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Samstag, 16. Dezember 2023

Deutsch als Fremdsprache und Hilaire Mbakop

 https://deutsch-lernen.zum.de/wiki/Hauptseite


Diese beiden Links verweisen auf Seiten, die die meisten Leser unseres Blogs nicht direkt angehen, denn sie sind für Anfänger beim Deutschlernen und für Lehrer, die Anfänger zu unterrichten haben, gedacht.

Bei der Gelegenheit möchte ich auf einen Kameruner Schriftsteller hinweisen, der jetzt in Deutschland deutsche Muttersprachler in das Verständnis der deutschen Sprache und der deutschen Literatur einführt: Hilaire Mbakop, über den wir in diesem Blog schon mehrfach berichtet haben. Er ist nämlich deutscher und französischer Schriftsteller, obwohl seine Muttersprache Medumba zu den Bamileke-Sprachen gehört. Es ist zu vermuten, dass auch die Mehrheit der Kameruner diese Sprachen nicht kennt. Selbst Mbakop kann in seiner Muttersprache, die auf eine altägyptische Sprache zurückgeht,  nicht schreiben, weil es zur Zeit, als er auf die Schule ging, noch keine Schrift für diese Sprache gab. Deshalb hat er, um viele Kameruner zu erreichen, auf Französisch und Deutsch schreiben müssen.

sieh auch: Deutsch für die Zukunft (Deutsche Sprache in Kamerun): "Wohl in keinem afrikanischen Land wird soviel Deutsch gesprochen wie in Kamerun: von etwa 300.000 Menschen. Deutsch ist angesagt in Kamerun – nicht nur wegen der Möglichkeiten, so einen besseren Job zu bekommen. [...]"

Montag, 11. April 2016

Deutschunterricht durch Ehrenamtliche

Wie viele neue Wörter kann man pro Tag verdauen? 

Berlin, Flüchtlingsnotunterkunft Rathaus Wilmersdorf, 10 Uhr vormittags. Vier Kinder sind schon da, die ehrenamtlichen Sprachhelfer Rita und Peter beginnen ihre Vormittagsklasse: Alle fassen sich an den Händen und krakeelen im Chor: »Gu-ten Mor-gen, sa-gen al-le Kin-der, gro-ße Kin-der, klei-ne Kin-der, di-cke Kin-der, dün-ne Kinder, al-le Kin-der sa-gen gu-ten Mor-gen.« Maza sagt erst mal noch nichts. Sie hat kurze dunkle Haare und ist fünf oder sechs Jahre alt. Nach ihrem Alter fragen kann man sie nicht, weil ihre Deutschkenntnisse dazu noch nicht ausreichen. Die einzige Frage, die sie beantwortet, ist: »Wie heißt du?« »Maza.«
Dann beginnt sie, die Wörter von der Tafel abzumalen, G U T E N M O R G E N, von rechts nach links, als seien es Buchstaben des arabischen Alphabets. Mazas Mitschüler, drei aufgeweckte syrische Jungs namens Ali, Fahim und Mohammed, sind schon ein bisschen weiter, obwohl auch sie bei ihrem Einzug ins ehemalige Rathaus Wilmersdorf vor drei Monaten nicht mehr als »Hallo« sagen konnten. Heute sollen sie die Namen von Speisen und Gerichten lernen. Fahim, vielleicht sieben oder acht, trommelt auf den Tisch, wenn die anderen langsam die Wörter zusammenstückeln. Ihm dauert das zu lange. Er hat einen kleinen roten Gummiball mitgebracht und trägt eine lange Narbe im Gesicht. Sein Kumpel Ali, mit breiter Zahnlücke im Unterkiefer, jubelt, wenn er etwas »gut« oder »prima« gemacht hat. Und die Kinder machen in den Augen von Rita und Peter viel »prima« und »gut«.
Rita ist eigentlich Schauspielerin, Peter Journalist, aber hier und jetzt sind beide Lotsen durchs Buchstabenmeer, durch Wirrungen von Lauten, Silben, Wörtern. Sie sprechen die Sätze vor: »Ich esse ein Ei«, »Ich trinke Tee«, »Und jetzt du: Ich esse ein Ei«.
Ein illustriertes Alphabet hängt an der Wand, von A wie Affe bis Z wie Zebra. Das Lerntempo wird gedrosselt, damit alle alles mitbekommen, aber nicht so sehr, dass sich Fahim langweilt und die allgemeine Aufmerksamkeit nachlässt. Wobei an diesem Mittwoch eher Ersteres zu erleben ist.
Sich zu erkundigen »Was isst du gerne?« übersteigt das Niveau der Anfänger; zu sagen »ein Stück« vom Kuchen, erzeugt fragende Augen, zu fragen »Was trinkst du zum Kuchen?« nur noch schweigendes Unverständnis. Fahim fängt an, mit seinem Gummiball zu spielen. Dann fragt er, ob es schon Zeit für »Auf Wiedersehen« sei. Noch nicht, bescheidet ihm Rita, noch einmal muss er sich hinsetzen, er soll noch ein paar neue Wörter lernen, noch ein paar bereits gelernte wiederholen. Jeden Tag stellt sich hier die Frage: Wie viele neue Wörter verarbeitet ein Kind wie Ali pro Tag? Wie hält man Fahims Aufmerksamkeit, damit er seinen Gummiball für eine Weile vergisst? Und wie schafft man einen Augenblick der Ruhe, damit Maza zu hören ist? Dann, wenn sie bereit ist zu sprechen. [...]

