"Angefangen hat das Projekt als Idee in den Köpfen von Oliver Mwenifumbo, Lawrence Mwamlima und Archibald Mwakasungula. Sie hatten sich vorgenommen, Karonga, ihrer Heimatstadt, 45 Kilometer von der Tansanischen und 110 Kilometer von der Sambischen Grenze entfernt, wieder neue Bedeutung zu verschaffen. Denn die Peripherie des kleinen Südostafrikanischen Staates war nach dem Beginn der Missionierung um 1890 in Vergessenheit geraten." (Cultural and Museum Centre Karonga)Mehr über das Zentrum
Samstag, 18. April 2015
Cultural and Museum Centre Karonga (CMCK), Malawi - ein Beispiel für internationale kulturelle Zusammenarbeit
Friedemann Schrenk hat bei Karonga wertvolle "missing links" zur Geschichte des Menschen gefunden. So unterstützte er die Idee aus der dortigen Bevölkerung, ein Kulturelles Zentrum einzurichten, das Cultural and Museum Centre Karonga.
Mittwoch, 1. April 2015
Rettung der Manuskripte aus Timbuktu in bisher 6 Episoden
Anhand des einschlägigen Wikipediaartkels kurz etwas zur Vorgeschichte:
Das IHERI-AB (Institut des hautes études et de recherches islamiques Ahmed Baba) ist ein islamisches Forschungszentrum und eine Bibliothek in der Republik Mali mit Sitz in der Oasenstadt Timbuktu. Am 28. Januar 2013 als französische Truppen den Flughafen von Timbuktu eroberten, legten die flüchtenden islamistischen Rebellen ein Feuer in der Bibliothek.[2] Mit der Digitalisierung der Handschriften, unterstützt durch die UNESCO, wurde erst einige Tage zuvor begonnen. Wie viele Dokumente in den drei Wochen bereits gescannt worden waren ist unbekannt, genauso wie der Zustand der Manuskripte die durch den Brand beschädigt wurden. Anderen Zeitungsberichten zufolge hat die Mehrzahl der Manuskripte in privaten Bibliotheken überlebt. Die Bibliothek des Ahmed-Baba-Zentrums war rechtzeitig weitgehend evakuiert und in Privathaushalten versteckt worden.[3]
Jetzt - noch kürzer - zur gegenwärtigen Situation:
"In einer geheimen und improvisierten Rettungsaktion wurden tausende Manuskripte in Kleiderkisten in die Hauptstadt Bamako überführt. Mitarbeiter des "Centre for the Study of Manuscript Cultures" der Universität Hamburg versuchen nun die Handschriften zu untersuchen und zu konservieren." (L.I.S.A.)
Darüber, wie es seitdem weitergegangen ist, informiert das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung in bisher sechs Episoden:
Rettung der Manuskripte aus Timbuktu
Das IHERI-AB (Institut des hautes études et de recherches islamiques Ahmed Baba) ist ein islamisches Forschungszentrum und eine Bibliothek in der Republik Mali mit Sitz in der Oasenstadt Timbuktu. Am 28. Januar 2013 als französische Truppen den Flughafen von Timbuktu eroberten, legten die flüchtenden islamistischen Rebellen ein Feuer in der Bibliothek.[2] Mit der Digitalisierung der Handschriften, unterstützt durch die UNESCO, wurde erst einige Tage zuvor begonnen. Wie viele Dokumente in den drei Wochen bereits gescannt worden waren ist unbekannt, genauso wie der Zustand der Manuskripte die durch den Brand beschädigt wurden. Anderen Zeitungsberichten zufolge hat die Mehrzahl der Manuskripte in privaten Bibliotheken überlebt. Die Bibliothek des Ahmed-Baba-Zentrums war rechtzeitig weitgehend evakuiert und in Privathaushalten versteckt worden.[3]
Jetzt - noch kürzer - zur gegenwärtigen Situation:
"In einer geheimen und improvisierten Rettungsaktion wurden tausende Manuskripte in Kleiderkisten in die Hauptstadt Bamako überführt. Mitarbeiter des "Centre for the Study of Manuscript Cultures" der Universität Hamburg versuchen nun die Handschriften zu untersuchen und zu konservieren." (L.I.S.A.)
Darüber, wie es seitdem weitergegangen ist, informiert das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung in bisher sechs Episoden:
Rettung der Manuskripte aus Timbuktu
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Freitag, 27. März 2015
Theodor Michael und seine Verbindung mit Kamerun
Theodor Michael, Beamter des BND, des deutschen Geheimdienstes, und Bruder von James Michael, einem Ritter der französischen Ehrenlegion, schreibt darüber, dass seine Verbindung zu Kamerun sein ganzes Leben bestimmt hat.
