"[...] Bei vielen Menschen ist ein Minderwertigkeitskomplex entstanden, und den geben sie an ihre Kinder weiter. Sie werten alles bei ihnen zu Hause ab und bewundern alles, was von außen kommt. So kann es nicht weitergehen. Nur wenn jemand seine Heimat liebt, lässt er nicht zu, dass sie ausgebeutet wird. [...]
In vielen afrikanischen Ländern ist die Landwirtschaft wichtig. Nur investieren sie wenig darin. Man könnte sehr viele Jugendliche motivieren, in der Landwirtschaft aktiv zu werden, aber jeder denkt, er müsse im Büro arbeiten. Vernünftige Bildung kann ein Umdenken bewirken. [...]
Sie, die deutsche, die europäische Politik müssen einsehen, dass die multinationalen Konzerne die afrikanischen Länder nicht mehr ausbeuten dürfen. Aber das wird man nicht machen, weil das im Westen wehtun würde. Man fordert: Afrika soll sich entwickeln, aber gleichzeitig will man die Ressourcen abgreifen. Das funktioniert nicht. Ein wesentliches Hindernis ist, dass es in Afrika an effizientem Marketing fehlt und an Investmentkapital für verarbeitende Betriebe. [...]"
(in: Afrika muss endlich seine Macht nutzen! Veye Wirngo Tatah im Interview mit der Zeitschrift Chrismon, Oktober 2019)
Mittwoch, 2. Oktober 2019
Donnerstag, 16. Mai 2019
Der reichste Mensch der Welt - wer und wann?
Es war einmal ein Mann, der soll der reichste Mensch gewesen sein, den die Welt jemals gesehen hat. Wenn du ihn dir vorstellst, was siehst du? Einen jung gebliebenen Start-up-Gründer, lässig in Jeans und Sneaker? Einen Industriebaron oder Aristokraten aus dem 19. Jahrhundert? [...]
Die wenigsten würden wohl den Namen Musa I. raten, den Mansa von Mali. Wie groß das Vermögen des westafrikanischen Herrschers aus dem 14. Jahrhundert genau war, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Aber vieles spricht dafür, dass Musas Reichtum bis heute nicht übertroffen wurde.
Mit
großer Sicherheit kann man sagen, dass Musa I. eine
der bedeutendsten
Persönlichkeiten seiner Zeit und der Menschheitsgeschichte gewesen
sein muss. Sein
Reich war 3-mal so groß wie Frankreich, die von
ihm gegründeten Universitäten und
Gotteshäuser sind teilweise bis heute in Benutzung und die von ihm
geförderten islamischen Gelehrten haben die Religion nachhaltig
geprägt. Trotzdem sucht man Musas Namen auch in deutschen
Geschichtsbüchern heute vergeblich. Warum?
[...] »Geschichte wird von den
Siegern geschrieben«, so der britische Offizier und Premierminister
Winston Churchill. Unser heutiges Geschichtsverständnis wurde
gezielt entwickelt, um Kolonialismus und Sklavenhandel zu
rechtfertigen. Afrikas Geschichte wurde reduziert, verfälscht und
angeeignet, um die Dominanz Europas über Afrika zu ermöglichen.
So war Musa I. seinen europäischen Zeitgenossen durchaus ein
Begriff. Er wird etwa auf dem Katalanischen Weltatlas, einem
Meisterwerk der mittelalterlichen Kartographie, das ca. im Jahr 1375
für den französischen König
Karl V. hergestellt wurde, prominent dargestellt und beschrieben.
[...]
Afrika
vor der Kolonialisierung ab dem 17. Jahrhundert als einen
»unzivilisierten« Kontinent zu beschreiben und die Europäer als
Heilsbringer, das passiert auch heute noch in Deutschland. Von
Experten, die es eigentlich besser wissen sollten.
[...]
Schlimmer
noch: Dank Jahrhunderten kolonialer
Indoktrinierung und an europäischen Vorbildern orientierten
Bildungssystemen ist auch vielen Afrikanern ihre eigene Geschichte
kaum bewusst. [...]
Mehr
als 90% des materiellen kulturellen Erbes Subsahara-Afrikas ist heute
im Besitz von Museen und Sammlungen außerhalb des Kontinents.