mehr dazu in das Goethe. Kulturmagazin des Goethe-Instituts: 
https://www.goethe.de/resources/files/pdf79/das_goethe_Ausgabe1_Ansicht_0903161.pdf

Samstag, 16. Januar 2010

Weihnachtslieder im Unterricht : eine tolle Initiative der Schüler

Ursprünglich ist Weihnachten das Fest zur Erinnerung der Geburt Christi. Aber mit der Zeit hat es mehr Bedeutungen bekommen. Weihnachten ist nicht nur eine religiöse Feier im engeren Sinne, sondern auch eine soziale. Warum nicht auch eine schulische?
Welches Weihnachtsbild haben mir denn meine Schüler in diesem Schuljahr gezeigt?

Weihnachten ganz anders zelebrieren!
Gewöhnheitsmäβig ist Weihnachten “die Reise nach Bethlehem“, um das geborene Baby “vor Ort” zu Gesicht zu bekommen. Aber mit Jugendlichen, hier sind auch Schüler gemeint, kann man Weihnachten ganz anders feiern. In dieser Hinsicht haben meine Schüler der “3ème” selbst beschlossen, dass wir im letzten Unterricht des 1. Trimesters Weihnachtslieder singen sollten. Auf dem Weihnachtsmenü stehen zwei Lieder; nämlich : “O Tannenbaum” und “Stille Nacht” .Sie sind ein einfaches und leckeres Menü, das schnell zubereitet werden kann. Die Lieder habe ich auβerdem aus dem Lehrwerk “Yao Lernt Deutsch”, Bände 1 und 2 entnommen. So habe ich die Schüler sie an die Tafel schreiben lassen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass dieser Unterricht am 23. Dezember stattfand, also ca. 48 Stunden vor Weihnachten. Ich habe dann diese Unterrichtsstunde wirklich mit Leidenschaft genossen, denn es war schön zu sehen, wie die Schüler stark durch Lieder angeregt wurden. Sie diskutierten untereinander, suchten nach dem geeignetesten Anfangston für die Lieder und bildeten sogar Gruppen. Die Binnendifferenzierung lieβ sich in diesem Zusammenhang kaum spüren. So versuchten die Schüler, die “heiseren” und die “sanften” Stimmen in Einklang zu bringen, damit die Lieder gut klangen. Moderne Musikinstrumente hatten wir dabei nicht. Bei dieser Gelegenheit benutzten die Schüler Hände, Bänke, Stäbe und Füβe als Begleitinstrumente, während sie begeistert sangen. Andere Aspekte des Sprachunterrichts haben sie selbst erschlossen. Wortschatz, Komposita wie: die Tanne + der Baum = der Tanne(n)baum, Verben wie grünen, schneien, schlafen; landeskundliche Informationen zu Jahreszeiten in ganz Europa haben sie schnell aufgenommen. Mir fiel besonders das Tempo auf, mit dem sie sich an den Unterricht angepasst hatten. Mit dem ”Ton” kann man bei den Schülern eine entspannte und erfolgreiche Lernautonomie schaffen.

