterbenden meist nicht ihre Erfolge oder ihre Gegnerschaften das Wichtigste sind, sondern ihre menschlichen Beziehungen.

Aus einem Jerusalemer Hospiz berichtete sie, wie sie zwei Mütter in der Endphase ihres Sterbens erlebt hat, die von ihren Söhnen besucht wurden. Eine Jüdin und eine Araberin. Die Söhne waren zunächst in sich gekehrt in der Aussicht, bald ohne Mutter zu sein: mutterseelenallein. Doch als sie aufsahen und den anderen sahen, der auch weinte, umarmten sie sich, um sich zu trösten.






Paula ermutigt Menschen, die queer sind: "Du bist genau richtig, wie du bist."

Patrik berichtet, wie er als Einzelner im Internet sich hilflos fühlte gegenüber all den Rechtsradikalen und dass er es für sinnlos fand, mit denen zu streiten, bis er zunächst ganz privat Unterstützer fand, mit denen er in Lorsch eine Demonstration mit 500 Teilnehmern organisierte, aus der dann die Gruppe "Lorsch bleibt stabil" hervorging. Inzwischen haben sie in ganz Lorsch mitten im Winter 5000 Flyer verteilt.

Die Sprecherin des Goethe-Gymnasiums engagiert sich für Vielfalt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis und verweist darauf, dass LGBT viel dafür getan hat, für das Verständnis für Minderheiten zu werben, dass aber nicht gut ist, wenn deren Vertreter Personen mit anderen Meinungen scharf angreifen, denn Toleranz bedeute ja gerade, dass man nichts tut, um die Gesellschaft zu spalten. 








Umfassende Informationen der Bundeszentrale für politische Bildung zur Bundestagswahl

Livestream zur Bundestagswahl 2025

Ergebnisse der Bundestagswahl 2025


Samstag, 20. April 2024

Rassismus und Antirassismus

 Die Tatsache, dass es die anspruchsvollen wissenschaftlichen Artikel der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" jetzt online zu lesen gibt, veranlasst mich, jetzt zwei von diesen Aufsätzen aus dem Jahr 2020 vorzustellen, damit sich die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zeitschrift auch im Netz gelesen wird, sich ein wenig vergrößert.

In dem Aufsatz von Naika Foroutan: "Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft" heißt es unter anderem:

"In der einschlägigen Rassismustheorie lässt sich die Funktionsweise von Rassismus im Wesentlichen in einem Dreischritt beschreiben:

In einem ersten Schritt werden Menschen beziehungsweise Menschengruppen aufgrund von Merkmalen, die je nach historischem Kontext unterschiedlich gewählt werden können, als homogene Gruppen dargestellt und eingeteilt.Zur Auflösung der Fußnote[12] Dabei muss das zugeschriebene Merkmal nicht zwingend auf die einzelnen Individuen zutreffen, es fungiert als "Bedeutungsträger".Zur Auflösung der Fußnote[13]

In einem zweiten Schritt – oftmals als Rassifizierung bezeichnetZur Auflösung der Fußnote[14] – werden diese Merkmale biologisiert, und ihren Träger*innen werden spezifische, meist negative Eigenschaften zugeschrieben.Zur Auflösung der Fußnote[15]

In einem dritten Schritt findet schließlich eine HierarchisierungZur Auflösung der Fußnote[16] der derart konstruierten Gruppen statt. Je nach Gesellschaftsformation ermöglichen solche Hierarchien zwar auch flexible Übergänge zwischen dem "Wir" und "den Anderen". Als anders gelesene Gruppen zu markieren und systematisch abzuwerten, kann indes nur gelingen, wenn gesellschaftliche Strukturen ermöglichen, die Verteilung von Handlungschancen sowie die Bewältigung von Konflikten in der Form solcher kollektiven Identitäten zu artikulieren und organisieren. [...]"

In Deutschland entstand nach dem Zweiten Weltkrieg (ab 1945), als der Holocaust allgemeiner bekannt wurde, nicht zuletzt durch Anne Franks Tagebuch ein Schuldgefühl gegenüber den Juden, an denen dieser Völkermord begangen worden war. Dagegen fühlten sich die meisten Deutschen am internationalen Kolonialismus nicht mitschuldig, denn die deutschen Kolonien, beispielsweise Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Togo sowie Kamerun waren im Versailler Vertrag 1919 als Mandatsgebiete des Völkerbunds unter britische und französische Verwaltungshoheit gestellt worden. Mit denen hätten die Deutschen ja nichts mehr zu tun. 

