Montag, 28. Juli 2025
Große Pläne 1769 und 2025
Dienstag, 22. Juli 2025
Tuvalu
"Tuvalu liegt im Südwesten des Pazifischen Ozeans, östlich von Papua-Neuguinea und nördlich von Neuseeland. Zu den umliegenden Inselstaaten gehören die Salomonen, Nauru, Kiribati, Tokelau, Samoa, Wallis und Futuna, Fidschi und Vanuatu. Mit einer Fläche von 25,66 km² ist Tuvalu nach der Vatikanstadt mit 0,44 km², Monaco mit 2,02 km² und Nauru mit 21,10 km² der viertkleinste Staat der Welt." (Wikipedia)
Laut Frankfurter Rundschau (22.7.2025) "ragt" die höchste Stelle des Landes 5 Meter aus dem Meer heraus. Nach wissenschaftlichen Vorhersagungen werden 2100 bei Flut 95 % des Landes unter Wasser stehen.
Schon länger versuchen Bewohner des Landes nach Neuseeland oder Australien auszuwandern. Bisher wurde das abschlägig beschieden. Doch inzwischen dürfen von den rund 10600 Bewohnern pro Jahr 280 Personen nach Australien auswandern. Die Plätze sollen unter den 5157 Bewerbern für ein Visum nach dem Zufallsprinzip vergeben werden.
"Tuvalu leidet unter Wirbelstürmen: Im Jahre 1997 wurden durch Wirbelstürme große Teile der Vegetation zunichtegemacht. In den Jahren 2014 und 2015 waren es 18 Zyklone.[10]" (Wikipedia)
Nach gegenwärtigen Berechnungen wird Tuvalu der erste Staat der Welt sein, der vollständig unter dem Meeresspiegel liegen wird. Andere werden folgen.
Anmerkung: Für Muttersprachler klingt die Aussage, dass eine Landerhebung von 5 m rage ungewöhnlich. Wegen der Wortbedeutung "sich durch eine vertikale Aufrichtung von der restlichen Umgebung abheben" spricht man üblicherweise bei Kirchtürmen oder hohen Kränen oder steilen Bergen von ragen. Wie ein Erhöhung die deutlich geringer ist als jedes normale Haus herausragen soll, ist deshalb schwer vorstellbar.
Mittwoch, 16. Juli 2025
Kampf für Frauenrechte
Ungenügende Aufklärung begünstigt verfrühte Schwangerschaften und damit auch heute noch Zwangsheiraten, bevor ein erster Bildungsabschluss erreicht worden ist.
Diese Erfahrung hat auch Loveness Mudzuru aus Simbabwe gemacht. Aber sie hat sich dem Schicksal nicht einfach ergeben, sondern hat sich Bundesgenossinnen gesucht und ist zur Menschenrechtsaktivistin geworden.
Der erste Schritt war eine Geldsammlung als Voraussetzung für eine Klage gegen Zwangsverheiratung von Minderjährigen vor dem Obersten Verfassungsgericht in Harare. Dadurch wurde sie in der Öffentlichkeit bekannt und ihre Aktion wurde durchaus auch kritisiert, doch "Durch die sozialen Medien bekamen wir viel Rückendeckung. Als dann der Verfassungsgerichtshof das Urteil verkündete, kam sogar die zuständige Ministerin. Und wir konnten mit ihr sprechen. Ich glaube, sie war glücklich, weil sie das Gerichtsurteil als Unterstützung empfand für ihren Kampf um Gleichberechtigung. Das Urteil besagte, dass es für unter 18-Jährige keine Zwangsehe mehr geben durfte."
Seitdem ist Loveness Mudzuru als Menschenrechtsaktivistin aktiv.
"[...] viele junge Menschen verlassen das Land. Sie gehen nach Katar, Dubai, nach Südafrika, Sambia oder Botswana. Junge Frauen werden mit falschen Hoffnungen angelockt. Sie werden von Agenturen, die sie engagieren, angelogen. Sie wollen als Kindermädchen arbeiten, aber sie werden als Sexarbeiterinnen missbraucht. Man nimmt ihnen ihre Dokumente ab, sodass sie nicht mehr in ihr Heimatland Simbabwe zurückkehren können.