Sein Buch heißt: "Deutsch sein und schwarz dazu: Erinnerungen eines Afro-Deutschen".
Denn sein Vater (Theophilus Wonja Michael *1879 in Limbe) kam aus dem deutschen Schutzgebiet Kamerun nach Berlin, er war deutscher Staatsbürger und war doch wegen seiner Hautfarbe großer Diskriminierung ausgesetzt. (Übrigens war er verwandt mit King Bell und Rudolf Duala Manga Bell, der 1914 wegen seines Einsatzes für sein Volk, die Duala, in Douala hingerichtet wurde, vgl. den vorigen Artikel.)
Theodor Wonja Michael wurde wie sein Vater diskriminiert. Seine erste "Berufsrolle" fand er als Zweijähriger, als er zusammen mit seinen Geschwistern in einer der damals beliebten Völkerschauen auftrat.
Dazu, wie er trotzdem zum Beamten der Bundesrepublik wurde, verrate ich hier nicht mehr, denn ich will ja zur Lektüre des Buches anregen.
Aber über die hier eingesetzten Links und den im Anhang erfährt man auch schon einiges darüber, wieso er sich einerseits als Deutscher fühlt und andererseits wie Senghor für sich die Négritude seinerseits als Deutscher die Respektierung seiner Afrikanität erwartet. Mehr dazu im Buch.
Schwarz sein und deutsch dazu, ZEIT 23.4.1998
Sein Buch heißt: "Deutsch sein und schwarz dazu: Erinnerungen eines Afro-Deutschen".
Denn sein Vater (Theophilus Wonja Michael *1879 in Limbe) kam aus dem deutschen Schutzgebiet Kamerun nach Berlin, er war deutscher Staatsbürger und war doch wegen seiner Hautfarbe großer Diskriminierung ausgesetzt. (Übrigens war er verwandt mit King Bell und Rudolf Duala Manga Bell, der 1914 wegen seines Einsatzes für sein Volk, die Duala, in Douala hingerichtet wurde, vgl. den vorigen Artikel.)
Theodor Wonja Michael wurde wie sein Vater diskriminiert. Seine erste "Berufsrolle" fand er als Zweijähriger, als er zusammen mit seinen Geschwistern in einer der damals beliebten Völkerschauen auftrat.
Dazu, wie er trotzdem zum Beamten der Bundesrepublik wurde, verrate ich hier nicht mehr, denn ich will ja zur Lektüre des Buches anregen.
Aber über die hier eingesetzten Links und den im Anhang erfährt man auch schon einiges darüber, wieso er sich einerseits als Deutscher fühlt und andererseits wie Senghor für sich die Négritude seinerseits als Deutscher die Respektierung seiner Afrikanität erwartet. Mehr dazu im Buch.
Schwarz sein und deutsch dazu, ZEIT 23.4.1998
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Samstag, 14. März 2015
Rudolf Duala Manga Bell - König und Märtyrer
Ein Beitrag zur Kolonialgeschichte Kameruns
Rudolf Duala Manga Bell, König der Duálá in Kamerun lebte von 1873 bis 1914. Er war Anführer des Widerstandes gegen die Vertreibung der Duálá aus ihren angestammten Wohnplätzen.
Er war der älteste Sohn von König Manga Ndumb'a und Enkel von King Bell, der den „Schutzvertrag“ mit Deutschland unterzeichnet hatte. Er besuchte dort die deutsche Regierungsschule, bevor er 1891 für fünf Jahre als Pflegekind nach Aalen kam. 1897 ging er zurück nach Kamerun, um dort Emily Engome Dayas zu heiraten. 1902 reiste er nach Berlin und traf dort den Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, Oscar Wilhelm Stübel. Von ihm erhielt er Einblicke in die Struktur der deutschen Kolonialverwaltung.
