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Samstag, 16. Dezember 2023
Deutsch als Fremdsprache und Hilaire Mbakop
Montag, 4. Dezember 2023
Seminar zur Präsentation des neuen Lehrwerks „Und jetzt WIR“
Geleitet wurde es von dem Nationalfachberater für Deutsch in Kamerun Cyrille Akoa Ambassa, begleitet von Serge Eke, unter der allgemeinen Koordination der Expertin für Unterricht am Goethe Institut Kamerun Kirsten Böttger. Besucht wurde es von zwanzig Deutschlehrern, die aus verschiedenen Städten der „Littoral Region“ kamen.
Das Ziel des Treffens war es, das aktualisierte Lehrwerk „Und jetzt WIR“ Band 1 aus dem Hueber Verlag zu präsentieren und sich aus objektiv kritischer Sicht darüber auszusprechen.
Nach den Begrüßungs-worten durch den Nationalfachberater Cyrille Akoa Ambassa an die verschiedenen Teilnehmer, ergriff Serge Eke das Wort, um das neue Lehrwerk im Großen und Ganzen zu präsentieren. Es besteht aus einem Kursbuch und einem Arbeitsbuch, beinhaltet 8 Kapitel. Jedes Kapitel im Kursbuch hat 8 Teile, nämlich Texte, Strukturen, Elemente, Erweiterung, Informationen, Grammatik, Lernwortschatz und Projekte.
Das Lehrwerk richtet sich besonders an Deutschlernende aus dem Sudsahara- Raum und wird unter Mitarbeit verschiedener afrikanischer und deutscher Autoren verfasst. Die afrikanischen Autoren kommen aus Senegal, Simbabwe, Côte d’Ivoire, Kenia, Burkina-Faso, Südafrika. Daraus resultiert die offene, mehrdimensionale und multikulturelle Tragweite des Lehrwerks. Das Kursbuch wird von einem Arbeitsbuch begleitet und bietet eine Vielfalt von Übungen zur autonomen Einzel- , Partner- oder Gruppenarbeit. Es kann also individuell bearbeitet und erfolgreich zur Binnendifferenzierung eingesetzt werden. Das Lehrwerk bietet nach jedem Kapitel auch die Möglichkeit zur Selbstevaluierung und ermöglicht durch die Bereitstellung von digitalisierten Übungen ein selbstständiges Arbeiten mit automatisierter Verbesserung. Innovativ und interessant ist an „Und jetzt WIR“, dass alle Seiten farbig gedruckt sind und mit aktuellen authentischen Bildern veranschaulicht werden.
Leider ist „Und Jetzt Wir“ nicht in Modulen konzipiert. Nach dem Grundprinzip der Präsentation von Lehrwerken im “Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ sollte ein modernes anerkanntes Lehrmaterial aus Modulen bestehen, die außerdem in Lektionen oder Kapitel unterteilt sind. Bei „Und jetzt WIR“ ist das nicht der Fall.
Das Treffen, das um 9 Uhr anfing, schloss um 17 Uhr. Unser Wunsch wäre, dass das Lehrwerk endlich anerkannt wird und nächstes Schuljahr auf dem Programm steht.
William CHANTCHO, DaF- Lehrkraft, Douala
Montag, 13. November 2023
Afrikanische Philosophie
Aus einem Interview mit dem senegalesischen Philosophen Souleymane Bachir Diagne* über die Ideen des Ubuntu und anderes, ZEIT 9.11.23
Zunächst räumt Diagne mit zwei in Europa üblichen Missverständnissen auf. Zunächst der Gedanke, das eigentliche Afrika sei nur das südlich der Sahara, dabei gehört die arabische Kultur ganz wesentlich zu Afrika. Und sie hat zwischen der griechischen Philosophie der Antike und der europäischen Aufklärung der Moderne die Verbindung hergestellt, etwa, wenn man an Muslim Averroes denkt, der als umfassender Denker der arabischen Schriftkultur eine Voraussetzung der Renaissance am Beginn der Neuzeit geliefert hat.