Das ist ein großer Verlust für Simbabwe. Die Kinder sind die Zukunft unseres Landes. Wir brauchen eine gut ausgebildete Jugend in Simbabwe. Aber viele verlassen das Land ohne Ausbildung." (FR)
Mudzuru hat einen Buchklub gegründet, der Ausbildung ohne Schulgeldzahlungen ermöglicht und hat Land gekauft, um Eltern und ihren Kindern eine eigene Farm zu ermöglichen. "Sie sollen zum Beispiel Gemüse anbauen können, um mit diesem Geld die Schulausbildung zu bezahlen. Es geht aber auch darum, dass die Menschen genug zu essen bekommen. Oft müssen sie mit einer Mahlzeit am Tag leben, das ist zu wenig. [...] Wir benötigen Unterstützung in jeder Form. Dabei geht es nicht um Geld alleine. Es geht zum Beispiel auch um technische Hilfe. Die wichtigste Ressource aber ist die Information, die Information über die Lage der Menschen in Afrika. [...] Der Rückzug der USA aus den internationalen Hilfsprogrammen ist eine Katastrophe. Ich fürchte, dass dadurch der Kreislauf der Armut neu angekurbelt wird. Die Kinderhochzeiten in Simbabwe, die wir erfolgreich zurückgedrängt hatten, werden wieder zunehmen. Wenn das nicht rückgängig gemacht wird, wenn nichts geschieht, werden unsere Mühen umsonst gewesen sein." (FR)
"Viele junge Menschen verlassen das Land" Frankfurter Rundschau 15.7.2025
Dienstag, 1. Juli 2025
Frauen im Kampf für gefährdete Wildtiere
Auf der richtigen Fährte Frankfurter Rundschau 30.6.2025
Ranger, die gefährdete Wildtiere im Kampf gegen Wilderer schützen, sind meistens Männer:
„Wir versuchen ein 50-50-Verhältnis von Männern und Frauen anzustreben, aber es ist nicht einfach“, berichtet Paimolo Bwayala. Er ist Kommandeur einer Einheit, die auf die Überwachung der Nashornpopulation im North-Luangwa-Nationalpark spezialisiert ist und ein Kollege von Joyce Chiluba. Beide widmen sich voll und ganz dem Naturschutz. „Mit Joyce haben wir ein Vorbild für junge Frauen, sich uns anzuschließen“, sagt er.
Doch Frauen für die Arbeit als Ranger zu rekrutieren, noch dazu in einer Spezialeinheit wie der Hundestaffel oder der Schutzgruppe für Nashörner, sei dennoch schwer. Statistisch gesehen sind nur 13 Prozent aller Führungspositionen in Sambia von Frauen besetzt. Trotz verfassungsrechtlicher Vorgaben und einer auf die Gleichstellung der Geschlechter ausgerichteten Regierungspolitik liegen die sambischen Frauen in einer Vielzahl von Bereichen weiterhin hinter den Männern zurück, heißt es dazu in einem Bericht des Umfrageinstituts „Afrobarometer“.
Dieser kommt zu dem Schluss, dass sich 65 Prozent der Befragten wünschen, es würde mehr für die Rechte von Frauen getan werden. Gerade der Mangel an wirtschaftlichen Möglichkeiten fördere nämlich laut dem Bericht die Abhängigkeit von Partnern oder männlichen Familienmitgliedern. Traditionell werde von Frauen erwartet, dass sie Hausfrauen, Mütter und Ehefrauen seien. Der Umgang mit Waffen und die Jagd nach Kriminellen passen weniger zu den klassischen Rollenvorstellungen.
Doch genau diesen Alltag hat sich die Joyce Chiluba ausgesucht. Unter ihrer Leitung konnte die K9-Unit in den vergangenen drei Jahren mehr als 1000 Verhaftungen durchführen und mehr als 700 illegale Waffen beschlagnahmen."
Im Kampf für die Erhaltung der Biodiversität spielt der Schutz Bedrohter Arten eine wichtige Rolle. Bisher gibt es aber nur vereinzelt energische Programme für ihren Schutz.