1905 verfasste er gemeinsam mit König Akwa von Bonambela und 26 weiteren kamerunischen Volksoberhäuptern einen offenen Brief an den deutschen Reichstag. In diesem beschwerte man sich u.a. über rechtsbeugende Handlungen durch den Gouverneur Jesko von Puttkamer, wie z.B. Enteignungen, das Niederreißen von Häusern ohne Genehmigung, Zwangsarbeit ohne Lohn, willkürliche Verhaftungen und übermäßige Strafen, sowie entwürdigende Behandlung von kamerunischen Volksoberhäuptern. Darin hieß es:
„Den Herrn Gouverneur von Puttkamer, dessen Richtern, Bezirksamtmänner, kurz seine ganze Regierungsbesatzung wollen wir nicht mehr hier haben. Sämtliche jetzigen Gouvernementsbeamten des Schutzegebietes Kamerun bitten wir forträumen zu wollen, denn ihre Regierung führen sie nicht gut, sie sind nicht gerechtfertigt, ihre Art und Weise exploitieren das Land. Als Ersatz-Gouverneur bitten wir allerunterthänigst, uns Consulat anstatt Assessorismus senden zu wollen, Assessorismus wollen wir nie wieder haben, diese verderben die Regierung und machen die redliche, gute deutsche Macht zu einer wucherischen und gäunerischen Macht! Also fort mit Assessorismus, zum Ersatze: Consulat! (...) Wir sind deutsch und bleiben deutsch bis an das Ende der Welt.Ihr Ruf wurde zwar in Deutschland mit Erstaunen und ungläubiger Anerkennung aufgefasst, jedoch eher belächelt als erhört. Ein Gouverneurswechsel fand erst 1907 statt, als Theodor Seitz seinen Dienst in Buea aufnahm. Als Seitz nach Deutsch-Südwestafrika ging, wurde er durch den erheblich rassistischeren, alldeutsch geprägten Otto Gleim ersetzt.
Mit allerunterthänigstem Gruß an Seine Majestät Kaiser Wilhelm von Deutschland und Kamerun“
Unter Gleim wurden Pläne entwickelt, die Duálá von ihrem Wohngebiet am Kamerunfluss ohne entsprechende Entschädigung zu vertreiben, ihre Häuser zugunsten von Faktoreien niederzubrennen und in Douala schwarze und weiße Wohnviertel zu trennen.
Dagegen setzte sich Manga Bell zur Wehr. Er richtete Petitionen an Gouvernement und an den Reichstag, nahm Kontakt zur deutschen Opposition und christlichen Missionen auf und schaltete schließlich sogar einen Berliner Anwalt in dem Fall ein. Die deutsche Presse berichtete dagegen von einem „Hilfsgesuch“ an Frankreich und Großbritannien, das bis heute jedoch nicht belegt ist.
1914 wurde König Manga Bell, der bis zuletzt Deutschland und dem Kaiser treu geblieben und friedlich gegen konkrete Missstände vorgegangen war, wegen „Hochverrates“ zum „Tode durch den Strang“ verurteilt. Er wurde mit seinem Sekretär Ngoso Din am 9. August 1914 in Douala hingerichtet.
Seine letzten Worte waren: „Unschuldiges Blut hängt ihr auf. Umsonst tötet ihr mich. Aber die Folge davon wird die größte sein.“ Sein Volk wurde vom Kamerunfluss vertrieben.
Rudolf Manga Bell wurde zu einer Art Märtyrer und Volksheld. Im Ersten Weltkrieg unterstützten die Duálá die Entente.
Der Text beruht auf dem Wikipediaartikel Rudolf Manga Bell. Er ist aber für die Zwecke dieses Artikels gekürzt und auch sonst geringfügig verändert worden. Walter Böhme
"Manga Bell hat seit Beginn seines Widerstands gegen die Kolonialregierung niemals etwas anderes getan als auf der Einhaltung der Verträge und Gesetze zu bestehen. Er war in Deutschland zur Schule gegangen, hatte Jahre dort verbracht, konnte fließend Deutsch und berief sich in seinen Eingaben stets auf deutsches Recht. "Verträge sind einzuhalten" war sein Mantra. In einer seiner Eingaben erklärte Manga Bell, die Duala gingen davon aus, dass die deutsche Regierung "die Anerkennung der persönlichen Freiheit und der Gleichheit aller Menschen herbeiführe und dann die völlige Emanzipation durch den Staat erfolge: aus Untertanen werden Staatsbürger"."Aus Untertanen werden Staatsbürger" Interview mit Christian Bommarius, Frankfurter Rundschau, 14.4.2015, S.34
Als Manga Bell das schrieb, saß Heinrich Mann an seinem Roman "Der Untertan". Manga Bell gehört zur deutschen Freiheitsgeschichte." [Hervorhebung: WB]
Literatur:
Christian Bommarius: Der gute Deutsche - die Ermordung Manga Bells in Kamerun 1914, Berenberg Verlag Frühjahr 2015
Leseprobe (pdf)
Zur Situation nach dem Zweiten Weltkrieg sieh:
Wolfgang Kaleck: Vor wenig mehr als 50 Jahren… ZEIT online, 27.3.15
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Rudolf Duala Manga Bell
Dienstag, 25. November 2014
Patrice Nganang: Zeit der Pflaumen
«Ich betrachte die Welt, wie sie ist, und ich besinge sie.» Das sagt der Kameruner Dichter Louis-Marie Pouka – den es wirklich gegeben hat – zu seinem Freund, dem Politiker Ruben Um Nyobé – den es ebenfalls gegeben hat. Der Dichter und der Politiker sind die Pfeiler des monumentalen historischen Romans «Zeit der Pflaumen»; es ist dies der zweite Band von Patrice Nganangs auf eine Trilogie angelegter Geschichte Kameruns. Im ersten Band ( «Der Schatten des Sultans»,Peter-Hammer-Verlag, 2012) ging es um Sultan Njoya und dessen Beziehungen zum deutschen und dann zum französischen Kolonialherrn. Nun präsentiert uns Patrice Nganang seine Heimat Kamerun während des Zweiten Weltkrieges.