Doch gerade, dass die Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien nicht mehr bestanden, hatte dazu geführt. dass manche Bürger dieser Kolonien nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten. 

Dazu heißt es in dem Aufsatz von Tiffany N. Florvil: Transnationale Perspektiven auf Schwarzen Antirassismus im Deutschland des 20. Jahrhunderts:

"Diese Schwarzen Deutschen engagierten sich als Aktivist*innen gegen Kolonialismus und Rassismus in Deutschland, da das Ende der deutschen Kolonialzeit keineswegs das Ende europäischer kolonialer Strukturen, Einstellungen und Politik bedeutete. So reichte Martin Dibobe, der erste Schwarze Zugführer im Berliner Nahverkehr, gemeinsam mit 18 anderen Männern aus früheren deutschen Kolonien, im Juni 1919 beim Reichskolonialministerium und beim Reichstag eine Petition ein. Darin verurteilten sie den Rassismus, traten dafür ein, Afrikaner*innen gleiche Rechte und gesetzliche Anerkennung zuteilwerden zu lassen und verlangten Teilhabe am neuen demokratischen System in Deutschland. Sie erhielten nie eine Antwort, allerdings handelte es sich um die erste kollektive Bemühung, in der Metropole offen dem Rassismus entgegenzutreten, der sich gegen die Rechte afrikanischer Menschen in Europa und den Kolonien richtete.Zur Auflösung der Fußnote[1] [...]

1930 organisierte der in Trinidad geborene George Padmore eine internationale Konferenz Schwarzer Arbeiter in Hamburg, bei der die Delegierten unter anderem universelle Arbeiterrechte, die volle Unabhängigkeit aller Kolonien und das Selbstbestimmungsrecht aller Nationen forderten. Ebenfalls in Hamburg gab er bis 1931 "The Negro Worker" heraus, das Sprachrohr des Internationalen Gewerkschaftskomitees für Schwarze Arbeiter. Unmittelbar nach ihrer Machtübernahme 1933 veranlassten die Nationalsozialist*innen Padmores Abschiebung. In seinen Werken setzte sich Padmore für die unterdrückten und ausgebeuteten Schichten ein. Als bekennender Kommunist war sein Antirassismus zugleich internationalistisch. Er thematisierte die mannigfaltigen Ausprägungen des Rassismus und bot Handlungsmöglichkeiten an, die auf ein Ende der weltweiten Klassenausbeutung sowie der rassistischen und kolonialen Unterdrückung zielten. Später sollte er sich offen als Anhänger und Unterstützer panafrikanischer Initiativen bekennen. So gründete er zusammen mit anderen 1937 mit dem International African Service Bureau ein Netzwerk, mit dem die Korrespondenz zwischen afrikanischen und karibischen Gewerkschaftler*innen und Intellektuellen koordiniert wurde.Zur Auflösung der Fußnote[7]

Diese Entwicklungen der Zwischenkriegszeit deuten darauf hin, dass der antirassistische Aktivismus eher auf intellektuellem und kulturellem Wege zustande kam als durch die unmittelbare politische Konfrontation. In der NS-Zeit blieben diese transnationalen Verbindungen – wenn auch in anderer Form – erhalten. So erschienen in afroamerikanischen Zeitungen wie dem "Chicago Defender" oder dem "Pittsburgh Courier" Artikel zur Entwicklung in Deutschland, zum Rassismus der Nationalsozialist*innen, zum Leben unter dem NS-Regime sowie später zu den Erfahrungen afroamerikanischer Soldaten im Nachkriegsdeutschland.Zur Auflösung der Fußnote[8] Ihre durch rassistische Zuschreibungen geprägten Erlebnisse im besetzten Deutschland lassen auch die Widersprüche der Demokratie und der seit 1949 im Grundgesetz verankerten "Gleichheit vor dem Gesetz" deutlich hervortreten. [...]

Die Präsenz US-amerikanischer Soldaten in Deutschland ermöglichte einen produktiven Austausch zwischen ihnen und der westdeutschen Bevölkerung. Afroamerikanische Soldaten warben für die Etablierung einer funktionierenden Demokratie und von Freiheitsrechten, während sie selbst immer noch in einer Armee dienten, die rassistischen gesetzlichen Vorgaben unterlag und weder ihr Menschsein anerkannte noch ihren Beitrag zur Kriegsanstrengung honorierte. Ironischerweise erlebten sie im Westdeutschland der Nachkriegszeit ein Maß an Freiheit, wie sie es zuvor nie gekannt hatten.