Das andere Missverständnis ist, dass afrikanische Philosophie primär mündlich gewesen sei. Dabei sind in Timbuktu "Hundertausendevon Handschriften, die alle Wissenschaften umfassen und bis auf das 12. Jahrhundert zurückgehen."*
Dabei ist durchaus richtig, dass manches, was afrikanische Philosophie ausmacht, schon in einzelnen Wörtern der gesprochenen Sprache zu fassen ist:
"Nehmen Sie das Wort Ubuntu. Heute kennt man es in aller Welt, weil es in dem Südafrika von Nelson Mandela und Desmond Tutu so wichtig war. Die beiden fanden, dass die Weisheit dieses Worts, das aus den Bantusprachen der Zulu und Xhosa kommt, sich eigne, um den politischen Weg zu beschreiben, der aus der Apartheid führt. Denn Ubuntu bedeutet: gemeinsam zu Menschen werden, einander wechselseitig menschlich machen. Mandela und Tutu verwendeten deshalb das Wort Ubuntu im ersten Entwurf der südafrikanischen Verfassung, und im Zeichen dieses Begriffs hat die Wahrheits- und Versöhnungskommission dann gearbeitet."
Dazu passt eine Redensart in der afrikanischen Sprache Wolof:
"Der Mensch ist ein Heilmittel für den Menschen. Nit nitay garbam. Darin steckt das Wort nit, für den einzelnen Menschen, als Kraft. Als in Afrika debattiert wurde, ob die universellen Menschenrechte in afrikanischem Denken wurzeln oder nur eine westliche Erfindung sind, hat der Gedanke dieser Redensart eine zentrale Rolle gespielt. Für die afrikanische Charta der Menschenrechte ist grundlegend, dass das Individuum erst zur unverwechselbaren Person wird, indem die Gemeinschaft ihm Rechte zuschreibt. Aber vielleicht ist es beim Blick auf die gegenwärtige politische Welt vor allem wichtig, die Idee des Ubuntu zu universalisieren: damit wir aus den kriegerischen Stammesideologien herausfinden und gemeinsam zu Menschen werden, einander wechselseitig menschlich machen. Das ist es, was die afrikanische Philosophie der Welt heute zu sagen hat. " (Diagne)
* Diagne (engl. Wikipedia)
* Zur gegenwärtigen Situation: "Etwa 4.200 Exemplare der berühmten Timbuktu-Manuskripte sind von den Rebellen gestohlen oder zerstört worden, jedoch konnten über 300.000 Handschriften in die Hauptstadt Bamako gebracht werden und entgingen so der Vernichtung. Derzeit werden sie digitalisiert und konservatorischen Maßnahmen unterzogen." (Wikipedia)
Donnerstag, 2. November 2023
Verständigung über Kulturgrenzen hinweg: Weiße und Indigene - Gilgamesch und Enkidu
Neue archäologische Methoden sind von einem indigenen Wissenschaftler eingeführt worden. Carlos Augustoda Silva.* "Der Archäologe unterrichtet seit Beginn des Jahrtausends an der Universität in der brasilianischen Regenwald-Metropole Manaus am Rio Negro.[...]
"Wir kommen aus Denkschulen, in denen viel auf die Zusammenhänge zwischen allen Lebewesen geschaut wurde."
Nach Abschluss des Studiums der Sozialwissenschaften hätte er eine Karriere in einigen der Bereiche seines Studiums anstreben können, doch als er 1998 den Archäologen Eduardo Góes Neves kennenlernte, einen ordentlichen Professor für brasilianische Archäologie und Mitglied des Museums für Archäologie und Ethnologie an der Universität von São Paulo (USP), bewirkte die Freundschaft und Partnerschaft zwischen den beiden eine Wende in Silvas beruflichem und akademischem Leben. Er begann, den Weg der Archäologie einzuschlagen.
Carlos Augusto da Silva [...] machte 2010 seinen Master in Umweltwissenschaften mit Schwerpunkt Archäologie, ebenfalls an der Ufam. Im Jahr 2013 trat er der Brasilianischen Archäologischen Gesellschaft bei.
In der Amazonas-Archäologie ist Silva einer der Pioniere bei der Bergung alter Graburnen. Er hat bereits mehr als 70 Urnen aus Hinterhöfen, Straßen und öffentlichen Anlagen in Manaus und im Landesinneren von Amazonas geborgen, von denen viele durch den Einfluss der Zeit, des Menschen und die Missachtung des archäologischen Erbes der Stadt durch die Behörden stark beschädigt wurden.