Die Henne, die ihre Eier frisst
Man hat sich gerade mit den Franzosen arrangiert: Kamerun ist keine Kolonie mehr, sondern Völkerbundsmandat. In der Westkameruner Stadt Edea lässt es sich recht angenehm leben. Die Frauen betreiben einen gut bestückten Markt und eine Bierkneipe mit freundlichen Bardamen, die auch schon einmal junge Männer in die Liebe einweihen. Ausgerechnet an diesem Ort organisiert Pouka einen Dichterzirkel. Er hat es sich in den Kopf gesetzt, seine Landsleute mit Metaphern und Versfüssen vertraut zu machen, und findet auch ein halbes Dutzend Interessenten. Dass die Deutschen in Paris einmarschiert sind, ist bekannt, und es wird mit Schadenfreude darüber diskutiert. Da taucht plötzlich ein gewisser Leclerc auf, der den Auftrag hat, eine Truppe zur Befreiung Frankreichs zusammenzustellen. General de Gaulle muss den Briten beweisen, dass er über eine Armee verfügt, und Kamerun, der «Knotenpunkt des französischen Reiches in Zentralafrika» wird flugs wieder zur Kolonie erklärt, seine Bevölkerung zur Loyalität und zum Kampf gegen die Deutschen aufgerufen. Dazu erscheint de Gaulle höchstpersönlich, hält eine flammende Rede und nimmt schwitzend die Ergebenheitssprüche der einheimischen Fürsten entgegen. Kamerun wird fortan auf der Seite des «Freien Frankreich» stehen.
Die angehenden Dichter werden nun zu Infanteristen, der Einfachheit halber «Senegalschützen» genannt, und der Roman verfolgt ihr Schicksal. Da ist Hebga, der Baumfäller, dessen Mutter unter mysteriösen Umständen im Wald ums Leben kam und der mit der Axt in der Hand ihren Mörder sucht. Da ist der fünfzehnjährige Bilong, der sich in die Bardame Nguet verliebt hat. Da sind Philotée, der Stotterer, und Aloga, der Sänger. Sie ziehen durch ganz Kamerun bis in die Libysche Wüste, barfuss und nur mit Macheten bewaffnet. Andere schliessen sich ihnen an: Sie werden die Helden sein, die in der Schlacht von Kufra im März 1941 die Italiener und ihre Askaris besiegen.
Die angehenden Dichter werden nun zu Infanteristen, der Einfachheit halber «Senegalschützen» genannt, und der Roman verfolgt ihr Schicksal. Da ist Hebga, der Baumfäller, dessen Mutter unter mysteriösen Umständen im Wald ums Leben kam und der mit der Axt in der Hand ihren Mörder sucht. Da ist der fünfzehnjährige Bilong, der sich in die Bardame Nguet verliebt hat. Da sind Philotée, der Stotterer, und Aloga, der Sänger. Sie ziehen durch ganz Kamerun bis in die Libysche Wüste, barfuss und nur mit Macheten bewaffnet. Andere schliessen sich ihnen an: Sie werden die Helden sein, die in der Schlacht von Kufra im März 1941 die Italiener und ihre Askaris besiegen.