Deutsche in Ost und West schenkten dagegen dem Rassismus außerhalb ihrer Grenzen vielfach mehr Aufmerksamkeit als dem im eigenen Land. So berichteten deutsche Zeitungen über US-Bürgerrechtsthemen, etwa 1957, als drei Jahre, nachdem der Oberste Gerichtshof in den USA die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärte hatte, neun afroamerikanischen Schüler*innen von gewalttätigen Demonstrant*innen mit Unterstützung der Nationalgarde der Besuch der Little Rock Central High School verwehrt wurde.Zur Auflösung der Fußnote[9] Das wachsende Interesse an diesen Themen war auch bei den viel beachteten Besuchen prominenter Bürgerrechtler wie Martin Luther King Jr. und Ralph Abernathy in Frankfurt am Main sowie in Ost- und Westberlin 1964 erkennbar. Dieser Austausch brachte auch Deutsche dazu, Schritte gegen Rassismus einzufordern, während sich die westdeutsche Politik indes stark auf die Eindämmung des Kommunismus in all seinen Erscheinungsformen konzentrierte. [...]

In den 1960er Jahren waren viele westliche Führungspersönlichkeiten zudem überzeugt, die Black-Power-Bewegung bedrohe den weißen Status quo.Zur Auflösung der Fußnote[10] Anders sahen dies radikale Student*innen des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS), die sich 1967 mit der Black-Power-Bewegung und anderen linken Schwarzen Bewegungen solidarisch erklärten.Zur Auflösung der Fußnote[11] [...]  Deutsche Studierende und afroamerikanische Soldaten planten gemeinsam Versammlungen, Teach-Ins und Proteste, darüber hinaus gaben sie die Untergrundzeitung "Voice of the Lumpen" heraus. [...] Antirassistische Ideologie und internationalistische Perspektiven bestärkten die Schwarze deutsche Bewegung in ihrem Vorgehen, zu dem Workshops, Proteste und Vorträge in verschiedenen deutschen Städten gehörten. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren kritisierten Schwarze Deutsche deutlich die Renaissance des ethnischen Nationalismus und den Neofaschismus in Deutschland und Europa. [...] Die deutsche Black-Lives-Matter-Bewegung (BLM) nahm ihren Anfang 2016. Mit ihr ist ein Raum für neue kritische Methoden entstanden, die den sich überschneidenden Formen der Unterdrückung Rechnung tragen, damit die Lebensbedingungen für Schwarze Deutsche verbessert werden können. In ihren Aufrufen zum Handeln ähnelt die deutsche BLM-Bewegung jenen in Großbritannien, Frankreich und den USA. In Deutschland manifestiert sie sich insbesondere in Kampagnen gegen staatliche Gewalt und für ein Ende der Rassen- und Geschlechterdiskriminierung, wobei sie die Aufmerksamkeit auch auf die verbreitete Polizeigewalt lenkt. [...]"

(Walter Böhme, Webmaster der "Nachbarschaft")

Donnerstag, 16. Februar 2017

Interview mit Johanna SCHOLVIEN, Gastschülerin in Baho Bilingual High School von Douala KAMERUN