Rituelle Masken, Schmuck, Alltagsgegenstände: Hunderttausende
Objekte wurden während Eroberung und Kolonialzeit außer Landes
geschafft. [...]
»Was wir brauchen, sind neue
historische Quellen, die nicht durch koloniale Interpretationen
belastet sind. Und afrikanische Historiker, um mit ihnen zu
arbeiten«, schlägt Daouda Keïta, Direktor des malischen
Nationalmuseums, vor.
Die Erforschung der präkolonialen Geschichte Afrikas geht nur
schleppend voran. Afrikanischen Regierungen fehlt das Geld für die
Finanzierung von Grabungen und Museen. Die ehemaligen Kolonialmächte
wiederum fördern oft lieber die Pflege ihrer eigenen Geschichte auf
dem Kontinent. [...]Peter Dörrie: Alles, was dir über die Geschichte diesesKontinents erzählt wird, ist falsch, 16.5.2019
Mehr über Musas Reichtum:
"Mansa Musa, the king of Timbuktu, is often referred to as the wealthiest person in history. According to Ferrum College history professor Richard Smith, Musa’s west African kingdom was likely the largest producer of gold in the world—at a time which gold was in especially high demand. Just how rich was Musa?
There’s really no way to put an accurate number on his wealth. Records are scarce, if non-existent, and contemporary sources describe the king’s riches in terms that are impossible for the time. Some tales of his famous pilgrimage to Mecca—during which Musa’s spending was so lavish that it caused a currency crisis in Egypt—mention dozens of camels each carrying hundreds of pounds of gold."
(The 10 richest people of all times)
Dienstag, 9. April 2019
Phiona Mutesi
Unser Magazin Nachbarschaft hat 2012 von ihr berichtet.
Inzwischen ist ihre Karriere weitergegangen.
Nachzulesen im deutschen Wikipediaartikel wie im französischen.
Sie ist ein Ausnahmefall, aber ein Beweis, dass nicht nur Fußballer, sondern auch Mädchen, die sich auf einen scheinbar typischen Jungensport wie Schach einlassen, vom Slum zu einer internationalen Karriere kommen können.
Hier ein paar Webseiten mit weiteren Informationen:
Phiona Mutesis Webseite
Phiona Mutesis rating bei FIDE
Interview mit Robert Katende und Phiona Mutesi
Phiona Mutesi at chessgames.com, where the moves of each of her games in Women's Chess Olympiads can be viewed (scroll down there to links)
Queen of Katwe - A short documentary about Phiona Mutesi by Silent Images on YouTube
Inzwischen ist ihre Karriere weitergegangen.
Nachzulesen im deutschen Wikipediaartikel wie im französischen.
Sie ist ein Ausnahmefall, aber ein Beweis, dass nicht nur Fußballer, sondern auch Mädchen, die sich auf einen scheinbar typischen Jungensport wie Schach einlassen, vom Slum zu einer internationalen Karriere kommen können.
Hier ein paar Webseiten mit weiteren Informationen:
Phiona Mutesis Webseite
Phiona Mutesis rating bei FIDE
Interview mit Robert Katende und Phiona Mutesi
Phiona Mutesi at chessgames.com, where the moves of each of her games in Women's Chess Olympiads can be viewed (scroll down there to links)
Queen of Katwe - A short documentary about Phiona Mutesi by Silent Images on YouTube
Montag, 18. März 2019
PAD-Olympiade 2019 : Finale am Goethe-Institut Jaunde - KAMERUN
Am
Freitag, dem 15.März 2019, wurde am Goethe-Institut das Finale der
PAD-Olympiade
veranstaltet. 22 Schüler, darunter 8 Jungen und 14 Mädchen, wurden
nach Jaunde eingeladen, um am Wettbewerb teilzunehmen. Das Ziel war
es, die sechs besten Schüler aus Kamerun herauszufiltern, die die
Reise nach Deutschland im August antreten werden.
„Alles war gut geplant, die Evaluierung bei der mündlichen Prüfung war auch richtig gestaltet. Die Arbeitsanweisungen waren klar und die Kandidaten waren für mich wirklich gut.“ Ambroise Thomas, Ngono (Regionalinspektor für Deutsch „Centre“)
| Teilnehmer der PAD-Olympiade |
Um
8 Uhr wurden die Bewerber(innen) von Gaetan
Kande
herzlich empfangen. Nach dem Begrüßungswort folgte das Frühstück.