Pouka schreibt ein Preisgedicht über die Gefallenen, in klassischen französischen Alexandrinern, das im Rundfunk rezitiert wird. Er diskutiert mit Um Nyobé über Politik und Gerechtigkeit, bereits ahnend, dass sein Freund im Unabhängigkeitskampf ermordet werden wird, von Frankreich, «einer Henne, die ihre eigenen Eier frisst». Wenn Frankreich Krieg führt, um universelle Werte zu verteidigen, warum gelten diese Werte dann nicht in Afrika?
Patrice Nganang, 1970 in Yaoundé geboren, ist Dichter und Schriftsteller, aber auch Literaturwissenschafter und Historiker. Als er in Yaoundé Geschichte studierte, brachte sein Professor eines Tages eine aktuelle Weltkarte mit in die Vorlesung, auf der der afrikanische Kontinent fehlte. Eine ideologische Weltkarte sei das, erklärte Professor Kum'a Ndumbe den verblüfften Studenten. So wie sein Professor, der später in Berlin lehrte, ging auch Patrice Nganang nach Deutschland mit dem Ziel, Afrika sichtbar zu machen. In Frankfurt am Main promovierte er mit einer Arbeit über den nigerianischen Nobelpreisträger Wole Soyinka und Bertolt Brecht. Heute lehrt er an der Stony Brook University in New York Literatur- und Kulturwissenschaften. Er schreibt unermüdlich Essays, Blogs und Romane, reist durch die Welt und erzählt von seinem Kamerun, den Intellektuellen dort, den Dichtern und Schriftstellern, die Yaoundé zu einer literarischen Hauptstadt machten.
«Zeit der Pflaumen» ist eine Hommage an all diejenigen, die auf der «ideologischen Weltkarte» nicht vorkommen, die ihren Platz in den Bibliotheken und Archiven noch erkämpfen müssen. Deshalb sind Poesie und poetische Sprache in diesem Roman nicht nur Ausdrucksform, sondern auch Thema: Durch sie kann man sich verständigen in Kontexten der Vielsprachigkeit wie der Sprachlosigkeit. Nganang spielt auf dem Instrument der Sprache: bald lakonisch brutal, wie in der Szene, in der Ngo Bikai von Kameruner Soldaten vergewaltigt wird, bald spielerisch-ironisch, wenn er schildert, wie Poukas ungebetene Gäste sich nach und nach sein Handtuch, seine Kleidung und schliesslich noch seinen Ausweis unter den Nagel reissen. Einem Franzosen legt der Autor die Sprache der linken Drittweltaktivisten in den Mund, dann wieder spricht er als Ich-Erzähler über die Kämpfer in der Wüste: «Ein grosses Loch im Herzen des Kontinents, in Sand gehüllt, der die Chronik ihrer Taten wegwischen würde, wenn ich nicht wäre, der Erzähler ihres Ruhms, der Schreiber ihrer Geschichte, der Poet ihrer Glückseligkeit.»
Poetische Sprache
Die poetische Sprache mit gelegentlichen Anklängen an Kameruner Ausdrucksweisen ist nicht leicht zu übersetzen. Gelegentlich bleibt der deutsche Text zu eng an der französischen Syntax und wirkt dadurch etwas holprig. Kleine Fehler («humeur» heisst nicht «Humor», sondern «schlechte Laune») fallen dagegen kaum ins Gewicht.
Und die Pflaumen? Der Titel könnte eine Anspielung auf die «Zeit der Kirschen» sein, das Lied der Pariser Kommune von 1870/71. Oder doch nur eine schlichte Zeitangabe, nämlich der Monat August, in dem die afrikanische Pflaume, die Safu, geerntet wird. Im August 1940 begann der Zweite Weltkrieg für die Kameruner. Zu den Siegesfeiern in Paris im August 1944 waren keine afrikanischen Soldaten eingeladen. Die Kälte dort sei für sie nicht zumutbar, soll de Gaulle gesagt haben.
Patrice Nganang: Zeit der Pflaumen. Aus dem Französischen von Gudrun und Otto Honke. Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 2014. 443 S., Fr. 37.90.
Die Rezension ist am 25.11.14 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.
Almut Seiler-Dietrich
Montag, 27. Oktober 2014
INTERVIEW MIT HERRN JAN HESKAMP PROJEKTMANAGER IN LIMBE - KAMERUN
Jan Heskamp: Ich bin Bauingenieur und seit 15 Jahren beruflich tätig. Davon bin
ich die meiste Zeit im Ausland, hauptsächlich in verschiedenen
Ländern Afrikas gewesen. Für das Consultingbüro INROS LACKNER aus
Bremen arbeite ich seit ca. vier Jahren. Seit Ende August 2013 bin ich
in Limbe, Kamerun als Projektleiter tätig.