Nachbarschaft : Können Sie sich bitte vorstellen ?
Johanna : Mein Name ist Johanna SCHOLVIEN. Ich bin seit drei Wochen in Kamerun und Schülerin in Baho Bilingual High School Douala . Dort besuche ich die Klasse von „2nde A4“ .
Nachbarschaft : Woher kommen Sie eigentlich ?
Johanna : Ich komme aus einem kleinen Dorf in Süddeutschland. Dort habe ich zehn Jahre die Freie Schule Albris besucht. Nach meinem Auslandsaufenthalt hier in Kamerun werde ich an diese Schule zurückkehren, um das Schuljahr abzuschließen.
Nachbarschaft : Was erhoffen Sie sich von Ihrem Aufenthalt in Kamerun ?
Johanna : Ich hoffe, die französische Sprache besser zu sprechen, neue Kontakte zu knüpfen und viele neue Erfahrungen zu sammeln.
Nachbarschaft : Wie gefällt es Ihnen bisher ?
Johanna : Es ist nicht immer einfach, aber bis jetzt gefällt es mir in Kamerun sehr gut.
Nachbarschaft : Wie beurteilen Sie das kamerunische Schulsystem ?
Johanna : Für eine Beurteilung bin ich noch nicht lange genug in Kamerun. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wesentlich mehr Texte von Lehrern diktiert werden. Auch das Schreiben von Exposés ist in Deutschland nicht so verbreitet wie hier. Ein Unterschied zu Deutschland ist auch, dass die Schüler nach der Prüfung die Punkte „verhandeln“. Während es in Deutschland die Noten 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) gibt, kann man in Kamerun mehr Punkte erhalten. Die höchste Note ist übrigens 20/20. Mir ist auch aufgefallen, dass es sehr viele Freistunden gibt, in denen man Zeit hat, die Hausaufgaben zu machen, oder um sich mit Klassenkameraden zu unterhalten. In Deutschland ist es anders. Dort gibt es selten Freistunden. Dafür ist in den meisten Schulen die Pause etwas länger.
Nachbarschaft : Was fällt Ihnen besonders beim Deutschunterricht auf ?
Johanna : Im Deutschunterricht habe ich bis jetzt noch keine großen Veränderungen festgestellt. Allerdings ist doch ein Unterschied, dass Tests, Exposés oder Hausaufgaben im Unterricht verbessert werden und nicht wie in Deutschland vom Lehrer eingesammelt und korrigiert oder als Hausaufgabe aufgegeben werden.
Nachbaschaft : Welche anderen afrikanischen Länder haben Sie bisher besucht ?
Johanna : Mein Auslandsaufenthalt in Kamerun ist der erste außerhalb Europas. Außer Kamerun habe ich noch keine afrikanischen Länder besucht .
Nachbarschaft : Wie sind Ihre Beziehungen zu den kamerunischen Mitschülern und zu den Lehrern?
Johanna : Mit der Zeit habe ich mich mit einigen Mitschülerinnen und Mitschülern angefreundet. Im Großen und Ganzen sind die Schüler und Lehrer nett zu mir und respektieren mich. Es kommt allerdings ab und zu zu Diskussionen, ob ich den Test oder das Exposé mitschreiben muss. Nicht weil ich keine Lust hätte, den Test oder das Exposé zu schreiben, nein da verteidigen mich meine Klassenkameraden.
Nachbarschaft : Was hat es bisher für Schwierigkeiten gegeben ?
Johanna : Wirklich nennenswerte Probleme gibt es bis jetzt nicht. Allerdings war es vor allem am Anfang nicht immer einfach, sich mit den Lehrern und den Mitschülern zu verständigen, da ich die französische Sprache nicht fließend spreche.
Nachbarschaft : Können Sie etwas über die afrikanische Kultur im Allgemeinen und die kamerunische Kultur im Besonderen sagen ?
Johanna : Eine wirklich ausschlaggebende Antwort kann ich leider auf diese Frage noch nicht geben, da ich noch nicht so lange in Kamerun bin.
Nachbarschaft : Was würden Sie gerne am Ende Ihres Aufenthalts mitnehmen ?
Johanna : Am Ende meines Aufenthalts würde ich gerne die Wärme meiner Freunde, die ich hier gefunden habe, die Menge von Erinnerungen und die eine oder andere kamerunische Spezialität mitnehmen.


William CHANTCHO und Walter Böhme führten das Interview.

Freitag, 23. Dezember 2016

Dienstag, 29. Mai 2012

Immigration in Deutschland


Mein Name ist Eddy, und ich komme ursprünglich aus Albanien. Meine Großeltern sind mit ihren Kindern wegen des Krieges von dort weggegangen und leben seit über 20 Jahren hier in Deutschland.

Es ist für sie aber nicht leicht hier in Deutschland. Sie haben ihr Visum immer nur eine bestimmte Zeit lang  und müssen es dann nach Ablauf dieser  Zeit verlängern. Sonst werden sie nach Albanien zurück geschickt.

Ich finde es schrecklich, dass es so was gibt; denn mein Opa und meine Oma leben schon seit über 20 Jahren in Deutschland und haben auch immer fleißig gearbeitet. Ich finde, man sollte Ausländern, die schon über 20 Jahre in Deutschland leben, schon ein unbefristetes Visum geben, wenn sie noch nie Probleme gemacht haben.
Meine Eltern haben ein unbefristetes Visum, weil sie arbeiten, meine Tanten haben eins, weil sie deutsche Männer geheiratet haben.
Meine Onkel haben, weil sie eine gute Position in der Firma, in der sie arbeiten, haben, es sogar geschafft, deutsche Pässe zu erhalten. Und ich habe, weil ich noch zur Schule gehe und meine Eltern auch eins haben, automatisch eins bekommen.
Eddy


Mit Gesten kann man sich verständigen, aber auch gründlich missverstehen. 