Um 9 Uhr wurde den Kandidaten das Prüfungsformat vorgetragen. Sie
wurden dann in zwei Hauptgruppen aufgeteilt. Während die einen sich
mit der mündlichen Phase beschäftigten, machten
sich die anderen an die schriftlichen Aktivitäten.
Beim Schreiben ging es darum, jeden Bewerber individuell zu prüfen.
Die Prüfung bestand so aus drei Teilen von je 30 Minuten, nämlich
Leseverstehen, Hörverstehen und schriftlicher Produktion. Bei der
mündlichen Evaluierung konnten sich die Bewerber zu zweit beraten,
bevor sie ihre Arbeiten vor der Jury vortrugen. Sie hatten dafür 40
Minuten Vorbereitungszeit und dann 10 Minuten für das Referat. Von
ihnen erwartete die Jury Kreativität, Originalität, Offenheit,
Spontaneität und besonders Teamfähigkeit. Um 13: 40 Uhr kam die
Mittagspause. Die Kandidaten nutzten diese Gelegenheit aus, um etwas
Leckeres zu essen und zu trinken. Sie lernten sich auch untereinander
besser kennen und tauschten ihre Eindrücke über das PAD-Finale aus.
Um 15 Uhr ging es weiter mit dem Bibliotheksbesuch und einem Rundgang
durch einige Abteilungen des Goethe-Instituts Kamerun. Inzwischen
hatte sich der Ausschuss versammelt, um die Ergebnisse festzustellen.
Um 16 Uhr kündigte Stéphane
Konlack
von der BKD (Bildungskooperation Deutsch) die Zeremonie zur
Bekanntgabe der Resultate an. Danach ergriff André
Tsafack
von der deutschen Botschaft Jaunde das Wort, um die Wichtigkeit des
PAD-Wettbewerbs weltweit zu präsentieren. Der PAD
(Pädagogische Austauschdienst)
ist eines der Programme des Auswärtigen Amtes im Schulwesen, um die
deutsche Sprache und Kultur zu verbreiten und zu fördern. Neu in
diesem Jahr war, dass Kamerun noch zwei zusätzliche Plätze vergeben
konnte. Die Gewinner(innen) der PAD-Olympiade 2019 sind :
| Die Gewinner(innen) |
1-Talla
Waffo, Luc Ramses (Schüler der Government Bilingual High School von
Baleng)
2-Mbena
Onana, Fabrice Mamert (Schüler des Gymnasiums von Zamengoé)
3-Zoukponyui
, Paule Esther (Schülerin der Government Bilingual High School von
Mbang)
4-Mbazoa
Ngandi, Christiana Margaret (Schülerin der Government Bilingual High
School von Nkongsamba)
5-Lambi
Biyo, Christelle (Schülerin des Gymnasiums von Tsinga – Jaunde)
6-Anang
Hamsou, Fiacre (Schüler des Gymnasiums von Guider)
Die
Gewinner(innen) wurden beglückwünscht und ihnen wurden auch
wichtige Hinweisen für die Sommerreise nach Deutschland gegeben. Die
anderen sechzehn Teilnehmer(innen) gewannen Stipendien für ein
Sommercamp in Kribi im Süden Kameruns. Stéphane
Konlack
hatte die Ehre, die Zeremonie abzuschließen, und zur bleibenden
Erinnerung wurde ein Gruppenfoto aufgenommen.