Montag, 25. September 2023
Zur Eröffnung des Geraudes Cultural Center
Bericht über die Zusammenkunft vom 9. September 2023 in Douala
Am Samstag, dem 9. September 2023, wurde am Geraudes Cultural Center, einem Sprachzentrum für die Förderung der deutschen Sprache und Kultur in Douala, ein Treffen veranstaltet. Das Ziel war es, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass das Zentrum eine renommierte Sprachschule für Deutsch werden kann.
Auf der Tagesordnung standen folgende Schwerpunkte:
*Begrüßungsworte der Leiterin Frau Ngoumoun Rose
*Präsentation des Projekts durch den Assistenten Herrn Ngoumoun Georges
*Vorträge der künftigen Sprachberater William Chantcho und Nadia Noukeu
*Reflexionen zu den wichtigsten Zielsetzungen des Sprachzentrums: die Unterrichtseinheiten per Stufe, die Ausbildungsdauer, die Lehrwerke für Lernende und Lehrkräfte.
Teilnehmer:
Frau Rose Ngoumoun (Leiterin)
Herr Georges Ngoumoun (Assistent)
Frau Nadia Noukeu (Fachberaterin)
Herr William Chantcho (Fachberater)
Nach den Begrüßungsworten der Leiterin wurde ein Gebet gesprochen, um sich bei Gott für seine Gnade zu bedanken. Dann präsentierte Herr Ngoumoun dies kulturelle Projekt und dessen Ziele. Danach erläuterten die Fachberater Herr William Chantcho und Frau Nadia Noukeu den Aufbau eines professionellen Sprachzentrums.
Ein professionell anerkanntes Sprachzentrum sollte nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen zu den folgenden Qualifikationsstufen hinführen: A1, A2, B1, B2, C1, C2. Für das Sprachzentum “Geraudes” wurde von den Sprachberatern empfohlen, sich zur Eröffnung auf die Stufen A1 bis C1 zu beschränken. Das Zentrum wird daher am 16. Oktober 2023 mit der Grundstufe A1 beginnen. Zunächst werden innerhalb von 8 Wochen 160 Unterrichtseinheiten angeboten. Dem Unterricht liegt das Lehrwerk “Menschen” des Hueber Verlags zugrunde. für das von den Lehrkräften ein aktualisierter Lehrplan nach dem kompetenzorientierten Muster erstellt wird.
Das Treffen schloss mit der Hoffnung auf einen erfolgreichen Projektstart. Das nächste Treffen findet am 23. September 2023 statt.
William CHANTCHO, Daf Lehrkraft Douala
Freitag, 8. September 2023
Die erste afrikanische Klimagipfelkonferenz deutet auf eine neue Rolle Afrikas hin
In Zeiten des Kalten Krieges war Afrika immer wieder Schauplatz von "Stellvertreterkriegen", bei denen die beiden Supermächte USA und Sowjetunion innerafrikanische Konflikte nutzten, um ihre Einflusssphären in Afrika auszudehnen beziehungsweise zu verteidigen. Die Folge war, dass Afrika nicht zur Ruhe kam und seine Chancen zur Entwicklung nicht nutzen konnte. So lautet eine beliebte Deutung der afrikanischen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. und zu Anfang des 21. Jahrhunderts.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Aufstieg Chinas, die Corona-Pandemie und die allgemeine Erkenntnis, dass der menschengemachte Klimawandel verheerende Folgen für die gesamte Menschheit haben wird, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird, eröffnen eine neue Sicht auf die Situation Afrikas.
Es gibt nicht mehr zwei Blöcke und die "Dritte Welt", deren Staaten nur die Wahl haben, sich einer Seite anzuschließen oder auf sich selbst zurückgeworfen die Folgen des Kolonialismus Stein für Stein beiseite zu räumen.
Der "Globale Süden" hat über die Kooperation der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) eine Möglichkeit gefunden, manche gemeinsame Interessen deutlich vernehmbar zu vertreten, auch wenn angesichts der vielen Unterschiede zwischen diesen Staaten noch nicht viele Gemeinsamkeiten bestehen. Aber auch ganz Afrika selbst spielt eine neue Rolle. Kein anderer Kontinent hat so viel Potenzial für Solar- und Windenergie, so viele Rohstoffe, die für die Transformation zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft gebraucht werden. Und angesichts der Konkurrenz zwischen den USA und ihrem Juniorpartner Europa einerseits und China andererseits, das Partner für eine zukünftige Führungsrolle sucht, sind plötzlich alle afrikanischen Staaten als Bundesgenossen gefragt.