Donnerstag, 12. Juni 2025
Zum Kulturvergleich Schweiz und Kamerun
Die Afroschweizerin Melara Mvogdobo wurde 1972 in Luzern geboren. Sie hat mehrere Jahre in Kamerun und in der Dominikanischen Republik gelebt. Während ihrer Jahre in der Schweiz hat sie als Lehrerin, Erwachsenenbildnerin und Trauma-Beraterin gearbeitet.
In ihrem Roman (Großmütter. Transit, Berlin 2025) berichtet sie über ihre - halb fiktiven - Großmütter:
Die Schweizer Großmutter wächst auf einem Bauernhof auf. Als sie am Ende ihres Lebens im Krankenhaus zurückdenkt, merkt sie, dass sie über ihre Tochter, die sie besuchen wird, im Grunde nicht viel weiß. "Wir sind nicht so eine Familie, in der man Gefühle offen zur Schau trägt. Auf jeden Fall nicht die Trauer und auch die Freude nicht. Den Zorn vielleicht. Zorn stand von jeher aber nur den Männern zu." (Zitat)
Die Kameruner Mutter hat sich nicht alles gefallen lassen, sondern sich gegen die übliche Polygamie gewehrt. Das war ein Stück Selbstbehauptung, doch ihr Ehemann war ihr deshalb ein Leben lang böse, denn er hatte den Eindruck, dass sie ihm etwas, was ihm zustand, weggenommen hatte.
Es wird gezeigt, wie sie jetzt ihren Mann auf seinen Wunsch hin ins Krankenhaus bringt. Nun wird sie ihn los sein, der sie ihr Leben lang gedemütigt und geschlagen hat. Aber obwohl er jetzt hilflos jammert und schreit, hat er noch die Kraft, seine Wut an ihr auszulassen. "Genug ist genug", denkt sie. "Ich glühe innerlich vor Zorn. Während vor all diesen Leuten im Wartesaal des Arztes ein weiteres Stück meiner Würde sich ins Nichts auflöst." (Zitat)
So unterschiedlich die Verhältnisse sind, so ähnlich ist die Unterdrückung, der die Frauen ausgesetzt sind. Das wird nicht ausführlich erläutert, sondern nur durch schwarze Schrift für die Schweizerin und rote für die Großmutter in Kamerun angezeigt.
Die Enkelin erinnert sich, wie stolz die erwachsenen Frauen um sie herum waren, als das Frauenwahlrecht 1946 in Kamerun eingeführt wurde. „Wir waren die ersten in ganz Afrika. Sogar die Frauen der ,Blancs‘, erklärten uns unsere Lehrer, dürfen in vielen Ländern bis heute noch nicht wählen.“ (In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht erst 1971 eingeführt, im Kanton Kanton Appenzell Innerrhoden sogar erst 1990. Weil nur die Männer wahlberechtigt waren und den Frauen kein Wahlrecht geben wollten, musste es per Gerichtsbeschluss gegen die Männer durchgesetzt werden. Das geschah erst im November 1990. Also erst nach der deutschen Wiedervereinigung, die am 3.10.1990 rechtskräftig wurde.)
Die Kamerunerin erinnert sich, dass ihre Mutter sich nicht über das Wahlrecht freute:
„Sie wusste es besser. Worte sind nichts als Worte. Auch wenn sie auf einem wichtigen Blatt Papier stehen. Sie haben keinerlei Bedeutung. Nicht für uns.“
Dazu eine Rezension des Romans aus der Frankfurter Rundschau, 9.6.2025:
"Es ist schon erstaunlich, von diesen beiden Lebensläufen in Kamerun und in der Schweiz so eng nebeneinander geführt zu erfahren. So unterschiedlich die Kulturen sind, so vergleichbar ist die herabwürdigende Art, wie mit Frauen umgegangen wird. Tragischerweise sind es in beiden Lebensgeschichten eben nicht nur Männer, sondern auch Frauen, die mit anderen Frauen in den Unterdrückungsmustern beider Gesellschaftssysteme verhaftet und nur selten zu liebevollen Gesten gegenüber einer anderen Frau fähig sind. Es gibt dagegen in beiden Lebensberichten auch schöne Momente. Erstaunlich ist, wie beide Frauen in sich einen unzerstörten Kern in ihren Herzen bewahrt haben und Kraft daraus schöpfen."