Freitag, 18. Juni 2010

Typisch die Deutschen! - Erfahrungen in Deutschland

So viele Nationalitäten hier!
So war mein erster Eindruck im Goethe-Institut Berlin am zweiten Tag meines Aufenthalts, anlässlich eines Sprachkurses letzten Sommer in Deutschland.
Ich wohne in Port-Gentil, einer Halbinsel in dem westlichen Teil Gabuns. Viele Gabuner glauben, dass Deutsch nur in Deutschland gesprochen wird. Als Deutschlehrer wusste ich ja schon, dass Deutsch in anderen Teilen Europas gesprochen wird. Aber, dass Deutsch so eine Menge aus der ganzen Welt  anlocken konnte, war für mich eine echte Entdeckung. Als ich darüber überrascht war, dass Sprachkursteilnehmer auch aus Brasilien, Japan, oder Singapur kamen, staunte auch Irina, eine Russin, wieso es dazu kam, dass ein Schwarzafrikaner wie ich Deutsch kennt. „Mein Heimatland Kamerun gehörte zum Deutschen Reich vor 1919“, sagte ich ihr, was für die neugierigen KommilitonInnen  der   C. 1. 2 Stufe eine überraschende Nachricht war. In der Tat waren wir 12 in unserer  Klasse und  10 Nationalitäten: Russland, Singapur, Kuba, Frankreich, Ägypten, Lybien, Saudi-Arabien, Australien, die Schweiz, Kamerun. Jeder sollte in einem Vortrag über eine Persönlichkeit seines Landes sprechen. Ich sprach also vom Sultan Njoya, König der Bamouns in Kamerun, der den schweren Wendeschock zwischen der deutschen Kolonialzeit und der französisch-britischen  erlebte, was meine KommilitonInnen sehr spannend fanden.

Berlin: Multikulti
Wenn Sie durch die Straßen von Berlin gehen, ist es sehr einfach, einen Fremden durch seinen Akzent zu erkennen. In Berlin wohnen Leuten aus vielfältiger Herkunft, wie Türken, Italiener, Spanier, Asiaten,  Russen,  Afrikaner…  Im Sommer gewinnt die Vielfältigkeit Berlins mehr Bedeutung. Die vielen Touristen aus benachbarten oder fernen Ländern sind leicht erkennbar durch ihren Fotoapparat oder den Stadtplan in Hand auf der Straße, in der U-Bahn  oder an den berühmten Stellen wie Brandenburger Tor oder Berliner Mauer-Denkstätte. Das Bild der Multikulti in Berlin erkennt man auch an den Namen einiger Straßen wie die Französische Straße oder die Afrikanische Straße.

Die grüne Stadt
Was mir dann in Berlin aufgefallen ist, sind die systematisch gepflanzten und gepflegten Bäume entlang der Straßen. Eine sehr grüne Straße in Berlin heißt Unter den Linden am berühmten Alexanderplatz.
Wegen der vielen Bäume, Naturparks und Obstgärten kann man den Schluss ziehen, dass Ökologie für die Berliner wichtig ist. Außer den Naturparks, wo die Leute in sauberer Luft spazieren gehen können, findet man auch Privatgärten, wo man sich zu Hause in aller Stille ausruhen kann. Von dieser Omnipräsenz der Natur her verstand ich auch die Präsenz einer Grünen Partei in dem Deutschen Parlament.

Typisch die Deutschen!
Die Präzision in Deutschland ist für uns Afrikaner etwas sehr Erstaunliches. Das kann man schon an der Mülltrennung sehen: Zu Hause wie auf den öffentlichen Plätzen wird der Müll immer so getrennt, dass verderbliche  Abfälle, Plastiktüten  oder Glasflaschen nicht  zusammen kommen dürfen. Bei Renate Giese, meiner Gastgeberin in Berlin musste ich diesen ersten „Deutschkurs“  lernen.
Bei den Verkehrsampeln hat die Präzision einen anderen Sinn. An der Kreuzung muss man immer warten, bis das grüne Licht den Fußgängern erlaubt, die Straße zu überqueren, auch wenn die Straße ganz leer ist. Eines Tages hatte ich es eilig und musste schnell zur nächsten U-Bahnstation laufen. Ich wartete an den Lampen neben einer alten Dame. Da  kein Auto in der Nähe war, entschied ich mich, die Straße zu überqueren. Ich war noch nicht auf der anderen Seite, als die alte Dame hinter mir schrie, als hätte ich sie beleidigt: „Es ist noch rot, junger Mann!“
Zu Hause erzählte ich es den Gastgebern und Martin reagierte sofort: „Die Dame hatte Recht. Wenn ein Kind neben dir gewesen wäre, welches Beispiel hätte er gesehen?“ Ich sagte zu mir leise: „Typisch die Deutschen!“