Zum Schluss möchte ich noch mal betonen, dass Lieder Erfolg mit sich bringen. Das Wichtigste dabei besteht darin, dass sie schülerorientiert sind und dass sie den Schülern dazu helfen, sich in die Gesellschaft sowohl kulturell als auch beruflich zu integrieren. So setzen sie das Gelernte in die Praxis um.

Frohe Weihnachten und frohes erfolgreiches Jahr 2010 !


CHANTCHO TANKOUA William

Freitag, 16. Oktober 2009

Collège Jean Tabi: Eine PASCH-Schule in Kamerun

Wussten Sie das?

Geographische Lage der Schule und Schulsystem
Etoudi, so heißt das im östlichen Teil der Hauptstadt Jaunde gelegene Stadtviertel, in dem die gerade eingeweihte PASCH-Schule Kameruns liegt: das Collège Jean Tabi.
Diese Goethe-Institut-Schule des PASCH-Projekts ist eine Missionsschule, die 1956 von katholischen Gemeindemitgliedern im Stadtviertel Etoudi gegründet wurde, mit dem Ziel, mittellosen Kindern erzieherisch zu helfen. Ein paar Jahre später übernahm die Diözese die Mitverwaltung. Laut einer jährlichen Rangliste des Staatsprüfungsamtes zählt sie zu den drei besten staatlichen Schulen Kameruns.
Das Collège Jean Tabi hat 21 Klassenräume. In jedem Klassenraum werden durchschnittlich 68,47 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. In der ersten Orientierungsstufe (7. und 8. Klasse) haben die Schüler nur Französisch und Englisch als „offizielle Fremdsprachen“. Ab der 9. Klasse wählen die Schüler zwischen Deutsch und Spanisch als drittes fremdsprachliches Schulpflichtfach. Ab September 2009 wird Deutsch bereits in der 6ème-Klasse (7. Klasse) unterrichtet werden.
In der 10. Klasse findet das erste Sekundarschulexamen (das BEPC) statt, das der Mittleren Reifeprüfung entspricht. Danach müssen die Schüler, die ihren Schwerpunkt auf die naturwissenschaftlichen Fächer legen, Deutsch oder Spanisch abwählen, während die der philosophischen Fachrichtung diese Sprachen weiter lernen.

Die Oberstufe fängt sozusagen ab der 11. Klasse an, setzt sich mit dem Vorabitur in der 12. Klasse fort und mündet in die Abschlussklasse mit der ABITUR-Prüfung (BACCALAUREAT A, C, oder D). Vor dem Abitur müssen die Schüler noch die Vorabitur-Prüfung (PROBATOIRE A, C oder D) als Voraussetzung für die Versetzung in die Terminale-Klasse ablegen.

Siegerliste der Schule im In- und Ausland
Aufgrund der guten Abiturergebnisse des Jahres 2007 rückte das Collège Jean Tabi (CJT) an die erste Stelle, im letzten Schuljahr lag es an dritter Position. 2006 gewann das CJT den staatlichen Schülerwettbewerb für Philosophie. Das CJT ist eine der fünf Goethe-Institut-Schulen in Kamerun und hat bisher Kontakt zur zweiten G-I-Schule in Jaunde, dem Lycée de Biyem-Assi. Ziel ist es, ab dem Schuljahr 2009-2010 eine Mini-Deutsch-Olympiade auf lokaler Ebene auf die Beine zu stellen.