William Chantcho und Jan Heskamp
Nachbarschaft:
An welchem Bauvorhaben sind Sie eigentlich tätig ?
Jan Heskamp: In einem Team von drei Ingenieuren führe ich die Bauaufsicht für
die Errichtung einer neuen Kaimauer auf der Schiffswerft von Limbe.
Die Bauarbeiten wurden bereits Anfang 2013 begonnen und werden von
der niederländischen Baufirma BAM International durchgeführt. Im
November dieses Jahres ist die Übergabe des Bauwerkes an den
Auftraggeber Chantier Naval et Industriel du Cameroun (CNIC)
vorgesehen. Die Kaimauer ist etwa 350 m lang und fast 17 m hoch. Sie
wurde in der sogenannten Betonblockbauweise erstellt, d. h. sie
besteht aus knapp 1.400 Betonblöcken, die in 10 Reihen übereinander
platziert wurden. Die Errichtung der neuen Werft für CNIC begann
bereits 2005 mit dem Bau eines 700 m langen Wellenbrechers und
berücksichtigt noch weitere Bauwerke wie z. B. ein neues
Verwaltungsgebäude für den Auftraggeber, eine Werkshalle für
Reparaturarbeiten und weitere Gebäude.
Erstellung von Betonblöcken
Nachbarschaft:
Inwiefern ist dies Vorhaben für Kamerun wichtig ?
Jan Heskamp: Die neue Schiffswerft ist in erster Linie für die Wartung und
Reparatur von Ölplattformen vorgesehen, die im Golf von Guinea Öl
fördern. Die Kapazität der alten Werft von CNIC in Douala erlaubte
diese Arbeiten nur im beschränkten Maße für kleinere Ölplattformen. Die neue Werftanlage in Limbe ist für Kamerun einzigartig, denn
durch sie kann Kamerun neue Tätigkeitsfelder im boomenden Ölgeschäft
entlang der westafrikanischen Küste erschließen, seine Teilnahme
und seinen Gewinn daran intensivieren und seine Konkurrenzfähigkeit
gegenüber den Werftanlagen im benachbarten Nigeria erhöhen.
Kaimauerbau
Nachbarschaft:
Im Auftrag welches Unternehmens arbeiten Sie ?
Jan Heskamp: INROS LACKNER ist ein alteingesessenes Planungs- und Beratungsbüro
mit etwa 400 Mitarbeitern aus Norddeutschland. Es ist 2004 im
Wesentlichen hervorgegangen aus dem Zusammenschluss der beiden
Ingenieurbüros Lackner und Partner in Bremen sowie INROS aus
Rostock. Lackner & Partner wurde 1971 Nachfolger des 1936
gegründeten Ingenieurbüros Agatz und Bock in Berlin, das bereits
1945 nach Bremen übersiedelte. Seit seiner Gründung ist das
Ingenieurunternehmen auf den Hafenbau spezialisiert.
Nachbarschaft
:
Wissen Sie, weshalb Ihr Unternehmen diesen Auftrag bekommen hat ?
Jan Heskamp: INROS LACKNER ist seit mehr als 50 Jahren in Westafrika tätig und
war dabei an der Entstehung und Entwicklung mehrerer Häfen
beteiligt. Der Hafen von Lomé in Togo beispielsweise ist einer der
wenigen Tiefseehäfen Afrikas, der maßgeblich von INROS LACKNER
geplant wurde. Die langjährigen ingenieurtechnischen, regionalen und
kulturellen Erfahrungen waren im Wesentlichen ausschlaggebend für
den Auftrag.
Nachbarschaft:
Was sind Ihre Aufgaben als Projektmanager ?
Jan Heskamp: In einem Team von drei Ingenieuren, einem Expatriat und zwei lokalen
Mitarbeitern, leite ich die Bauaufsicht. Diese beinhaltet die
Kontrolle sämtlicher Bauarbeiten: Von der Gewinnung erforderlicher
Baumaterialien im nahegelegenen Steinbruch von Batoke bis zur
Herstellung und der Verlegung der Betonblöcke auf einem mit
Spezialbeton errichteten Unterwasserfundament. Wöchentlich finden
Ortstreffen mit der Baufirma und dem Auftraggeber statt, um den
Baufortschritt zu besprechen sowie technische und vertragsrechtliche
Angelegenheiten zu erörtern. Neben der Kontrolle der Ausführung der
Bauarbeiten ist die Bauaufsicht für die Prüfung und Zertifizierung
der monatlichen Abrechnungen der Baufirma verantwortlich.