Und sogar bei der Familienverwandtschaft muss man in Deutschland sehr präzis sein. In Afrika ist die Verwandtschaft so flexibel, dass ein Vetter, ein Neffe und sogar ein Nachbar im Dorf „mein Bruder“ genannt  werden. In Bensheim, wo ich den zweiten Teil meines Aufenthalts bei der Familie Götz verbrachte, kam dies regelmäßig zur Sprache.
Als ich Désiré als „meinen Bruder“ vorstellte, fanden es Thomas und Uschi sehr amüsant und Thomas fragte: „Bruder im afrikanischen Sinne oder echter Bruder?“. In der Tat ist Désiré, der in Mannheim arbeitet ein ehemaliger Kommilitone der Universität und in meinem Dorf geboren.
Man sagt oft in Afrika, dass Europäer sehr egoistisch sind. Ich kam nicht ohne diese Vorstellung  nach Berlin.
Ich hatte mein Apartment an der Etage mit Küche und Badzimmer und die Gastgeber waren am Erdgeschoss. Aber manchmal wurde ich von Renate zum Essen eingeladen und den Familienfreunden vorgestellt.  Ich durfte auch bei ihnen Musik hören oder ihren Laptop  benutzen. Mein erstes Konzert besuchte ich in Berlin dank ihrer Einladung. Als ich mich über ihr „afrikanisches Benehmen“ wunderte, nannte sie mir dieses Zitat: "Die Nähe ist der größte Feind des Vorurteils" (Moritz von Engelhardt).

Vorurteile abbauen
In Bensheim fand ich das Zitat wirklich authentisch. Schon in dem Regionalzug von Frankfurt nach Bensheim saß ich neben drei Jungen, die pausenlos in einem lokalen Dialekt plauderten und sehr laut lachten. Einer war dick mit nacktem Kopf und sah unfreundlich aus. Aber, das war nur ein Schein. Denn als der Zug in Bensheim hielt und ich meinen schweren Koffer nach oben  tragen musste, fragte mich der dicke Junge: „Hilfe?“ Natürlich brauchte ich Hilfe und hatte nicht den Mut dazu, danach zu fragen. So half mir der Junge, meinen Koffer zu tragen, was ich nie vermutet hätte. Diese Offenheit kontrastierte mit der reservierten Haltung, die ich in Berliner Zügen bemerkte.
Uschi sagte mir: „In Großstädten sind Leute sehr reserviert, aber in Kleinstädten ist es oft das Gegenteil.“ In Bensheim konnte ich diese Offenheit wirklich ermessen: Ich fühlte mich zu Hause; die Nachbarn begrüßten mich. Ich nahm das Fahrrad und fuhr allein und ohne Angst  in die Stadtmitte oder in die kleine Stadt Lorsch. Ich sprach oft mit sympathischen Leuten in der Kirche, im Konzert, in Kneipen oder beim berühmten Winzerfest. Ich wurde vom Journalisten Bernd   nach Heppenheim eingeladen, wo ich die lokale  Zeitung „Starkenburger  Echo besichtigte. Ich besichtigte auch die berühmte Zahnarztfabrik in Bensheim dank der Einladung von Frank.  Im Liebfrauenschule-Gymnasium tauschte ich mich mit sehr sympathischen Schülern und Lehrern aus. Ausflüge nach  Frankfurt, Schwetzingen oder  Mannheim mit Thomas und Uschi fand ich wunderbar. All diese Veranstaltungen reichten aus,  mir ein anderes Bild Deutschlands zu verschaffen.

Die freie Bewegung
Nach vier Wochen in Deutschland fragte ich mich, wie die Polizei wirklich arbeitete. Doch sah ich ab und zu ein Polizeiauto, aber niemals eine Polizeikontrolle.
Am Bahnhof, als ich Fahrkarten für meine Reisen  kaufen sollte, zeigte ich meinen Pass, aber den brauchte die Dame nicht. Die Fahrkarten der Deutsche Bahn sind anonym.
Sogar auf meiner Reise mit dem Auto nach Belgien konnte ich kaum glauben, dass wir schon in einem anderen Land waren, als wir Lüttich erreichten. Nicht die leiseste Polizei trafen wir auf dem Weg bis Brüssel. Bei uns erkennt ein Reisender eine neue Stadt oder ein neues Land an einer Reihe von Polizeisperren.

