Jeder Hinterbliebene kümmert sich nur noch um seine eigenen Gäste, die Trauerfeier des Dorfs findet nicht mehr statt.
Aus den Totenfeiern der Grasland-Kultur ist eine bloße Inszenierung eines Events geworden. Man reist zu einer Beerdigung, tanzt Mbolé, Bikutsi, Makossa usw. , ohne überhaupt den Trauerhof zu kennen.
Die Freunde des Verstorbenen werden mit dem Leichnam ihres Freundes im Hof alleingelassen; Jeder Sohn ist damit beschäftigt, seine eigene Feier vorzubereiten. Die Hinterbliebenen wissen nicht einmal, ob im Hof des Verstorbenen, wo sich der Leichnam befindet, die Kerzen noch brennen, ob die Nachbarn ebenfalls eine Feier begehen.
Das Event Trauerfeier wird bei den Bewohnern des Kameruner Graslands so sehr geschätzt, dass man sich fragt, ob ein Sterbefall nur noch ein willkommener Anlass ist, die Feier für allerlei Ausschweifungen zu nutzen Der Trauerhof ist leer, Unkraut wächst an den Eingängen, der Sarg wurde beschädigt, der Leichenwagen wurde wegen Geldmangels frühzeitig weggeschickt: alles, um das Geld für die Getränke beim Event aufzusparen.
Wie soll man verstehen, dass jemand gestorben ist, dass Söhne, Enkel mit Freunden kommen, um ihren Onkel, ihre Tante usw.zu ehren, aber abreisen, ohne zu wissen, wo die Trauerfeier überhaupt stattfand? Wie soll man verstehen, dass jeder erst um 10 Uhr ankommt : “Ndop” über der Schulter, mit wiegendem Gang und im frisch gebügelten Zweireiher! Dabei beachten sie nicht, dass sie dabei beobachtet werden. Denn es wäre ja längst Zeit, Stühle aufzustellen und das religiöse, traditionelle Protokoll vorzubereiten. Bei den Bewohnern des Graslandes ist jeder Sinn für die Würde der Verstorbenen verlorengegangen. In diesem völligen Chaos schweigen die Hüter der Tradition. Sie nehmen diese Entweihung der Trauer einfach hin! IHRE MAJESTÄT, die Könige, unsere Würdenträger, geehrte Notable und Weise, euer Volk verliert seine Orientierung, und ihr seid die Hauptschuldigen an dieser Katastrophe, die sich nun bei jedem Todesfall wiederholt!
EIN TODESFALL BEDEUTET HEUTE:
Das Rind kaufen, es ausstellen, damit das Dorf sieht, dass es sich um eine große Trauerfeier handelt; den Verstorbenen irgendwo im Hof ablegen und den Leichenwagen wegschicken. Die Aktion läuft ab: jeder Sohn lässt den Körper seines Vaters, seiner Mutter, seines Großvaters bei seinen Freunden zurück, weil eine Gruppe aus Yaoundé eingetroffen ist und er mit der das große Ereignis begehen muss. Der Tod hat seine Würde verloren, denn wie sonst kann man die Trauerhäuser der Hinterbliebenen mit Besuchern überfluten und den Körper des Toten allein zurücklassen?
Die Inszenierung des Events entheiligt das Heilige und zerstört die Werte vor den Augen der Hüter der Tradition, der Intellektuellen und sogar des Dorfbewohners, der es wagt, Vorwürfe zu machen und deshalb sogar als rückständig gilt. Das lassen wir einfach so geschehen.
William CHANTCHO, Douala -KAMERUN
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