Von
William
CHANTCHO,
Douala – KAMERUN
„Alles war gut geplant, die Evaluierung bei der mündlichen Prüfung war auch richtig gestaltet. Die Arbeitsanweisungen waren klar und die Kandidaten waren für mich wirklich gut.“ Ambroise Thomas, Ngono (Regionalinspektor für Deutsch „Centre“)
„Ich
war sehr beeindruckt von den Leistungen der Schüler während der
mündlichen Prüfung. Sie waren kreativ, kommunikativ und konnten ein
sehr gutes Deutsch-Niveau vorweisen. Schade, dass nicht alle nach
Deutschland fliegen können. Verdient hätten sie es !“
„Dieser
Test war sehr schwierig. Aber das Schreiben war leichter. Leider habe
ich beim Hörverstehen nicht gut gearbeitet, weil das Tonbandgerät
zu schnell lief .“
“Ich
danke dem Goethe-Institut Kamerun für die Gelegenheit, die sie mir
heute gegeben haben. Die Olympiade habe ich toll gefunden. Die Prüfer
waren sehr nett und offen. Wir haben auch genug gegessen, die Speise
war lecker. Es ist für mich eine große Freude, an diesem Finale
teilgenommen zu haben.“
Mbazoa
Ngandi, Christiana
(Government Bilingual High School von Nkongsamba – Gewinnerin der
PAD-Olympiade 2019)
“Für
mich waren die Aufgaben nicht so schwer. Zuerst habe ich mich über
den Empfang und die Gastfreundlichkeit am Goethe-Institut Jaunde sehr
gefreut. Die Prüfer waren auch nett und freundlich zu uns. Es freut
mich sehr, an diesem Finale 2019 teilzunehmen.“
Ngoboh
Mbeukbeh, Sylvanine
(Schülerin im Gymnasium von Baré)
„Am
Anfang fand ich es stressig, weil ich ein bisschen Angst hatte.
Trotzdem freut es mich, am Finale der PAD- Olympiade 2019
teilzunehmen. Ich habe mein Bestes getan und ich danke dem Goethe-Institut für diese Gelegenheit, meine deutschen Leistungen auf
nationaler Ebene zu messen.“
Houdja
Kaoudje, Josiane
(Government Bilingual High School Bayelle – Bamenda)
“Der
erste Teil Leseverstehen war leicht, aber das Hörverstehen war eine
ganz komplexe Übung, denn die CD lief zu schnell. Das Schreiben war
auch leicht und ich habe bei dem schriftlichen Ausdruck gut
gearbeitet.“
Amvene, Claude Yaëlle
(Government Bilingual High School Djoum)
“Ich
bin Schülerin in der Klasse von 2nde bilingue und wohne in Buea.
Ich habe die Prüfung leicht gefunden, aber es gab nicht genug Zeit,
um sich gründlich zu überlegen. Alles ging sehr schnell und das hat
mich wirklich gestresst.“
Fotso
Mafo, Angela
(Government High School Molyko - Buea)
Von
William
CHANTCHO
Labels:
2019,
Goethe-Institut,
Jaunde,
Kamerun,
PAD-Olympiade
Dienstag, 4. Dezember 2018
Mut zur Veränderung
Luftverschmutzung, Wasserknappheit. Was kann ein Einzelner da schon tun?
Die us-amerikanischen Stiftungen haben Milliarden zur Verfügung. Aber interessieren sich doch nicht für die Probleme bei uns vor Ort. Und was soll man machen ohne staatliche Unterstützung, ohne ausländische Hilfe, ohne einen Investor?
Oumar Basse aus dem Senegal hat nicht resigniert. Wie sollte er seiner Tante helfen, die in Dakar lebt und an Asthma leidet? Mit der Luftverschmutzung in den Millionenstädten werden selbst die reichen Länder nicht fertig, wie soll das ein kleines Entwicklungsland schaffen? Und gar ein Einzelner, ganz auf sich gestellt?
Oumar Basse hat eine Box entwickelt, die den Grad der Umweltverschmutzung vor Ort misst und auf dem Smartphone sichtbar macht und passend zur jeweiligen Verschmutzungssituation Gesundheitsempfehlungen für Risikogruppen ausgibt. Die Box heißt jetzt NanoAir Box.
mehr dazu:
Wir sind Helden: Der Gründer, ZEIT online (deutsch), eine ausführliche Darstellung mehrerer junger Menschen mit Mut zur Veränderung und der Geschichte, wie Oumar Basse zu seinen Erfindungen kam
Decent Jobs for Youth (pdf, englisch), eine Broschüre über eine Tagung für junge Unternehmer in Dakar, Senegal, in der viele Unternehmer vorgestellt werden
Test von Nano air (englisch)
NanoAir Box (fanzösisch)
Eine andere Erfindung von Oumar Basse: Widim Pompe (französisch)
Die us-amerikanischen Stiftungen haben Milliarden zur Verfügung. Aber interessieren sich doch nicht für die Probleme bei uns vor Ort. Und was soll man machen ohne staatliche Unterstützung, ohne ausländische Hilfe, ohne einen Investor?