In Deutschland muss man selbst lernen.
Meine ersten Stunden in Berlin werde ich nie vergessen. Die Reise Libreville-Paris- Berlin dauerte insgesamt neun Stunden. Vom Flughafen Berlin-Tegel nahm ich zuerst einen Bus, dann die U-Bahn. In der U-Bahn folgte ich sorgfältig meinem Reiseplan. Der Zug hielt, wo ich aussteigen sollte. Ich stand auf, rollte meinen schweren Koffer zur Tür und wartete, dass die Tür sich automatisch öffnet, wie ich es vor zehn Jahren in Italien sah. Aber die Tür öffnete sich nicht und wahrscheinlich war ich der einzige, der an dieser Seite aussteigen wollte. Es war klar, dass ich aussteigen wollte, aber keiner neben mir reagierte, um mir zu helfen. Dann fuhr der Zug weiter. Erst danach bemerkte ich, dass der Fahrgast selbst den Türgriff drücken muss, um die Tür zu öffnen.
Bei uns benutzt man selten den Stadtplan. Der Fremde wird am Flughafen abgeholt und für die ersten Tage begleitet. Aber in Deutschland muss man selbst lernen. Trotz dem Stadtplan war  mir die erste Woche sehr schwierig. Eines Abends nach dem ersten Sprachkurs verbrachte ich fast eine Stunde damit, das Haus wieder zu finden. Die Nummer des Hauses hatte ich vergessen und alle Häuser sahen ähnlich aus. Erst ab der zweiten Woche konnte ich mich wirklich frei orientieren. Aber ich sagte zu mir: Man lernt auch besser durch Schwierigkeiten.
Ich danke dem Goethe-Institut, der Deutschen Botschaft in Libreville, Herrn  Frahm und Frau Gestrich, die mir diese allererste  Gelegenheit geboten haben. Meine Dankbarkeit richtet sich auch an Martin und Renate Giese in Berlin, die Familie Götz, Walter Böhme in Bensheim und Vater Meinolf von Spee, damals in Belgien.
Evariste Fosong

Donnerstag, 17. Juni 2010

Viens voir (Gedicht)

Viens voir mon pays
Le pays qui a fait de moi ce que je suis
Je te le montrerai.
Si tu regardes son histoire,
Tu verras les châteaux sur les bords du Rhin
Tu comprendras la vie au Moyen Âge
Tu accepteras les gens du nord comme ceux du sud
Tu verras que nous venons de loin.
Viens voir mon pays,
Tu écouteras Bach et Beethoven et tu liras Schiller
Tu entendras la Lorelei dans sa chanson
Tu verras les enfants jouer au foot
Tu verras dans un ballet les filles danser.
Tu mangeras des saucisses, de la choucroute avec un bretzel
Tu seras avec nous,
Tu feras partie de la fête.
Tu iras voir nos vignobles,
Tu sentiras l’odeur de notre Schwarzwald
Tu viendras faire la fête avec moi.


Nadine Meichsner Liebfrauenschule Bensheim (Deutschland)

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die Welt zu Gast in Düsseldorf

Die Deutschen bzw. die Düsseldorfer sind netter und kontaktfreundlicher, als ich vorher gedacht habe. Wenn wir jemandem nach der richtigen Fahrtrichtung fragen, dann bekommen wir sofort die Antwort mit einem begleitenden Lächeln. Es tut mir allerdings leid, dass wir mit den Deutschen nur im Restaurant, in den Kaufhäusern oder bei der Auskunft zu tun hatten, sonst waren unsere Mitschüler, die auch Ausländer waren, unsere ständigen Gesprächspartner. Nach 4 Wochen habe ich bemerkt, dass die Deutschen bzw. die Düsseldorfer bei der Freundschaft den ersten Schritt nicht wagen. Sie bleiben lieber zurückhaltend. Aber wenn man zu ihnen geht, dann wird man mit einem freundlichen Lächeln empfangen. Mehrmals hatte ich Angst, zu den Deutschen zu gehen, aber allmählich habe ich angefangen, ihnen die afrikanische Höflichkeit in den Zügen, Bussen oder in den Aufzügen zu zeigen. Ich habe einige Frustrationen erlebt, bei denen ein Mitschüler den anderen bei der Begrüßung die Hand reicht und mich übersieht. Im Großen und Ganzen sind die Deutschen mit den Ausländern seit langer Zeit vertraut und leben ins Frieden mit ihnen. Das ist ein Zeichen der Demokratie.
Wir Deutschlehrer, Botschafter der deutschen Sprachen bzw. der deutschen Kultur, haben eine Menge Arbeit: unserem Volk an Stelle des früher rassistischen und kriegsüchtigen Deutschland das gegenwärtige Gesicht der modernen Bundesrepublik zu zeigen.