Wenn beim ersten afrikanischen Klimagipfel Kenias Präsident William Ruto sagte: "Diejenigen, die den ganzen Müll verursacht haben, wollen jetzt die Rechnung nicht bezahlen", kann er darauf verweisen, dass über 90 Prozent von Kenias Strombedarf mit erneuerbaren Energien abgedeckt wird. Hier ist Kenia Vorreiter. Weder USA noch China, weder Europäische Union noch Russland können auf Vergleichbares verweisen. Das gilt auch im Bezug auf Afrika allgemein. Es ist der Kontinent mit 60 Prozent der weltweiten erneuerbaren Energieanlagen, darunter Solar- und Windenergie, Geothermie und Wasserkraft.
"Kein Land soll je wählen müssen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz" so lautet ein Satz in der vorgesehenen Abschlusserklärung für die Konferenz in Nairobi.
Mittwoch, 23. August 2023
Über die Folgen der Corona-Pandemie für Afrika
Ahunna Eziakonwa, die nigeriansche Regionaldirektorin für Afrika des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) berichtet:
Die unmittelbaren Folgen der Pandemie waren für Afrika weit geringer als befürchtet. Kein Gesundheitssystem ist zusammengebrochen und die Zahl der Opfer der Krankheit blieb dank der durchschnittlich weit jüngeren Bevölkerung deutlich niedriger als in Europa und den USA.
Verheerend sind aber die mittelbaren Folgen. Vor allem der Mangel an Geld. Denn international Unterstützungsprogramme wurden erheblich zusammengestrichen. Aber einen Vorteil hatte es: Den nationalen Eliten wurde erstmals klar, wie die Mehrheit ihrer Landsleute lebt. Die Reichen flogen zur Behandlung von Krankheiten einfach ins Ausland. Als das wegen der Grenzschließungen nicht mehr ging, wurde ihnen bewusst, wie schlecht die nationalen Gesundheitssysteme ausgestattet waren. Plötzlich flossen Investitionen in das Gesundheitswesen.
Freilich der allgemeine Mangel an Geld hatte auf anderen Gebieten verheerende Auswirkungen. Die Impfprogramme gegen andere Infektionskrankheiten, z.B. Polio, Masern, Hepatitis, Tuberkulose brachen zusammen, allein 2021 gerieten weitere 39 Millionen Menschen in extreme Armut, nicht zuletzt wegen des ausfallenden Tourismus. (sieh: die Auswirkungen für die Hotelmanagerin Junaice Mollel in unserem früheren Artikel)
Doch das führte dazu, dass soziale Sicherungssysteme ausgebaut oder in mehreren Fällen sogar erst aufgebaut wurden. In Togo gelang es, in kurzer Zeit, durch bargeldlose Zahlungen per Handy zu leisten.
Freilich mussten sich so während der Pandemie die Staaten weiter verschulden. Das ist deshalb so schwerwiegend, weil afrikanische Staaten auf dem gewerblichen Kreditmarkt fünfmal höhere Zinsen zahlen als der Rest der Welt.
Afrika wird bis 2025 rund 425 Milliarden Dollar zusätzliches Geld brauchen. Das ist freilich ziemlich genau der Betrag, den es in fünf Jahren durch illegale Finanzabflüsse verliert.
Um die Folgen dieser Entwicklung zu beseitigen, müsste Afrika sich auf lokale Produktion umstellen.
Zitat Ahunna Eziakonwa:
"Die Welt kann es sich nicht leisten, internationale Solidarität und Multilateralismus aufzugeben. Wenn die Pandemie uns eines gelehrt hat, dann das. Wir sind jetzt in einer Ära des aufgeklärten Eigeninteresses. Egal ob es um den Klimawandel, die Pandemie, die Weltwirtschaft oder die menschliche Sicherheit geht. Wenn also Deutschland als Vorsitzender der G7 die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ins Zentrum seiner Politik stellen würde, hätte es alle nötigen Antworten."
(Covid-19 war in Afrika ein Weckruf, ZEIT 21.2.22)