Unterwasserbetonage
Nachbarschaft
:
Was sind bisher die größten Schwierigkeiten, denen Sie sich bei
dem Projekt gegenüber sahen ?
Jan Heskamp: Gewisse technische und vertragsrechtliche Probleme gibt es auf
jeder komplexen Baustelle, die zu bewältigen sind. Technische
Schwierigkeiten wurden von der Baufirma bisher recht gut gemeistert,
obwohl es dadurch zum Verzug kam. Problematisch können auch
unverhältnismäßige Verspätungen der Banken bzw. des Auftraggebers
in den Zahlungen an die Baufirma oder an das bauaufsichtführende
Ingenieurbüro sein, was zu Arbeitsunterbrechungen führen kann.
Nachbarschaft:
Sind Sie mit dem Projektfortschritt zufrieden ?
Jan Heskamp: Die Fertigstellung der Kaimauer war ursprünglich Ende Mai 2014
vorgesehen. Da es sich um eine ziemlich komplexe Baustelle handelt,
habe ich mit bestimmten Bauverzügen gerechnet. Ein schwerwiegender
Fehler der Baufirma war es, den Schwimmkran für das Verlegen der
Betonblöcke vorzeitig abzuziehen, weil er auf einer anderen
Baustelle in Sierra Leone benötigt wurde. Der Ersatzkran war zum
Zeitpunkt seines vorgesehenen Einsatzes in Limbe nicht
betriebsbereit, und so kam es zu einem unnötigen weiteren Bauverzug
von 6 Wochen.
Gegen Abschluss der Errichtung der Kaimauer
Nachbarschaft:
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und
der Bevölkerung?
Jan Heskamp: Insgesamt gesehen war die Zusammenarbeit in Ordnung, abgesehen von
einigen kleinen Unstimmigkeiten: Im Oktober 2013 gab es einen etwa
eine Woche andauernden Streik der lokalen Bauarbeiter, die mit ihrer
Bezahlung unzufrieden waren. Im Juni 2014 blockierte die Bevölkerung
von Batoke für einen Tag den Zugang zum Steinbruch, da sie der
Meinung war, von dem Projekt zu wenig zu profitieren. Der
Auftraggeber CNIC reagierte jedoch umgehend durch Verhandlungen mit
Vertretern Batokes.
Außerdem
waren einige kamerunische Ministerien (Ministerium für Bergbau,
Ministerium für Finanzen, Ministerium für Umwelt, etc.) regelmäßig
zur Besichtigung des Baufortschritts vor Ort. Auch Vertreter der
Projektfinanzierungsinstitute wie die afrikanische Entwicklungsbank
kamen zu Besuch.
Nachbarschaft: Mit
welchen afrikanischen Unternehmen haben Sie zusammengearbeitet?
Jan Heskamp: Im
Allgemeinen führt INROS LACKNER Bauprojekte im Ausland zusammen mit
einem lokalen Ingenieurunternehmen durch. Dies ist nicht nur von
INROS LACKNER selbst so initiiert, sondern häufig auch vom
Auftraggeber und von den Baufinanzierern so vorgeschrieben, um einen
für die Projektarbeit erforderlichen Wissens- und
Erfahrungsaustausch zwischen den Ingenieurbüropartnern aus
Entwicklungsland und Erste-Welt-Land herzustellen. Meine lokalen
Mitarbeiter gehören dem lokalen Ingenieurbüro CADEK aus Douala an.
CADEK war bereits INROS LACKNER’s kamerunischer Partner während
der Ausführungsarbeiten des Wellenbrechers in Limbe.
Nachbarschaft: Waren Sie direkt in Limbé ansässig?
Jan Heskamp: Auf
dem Gelände von Limbe Shipyard haben wir ein Baustellenbüro.
Nachbarschaft: Wie
viele Mitarbeiter waren insgesamt bei dem Bauvorhaben beschäftigt?
Jan Heskamp: Zu
Hochzeiten während der Betonblockherstellung waren für die
holländische Baufirma rund 330 Mitarbeiter tätig, davon 300 lokale
Angestellte und ca. 30 Expatriates. Daneben gab es noch weiteres
indirektes Personal, z. B. von Zulieferfirmen für Baumaterialien
(Zement. etc.) und anderen.