UNSERE SPRACHKURSE
Wir waren insgesamt neun Kursteilnehmer in meiner Klasse: Eine ideale Klasse angesichts der Klassenstärke. Die Sprachkursteilnehmer kamen aus aller Welt: Afrika, Asien, Südamerika und Europa. Das Unterrichtsklima war gut. Lebendiger Unterricht und ein methodisch abwechslungsreiches Kursprogramm haben uns Spaß am Unterricht gemacht. Ich war der einzige Afrikaner und musste häufig über Schwarzafrika im Allgemeinen und über Kamerun insbesondere erzählen. Das ist eine große Verantwortung, im Namen eines Volkes zu sprechen, da die meisten von ihnen nichts über Afrika wissen. Es macht aber Spaß, seine Kultur mittels der deutschen Sprache bekannt zu machen. Keiner der Kursteilnehmer wusste zum Beispiel, dass Kamerun von 1884 bis 1914 unter deutscher Kolonialverwaltung war!
Und dass die deutsche Sprache die erste Amtssprache in Kamerun war. Deshalb haben wir die deutsche Sprache in unserem Schulsystem. Sie waren total überrascht, dass Kamerun über 250 Dialekte verfügt.
Der einmonatige Sommerkurs war lehrreich. Von unserer Deutschlehrerin Frau Silke bekamen wir Ratschläge, zum Beispiel, wo und wann man billiger einkaufen kann oder wie man mit den Deutschen besser umgeht.
Die Klassenzimmer waren gut eingerichtet, aber zu klein. Hier ist die Sitzordnung anders. Die Schüler sitzen in kleinen Gruppen. Die Tatsache, dass ein Schüler irgendwann das Wort ergreifen kann, ohne seinen Finger hochzuheben wie bei uns, fand ich unhöflich.
Die Unterrichtszeiten für die Schüler in Intensiv 4 dehnten sich von halb zwei bis sechs aus. Wir durften zwei Pausen haben. Die Mediothek half uns bei der Vor- und Nachbereitung.
Ende gut alles gut. Wir haben uns verabschiedet, und jeder von uns hat diese unvergessliche Zeit in Gedächtnis. Mit der Hoffnung, dass man sich zweimal im Leben trifft.

ANREGUNGEN ?

Probleme gab es nur mit dem Kultur- und Freizeitprogramm: Es wurde von drei Jugendlichen geleitet, die ihr Praktikum oder den Zivildienst am Goethe-Institut leisteten.
Zwar hatte das Kultur- und Freizeitprogramm ein spannendes Angebot, aber es hatte manchmal wenige Teilnehmer wegen des schulischen Leistungsdrucks oder der unterschiedlichen Unterrichtszeiten.
Es fiel uns schwer, das Unterhaltungsprogramm mit den Sprachkursen in Einklang zu bringen. Da wir von Montag bis Freitag um 13 Uhr mit dem Deutschunterricht anfangen sollten, war dieses Programm begrenzt. Zudem waren die Hausaufgaben zu erledigen. Und als Deutschlehrer sollte ich mit dem Beispiel des fleißigen Schülers vorangehen. Im Großen und Ganzen hatten wir viel zu unternehmen, zu erleben und zu experimentieren besonders, was die Tatsachen über Deutschland betrifft. Aber es fehlte uns an Zeit. Es wäre besser, wenn das Goethe-Institut uns eine zusätzliche freie Woche geben würde, um die deutsche Kultur und Realität innerhalb eines geplanten Kulturprogramms besser zu kennen zu lernen. Leider mussten wir gleich nach dem einmonatigen Unterricht am nächsten Tag das deutsche Territorium verlassen.
Geduld, Weltoffenheit und Flexibilität: Motto der Reise nach Goethes Land.

Jean François Bapack, Deutschlehrer
Lycée Bilingue Ngaoundéré, Kamerun