Das CJT pflegt außerdem eine gute Partnerschaft mit zwei weiteren Schulen, dem Lycée Chevreuil de Lyon in Frankreich, und der Ecole des Jolis prés Jonquière in Canada. Es gibt beständigen Austausch vielfältiger Art zwischen den Schülern des CJT und denen der beiden o.g. Schulen. Im Sommer dieses Schuljahres (Juli) besuchten einige Schüler des CJT das Lycée Chevreuil, um so den Schüleraustausch zu verstärken.
Das CJT bietet im Fremdsprachenraum neben Deutschstunden und Deutschclub-Tagungen auch Lehrerfortbildungen an.

Das Management-Team, das Lehrpersonal und die Lernenden in Zahlen
An der Spitze des CJT steht eine Rektorin, Soeur Cobi Angèle Bilo’o. Mit Hilfe eines stellvertretenden Rektors und mehrerer Mitarbeiter (Fachberater, Aufseher...) organisiert die Schulleitung so die Schulverwaltung.
Das CJT ist beinahe genauso wie Kamerun „Afrika im Kleinen“, pardon: „die Welt im Kleinen“. Im CJT sind viele Nationalitäten und alle Ethnien Kameruns anzutreffen. In der Tat sind hier genau 1438 Schüler, davon 786 Mädchen und 652 Jungen, aus der ganzen Welt eingeschrieben. Hier sprechen Koreaner mit Kamerunern, Kongolesen mit Ivorern, Senegalesen mit Komorenern ...
Es gibt 74 Lehrkräfte – 25 Lehrerinnen und 49 Lehrer, darunter drei DaF-Lehrer, die 18 Fächer unterrichten (Englisch, Französisch, Spanisch und/oder Deutsch, Latein, Geschichte, Geographie, Staatsbürgerkunde, Philosophie, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik, Sport, Religion, Leben- und Sexualkunde sowie Handarbeiten). Hinzu kommen noch 12 Aushilfskräfte für Putzen und Einkäufe.

Jean Léopold Leumassi, DaF-Lehrer
B.P. 12057 Jaunde-Kamerun
E-Mail: jleojung@gmail.com

Goethe-Institut Kamerun: Fortbildungssminar für Daf-LehrerInnen

Im April 2009 fand im Goethe-Institut Kamerun in Yaounde ein Seminar zur Deutschlehrerfortbildung unter Leitung von Birgit Oelschläger statt. Im Laufe des Seminars wurden folgende Schwerpunkte sowohl theoretisch als auch praktisch bearbeitet:

Wie bringe ich meine Schüler zum Sprechen? Mit welchen Mitteln erarbeite ich authentische Kommunikationssituationen, in denen Grammatik-Übungsformen beispielweise aus dem Lehrwerk „Ihr und Wir“ spielerisch im Unterricht dargestellt werden?
Wie kann ich als Lehrer Rollenspiele aus Dialogen vom Lehrbuch „Ihr und Wir“ bzw. Lese-Novelas wie in der Reihe von „Anna Berlin“ thematisieren? Wie bringe ich dann meine Schüler dazu, eigene Drehbücher, Dialoge und Texte anhand von Lese-Novelas für Deutschanfänger zu erarbeiten und zu inszenieren?
Die Seminarteilnehmerinnen sollten vor allem lernen, wie man Grammatik spielerisch bei großen Klassenstärken lehren kann und besonders, warum man überhaupt Theater im Kurs spielen soll bzw. darf. Die Schüler dürfen im Klassenzimmer die verschiedenen Texte des Lehrwerks inszenieren. Dies distanziert sich von der traditionellen Methode, die von Schülern verlangt, dass sie Texte nur lesen und verstehen.

Auch wurde im Seminar auf Schwierigkeiten eingegangen, auf die LehrerInnen stoßen können, wenn sie ihre Stunden spielerisch gestalten wollen.

(Aus dem Magazin Bibala)