Dienstag, 6. Mai 2025
Weshalb gilt Immanuel Kant bei vielen als der wichtigste deutsche Philosoph?
Da der folgende Text relativ schwierig ist, sind einige Links zur Wikipedia angegeben. Und da die meisten Leser dieses Blogs, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, in einem Land wohnen, wo Französisch Amtssprache ist, führen diese Links zur französischen Wikipedia. Im Anschluss an den Text werden aber auch Links zur deutschen Wikipedia angeführt, weil manche Stichworte nicht in der französischen Wikipedia zu finden sind.*
Kant gilt bei vielen als der bedeutendste deutsche Philosoph und der wichtigste Vertreter der Aufklärung. Zwar hat er nie längere Reisen gemacht und ist immer in Königsberg (das heute Kaliningrad heißt und in Russland liegt) und seiner näheren Umgebung geblieben; aber er hat grundsätzlich geklärt, was wir Menschen wissen können und was nicht.
Seine Grunderkenntnis ist: Das, was Menschen über die Welt erfahren und verstehen können, ist von unserer menschlichen Weise, sie wahrzunehmen und darüber nachzudenken, festgelegt und geprägt. Damit hat er etwas Grundsätzliches erkannt, was bis heute nicht umgestoßen worden ist. Und es ist dadurch erhärtet worden, dass wir heute wissen, dass andere Tiere (als das Säugetier Mensch) die Welt ganz anders erfahren und begreifen als wir. Auch sie nehmen Welt wahr und deuten sie, um in ihr erfolgreich zu sein Auch sie kommunizieren miteinander mit strukturierten Signalen, die im wesentlichen so funktionieren wie die menschlichen Sprachen; aber weil sie andere Probleme haben als wir, nehmen sie die Welt anders wahr (zum Beispiel wie die Biene mit Facettenaugen) und reagieren auf die Wahrnehmungen so, wie sie es für ihre Ziele brauchen.
Freilich hat Kant nicht vorausgesehen, wie stark unser Denken in Mathematik dazu führen würde, dass wir Dinge für real halten würden, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Zum Beispiel, dass die Schwerkraft den Raum krümmen kann und dass Raum und Zeit so eng zusammengehören, dass Physiker mit einer einheitlichen Dimension Raumzeit rechnen. Dazu gehört auch, dass nicht alles, was geschieht, eine Ursache haben muss. Im menschlichen Leben suchen wir ja immer nach den Ursachen von Unfällen und Katastrophen und versuchen, sie zu verhindern, indem wir diese Ursachen vorausschauend beseitigen. Das hat dazu geführt, dass wir vorher Undenkbares entwickeln konnten, wie z.B. das Fliegen in der Luft und die Bewegung durch den luftleeren Raum. Aber die Quantenmechanik hat dazu geführt, dass wir annehmen müssen, dass es im Bereich der kleinsten Teilchen, dem Mikrokosmos, keine Ursachen gibt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten.
Außerdem hat Kant nicht vorausgesehen, wie unser Denken auch außerhalb des mathematisch Erfassbaren durch Sprache beeinflusst ist und wie wichtig Sprachkritik werden würde.
Doch dadurch, dass er aufgezeigt hat, dass menschliche Erkenntnisse auch ohne Erfahrungen über die Wirklichkeit möglich sind, hat er wesentlich dazu beigetragen, Widersprüche zwischen naturwissenschaftlichem und sprachlichem Denken zu vermeiden.
Den Anstoß zu diesem Artikel hat der Blog Weltwissen.online mit seinem Beitrag Kant für Einsteiger gegeben, der eine sehr gute Einführung in die Philosophie Kants bietet. Sie ist aber nicht einfach. Wer mehr über Kant erfahren will, kann sich aber auch in dem Artikel der französischen Wikipedia informieren und auf die dort angegebene Literatur zurückgreifen.
*Dass sogar zwei geographisch und kulturell so eng verbundene Länder zum Thema Philosophie sich so stark unterscheiden, ist ein gutes Beispiel dafür, dass noch viel dafür getan werden muss, um die internationale Kommunikation und die Verständigung über Kulturgrenzen hinweg zu fördern. Insofern gehört dieser Artikel in ein internationales Kulturaustauschmagazin, wie es die "Nachbarschaft" sein will.