Oumar Basse aus dem Senegal hat nicht resigniert. Wie sollte er seiner Tante helfen, die in Dakar lebt und an Asthma leidet? Mit der Luftverschmutzung in den Millionenstädten werden selbst die reichen Länder nicht fertig, wie soll das ein kleines Entwicklungsland schaffen? Und gar ein Einzelner, ganz auf sich gestellt?
Oumar Basse hat eine Box entwickelt, die den Grad der Umweltverschmutzung vor Ort misst und auf dem Smartphone sichtbar macht und passend zur jeweiligen Verschmutzungssituation Gesundheitsempfehlungen für Risikogruppen ausgibt. Die Box heißt jetzt NanoAir Box.
mehr dazu:
Wir sind Helden: Der Gründer, ZEIT online (deutsch), eine ausführliche Darstellung mehrerer junger Menschen mit Mut zur Veränderung und der Geschichte, wie Oumar Basse zu seinen Erfindungen kam
Decent Jobs for Youth (pdf, englisch), eine Broschüre über eine Tagung für junge Unternehmer in Dakar, Senegal, in der viele Unternehmer vorgestellt werden
Test von Nano air (englisch)
NanoAir Box (fanzösisch)
Eine andere Erfindung von Oumar Basse: Widim Pompe (französisch)
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Oumar Basse,
Senegal,
Umweltverschmutzung,
Wassermangel
Sonntag, 28. Oktober 2018
Achille Mbembe über seine "Ethik des Passanten"
ACHILLE MBEMBE
Der Politologe aus Kamerun lehrt an der Universität Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika.
"Ich denke über zweierlei nach: Bewegung und Begrenzung. Wer oder was kann sich in der heutigen Welt bewegen? Mich beschäftigt, wie Menschen mobil sind und an welche Grenzen sie mit ihrer Mobilität stoßen. [...] Ich sehe uns Menschen als Passanten, wir leben in Passagen. Wir sind unterwegs als Gäste auf Erden. Aus diesen Gedanken möchte ich eine "Ethik des Passanten" entwickeln. Ich habe dabei auch ein politisches Ziel vor Augen: eine Welt, in der nicht nur wenige, sondern wir alle uns frei bewegen können und die fortbesteht. [...] Eine Erde mit ungleicher Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ist seit Kant meines Erachtens nicht denkbar. Auf diesen Ideen beruht nicht nur eine gute Einwanderungspolitik, sondern auch der Schutz, den wir Flüchtlingen gewähren. [...]
Im politischen Sinne bringt das die Frage mit sich, wer in der heutigen Welt das Recht hat, sich frei über Grenzen zu bewegen, während andere an ihrem Ort bleiben müssen. Wie kommt es, dass manche Bewohner der Erde meinen, sie könnten andere zurückweisen? Bleiben zu müssen bringt für viele ein tödliches Risiko mit sich. In Afrika bedeuten Grenzen in besonderer Weise auch Endlichkeit: Wie kann es sein, dass wir Afrika zu einem Gefängnis machen, aus dem man nur unter Lebensgefahr ausbrechen kann und in dem auch die inneren Grenzen zwischen den Staaten hochgezogen werden, während Europäer und andere Menschen aus den mächtigen Staaten weltweite Reisefreiheit haben?
Im ökologischen Sinne fasse ich die Vergänglichkeit , das Vorübergehende als universelle Eigenschaft alles Lebendigen im weitesten Sinne auf: Alles Lebendige ist verletzlich und sterblich. Die Spezies Mensch zerstört die Lebenschancen ihrer nicht menschlichen Mitbewohner. Das Lebendige stößt durch uns Menschen an Grenzen. Aber die ökologischen Risiken zeigen uns noch auf eine weitere Weise, was Grenzen sind: Sie überschreiten die Grenzen des Nationalstaats, sie wandern überall ein. Und sie verlangen deshalb nach unserem Handeln als Menschheit: Eine universelle Politik des Reparierens und der Pflege wäre die Antwort auf die Zerstörung des Lebendigen.