Nachbarschaft: Können
Sie etwas über Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sagen?
Jan Heskamp: Die
Arbeitsvergütung für die lokalen Mitarbeiter der Baufirma basiert
auf dem 2-Säulen-Prinzip. Die Bezahlung erfolgte nach den üblichen
Gehältern der hiesigen Baubranche inklusive Zuschlägen (z. B.
transport & risk allowances, etc.). Die zweite Säule
berücksichtigt Prämienzahlungen abhängig von der Performance jedes
Mitarbeiters.
Nachbarschaft:
Zur Einheitsfeier an dem Seemannsheim: Wie haben Sie die Zeremonie
gefunden und wie war Ihre Begegnung mit dem deutschen Botschafter ?
Jan Heskamp: Ich glaube, dass die deutsche Botschaft in Kamerun die einzige in
der Welt ist, die zwei Einheitsfeiern an zwei verschiedenen Orten des
Landes (Jaunde und Douala) veranstaltet, damit möglichst viele
Deutsche die Wiedervereinigung feiern können. Das ist wirklich eine
besondere Geste. Da mir die Einheitsfeier 2013 bereits sehr gut im
Seemannsheim gefallen hat, habe ich mich gefreut, in diesem Jahr neue
und alte Gesichter wiederzusehen.
Nachbarschaft:
Was für Projekte haben Sie in der Zukunft nach dem Abschluss des
Bauvorhabens ?
Jan Heskamp: Mein nächstes Projekt ist Urlaub. Zum Ende eines Projektes gibt es
immer viel zu tun und daher waren wir sieben Tage die Woche in der
letzten Zeit auf der Baustelle. Nach meinem Urlaub ist der nächste
Einsatz wieder im Ausland vorgesehen, voraussichtlich in Angola.
Die
Fragen stellten William CHANTCHO und Walter BÖHME
Samstag, 11. Oktober 2014
Feier zur 25. Wiederkehr der deutschen Einheit in Douala (KAMERUN)
Am
6. Oktober 2014 organisierte die deutsche Botschaft von Kamerun unter
der Leitung des deutschen Botschafters Dr.
Klaus Ludwig
KEFERSTEIN an der deutschen Seemannsmission von Douala Feierlichkeiten zum Gedenken an die deutsche Wiedervereinigung.
Zu
den Gästen zȁhlten unter anderem der Gouverneur der Küstenregion
Joseph
Beti Assomo,
der Oberbürgermeister Fritz
Ntonè
Ntonè und
weitere Persȍnlichkeiten
aus der kamerunischen Gesellschaft. Außerdem waren Deutsche, die in
der Stadt Douala und ihrer Umgebung leben, eingeladen.
Die Zeremonie gliederte sich in drei Hauptpunkte :
Die Zeremonie gliederte sich in drei Hauptpunkte :
-
Empfang von Gästen durch den Botschafter und seine Frau.
-
Rede des Botschafters.
-
Erȍffnung des Büffets.
Die
Feierlichkeiten begannen um 18:30 Uhr mit dem Empfang
des Gouverneurs und seines Gefolges.
Dann
schloss sich die Rede
des Botschafters
an. Er erinnerte an den Berliner Mauerfall vor 25 Jahren, der zur
Wiedervereinigung der beiden ehemaligen deutschen Staaten führte.
Darauf betonte er den Auftrag der neuen Bundesregierung von Angela
Merkel,
die Europäische Union und Frieden, Freiheit und Wohlstand in ganz
Europa zu konsolidieren. Zu den deutsch-kamerunischen Beziehungen
führte er an, dass sich die deutsche Botschaft wegen der
Instabilität im Norden von Kamerun dafür einsetzt, die Hilfe zum
Wehrdienst zugunsten Kameruns zu erhȍhen, denn „ohne Frieden und
Stabilitȁt gibt es keine Entwicklung“. Im Rahmen der
Entwicklungshilfe hat Deutschland eine Summe von knapp 94,5
Millionen Euros für Kamerun bereitgestellt.
Danach
wurde das Büffet erȍffnet. Die Gäste aßen und tranken zu der
sanften Musik des berühmten kamerunischen Sängers Eko Roosevelt.
Vier
Tage vorher hatten der Botschafter und seine Frau Ulrike
eine ähnliche Zeremonie im Hotel Hilton von Jaunde organisiert. Die
Gȁste waren diesmal Minister, Diplomaten, Persönlichkeiten aus
der Politik, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.
William
CHANTCHO, Douala - KAMERUN
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