Ich möchte mit meiner "Ethik des Passanten" das Denken in Gegensätzen durch ein Denken in Beziehungen ersetzen. Wir sollten nach den Fähigkeiten suchen, die das Existierende in etwas Neues, Unbekanntes verwandeln können. In der afrikanischen Kosmologie hat die Idee der Beziehung große Bedeutung: Im vollen Sinne ein Mensch wird man erst, wenn die Beziehung zum Anderen einen verwandelt. [...]"
(Achille Mbembe aufgezeichnet von Elisabeth von Thadden in ZEIT vom 25.10. 44/2018)
Sieh auch: Mbembe zu seiner "Kritik der schwarzen Vernunft"
"Ich denke über zweierlei nach: Bewegung und Begrenzung. Wer oder was kann sich in der heutigen Welt bewegen? Mich beschäftigt, wie Menschen mobil sind und an welche Grenzen sie mit ihrer Mobilität stoßen. [...] Ich sehe uns Menschen als Passanten, wir leben in Passagen. Wir sind unterwegs als Gäste auf Erden. Aus diesen Gedanken möchte ich eine "Ethik des Passanten" entwickeln. Ich habe dabei auch ein politisches Ziel vor Augen: eine Welt, in der nicht nur wenige, sondern wir alle uns frei bewegen können und die fortbesteht. [...] Eine Erde mit ungleicher Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ist seit Kant meines Erachtens nicht denkbar. Auf diesen Ideen beruht nicht nur eine gute Einwanderungspolitik, sondern auch der Schutz, den wir Flüchtlingen gewähren. [...]
Im politischen Sinne bringt das die Frage mit sich, wer in der heutigen Welt das Recht hat, sich frei über Grenzen zu bewegen, während andere an ihrem Ort bleiben müssen. Wie kommt es, dass manche Bewohner der Erde meinen, sie könnten andere zurückweisen? Bleiben zu müssen bringt für viele ein tödliches Risiko mit sich. In Afrika bedeuten Grenzen in besonderer Weise auch Endlichkeit: Wie kann es sein, dass wir Afrika zu einem Gefängnis machen, aus dem man nur unter Lebensgefahr ausbrechen kann und in dem auch die inneren Grenzen zwischen den Staaten hochgezogen werden, während Europäer und andere Menschen aus den mächtigen Staaten weltweite Reisefreiheit haben?
Im ökologischen Sinne fasse ich die Vergänglichkeit , das Vorübergehende als universelle Eigenschaft alles Lebendigen im weitesten Sinne auf: Alles Lebendige ist verletzlich und sterblich. Die Spezies Mensch zerstört die Lebenschancen ihrer nicht menschlichen Mitbewohner. Das Lebendige stößt durch uns Menschen an Grenzen. Aber die ökologischen Risiken zeigen uns noch auf eine weitere Weise, was Grenzen sind: Sie überschreiten die Grenzen des Nationalstaats, sie wandern überall ein. Und sie verlangen deshalb nach unserem Handeln als Menschheit: Eine universelle Politik des Reparierens und der Pflege wäre die Antwort auf die Zerstörung des Lebendigen.
Ich möchte mit meiner "Ethik des Passanten" das Denken in Gegensätzen durch ein Denken in Beziehungen ersetzen. Wir sollten nach den Fähigkeiten suchen, die das Existierende in etwas Neues, Unbekanntes verwandeln können. In der afrikanischen Kosmologie hat die Idee der Beziehung große Bedeutung: Im vollen Sinne ein Mensch wird man erst, wenn die Beziehung zum Anderen einen verwandelt. [...]"
(Achille Mbembe aufgezeichnet von Elisabeth von Thadden in ZEIT vom 25.10. 44/2018)
Sieh auch: Mbembe zu seiner "Kritik der schwarzen Vernunft"
Sonntag, 16. September 2018
Frauen glänzen nicht nur mit Schönheit
Laureen Gambino berichtet im Guardian von einem afrikanischen Wettbewerb, in dem sich Mädchen und Frauen von 13 bis 25 Jahren durch brillanten Einsatz von IT-Kenntnissen für Gemeinschaftsprojekte hervortun können.
Die Siegerin bekommt finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihres Projekts.
mehr dazu:
The Guardian 28.5.2018
Miss Geek Africa (englische Wikipedia)
Die Siegerin bekommt finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihres Projekts.
mehr dazu:
The Guardian 28.5.2018
Miss Geek Africa (englische Wikipedia)
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