"Mit einer Podiumsdiskussion hat die Deutsche Welle am Dienstag, den 20. Juni 2017, ihr Projekt „African Roots“ vorgestellt.
Die Geschichtsserie möchte einem jüngeren afrikanischen Publikum unter anderem Menschen näherbringen, die die Geschichte Afrikas geprägt haben. Den Auftakt bildete ein Webporträt des berühmten Vormenschen Dinknesh, alias Lucy. Unter dem Titel „From Lucy to You - Reclaiming African History“ sprachen in Bonn Ndinde Kioko (The Trans-African, Kenia), Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda) und Enoh Meyomesse (PEN Deutschland, Kamerun) über Geschichte und Geschichtsdeutung in Afrika: Wie kann Geschichte in Afrika zu einem relevanten Thema gemacht werden? Welche Rolle spielt die Wahl der Sprache? Welche Aufgabe kommt den Universitäten zu?" (Gerda Henkel Stiftung 20.6.2017)
Dazu sieh auch:
General History of Africa (Projekt der UNESCO)
Geschichte Afrikas
L'histoire de l'Afrique
Historia ya Afrika
Mittwoch, 21. Juni 2017
Sonntag, 26. März 2017
Einige Eindrücke der TeilnehmerInnen am Finale der Deutscholympiade 2017 am Goethe Institut-Jaunde
„Das
Finale war ein bisschen schwer, besonders das Hōrverstehen. Aber den
schriftlichen Ausdruck habe ich leicht gefunden. Trotzdem ist die
Stimmung hier ganz toll.“
MANGANTCHEUTH
Paule Audrey
, Schülerin in der 1ère A4 , Lycée Ndog- Hem in Douala, Gewinnerin
der Olympiade 2017
MANGANTCHEUTH Paule Audrey
„Ich
komme aus Bamenda und besuche das Gymnasium von Nitob in der 1ère
A4. Die Prüfung war super, weil ich gut gearbeitet habe. Ich hoffe,
dass meine Ergebnisse toll sein werden. “
FOKOU
Yannick Joel
, Schüler in der 1ère A4, lycée Nitob in Bamenda
FOKOU Yannick Joel
„Ich
wohne in Douala und besuche das Lycée Bilingue Bépanda. Die Olympiade
ist etwas Gutes für mich, weil ich eine neue Erfahrung mache. Die
Lehrer sind sehr offen und nett zu mir. Aber das Hōrverstehen war
schwieriger als die anderen Aufgaben. Alles ging rascher, als ich mir
vorgestellt hätte.“
YATOU
POUAMOU Joyce,
Schülerin in der 1ère A4 Lycée Bilingue Bépanda in Douala,
Gewinnerin der Olympiade 2017
YATOU POUAMOU Joyce
„Ich
komme aus Bamenda und besuche die Government Bilingual High School in
der Klasse 1ère A4. Was die Prüfung betrifft, kann ich sagen, dass
sie ein bisschen schwer war. Es gab nicht genug Zeit für alle
Rubriken. Deshalb war ich ehrlich gesagt damit überhaupt nicht
fertig. Trotzdem habe ich mein Bestes getan.“
NGUEDIA
GOUFACK Any Cyriane,
Schülerin in der 1ère A4 Government Bilingual High School Bamenda
NGUEDIA GOUFACK Any Cyriane
„Ich
komme aus Lycée Dogba und bin Schüler in der Klasse 1ère A4.
Es gefällt mir sehr, am Finale der Deutscholympiade hier in Jaunde
teilzunehmen. Aber die Aufgaben bei diesem Finale finde ich schwer.
Trotzdem sind der Empfang und die Stimmung hier unheimlich super.+
ABDOULAZIZ
HAMADOU,
Schüler in der 1ère A4 , Lycée Dogba
ABDOULAZIZ HAMADOU
„Ich
komme aus Garoua und besuche das Lycée von Nassarao. Ich bin
Schülerin in der Klasse 2nde A4. Ich fühle mich unwohl, weil
die Aufgaben bei dem Finale schwer sind. Ich habe mich überhaupt
nicht ausgekannt. Trotzdem freue ich mich sehr über diese erste
Erfahrung.“
AMINATOU
DJOUBAIROU, Schülerin in der 2nde A4 , Lycée von Nassarao
AMINATOU DJOUBAIROU
Von
William
CHANTCHO Douala - KAMERUN
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Deutscholympiade,
Deutscholympiade 2017
Bericht von der Deutscholympiade 2017 am Goethe-Institut Jaunde - KAMERUN
Am
24. März 2017 wurde am Goethe- Institut in Jaunde das Finale der
Deutscholympiade organisiert. Das Ziel war es, die vier besten
kamerunischen SchülerInnen herauszufiltern, die am pädagogischen
Austauschdienst nächsten Sommer in Deutschland teilnehmen werden. 24
Deutschlernende, darunter 17 Mädchen und 7 Jungen wurden nach
Jaunde eingeladen, um ihre Leistungen auf der nationalen Ebene
nachzuweisen. Die Prüfung war im Großen und Ganzen in zwei
Hauptphasen gegliedert: die schriftliche und die mündliche Phase.
Schriftliche
Phase der Deutscholympiade
Die
Prüfung begann um 8 Uhr mit den Willkommensworten von Stéphane
Konlack, dem Projektmitarbeiter für die Bildungskooperation Deutsch am
Goethe-Institut Jaunde. Er sprach zu den TeilnehmerInnen, die aus
den zehn Regionen Kameruns kamen.
Die erste Phase der Prüfung bestand hauptsächlich aus drei Teilen von je 30 Minuten: dem Leseverstehen, dem Hörverstehen und dem schriftlichen Ausdruck. Sie begann gegen 9 Uhr 30 und endete um 11 Uhr. Dann gab es eine kleine Pause von 15 Minuten, in der Kaffee, Tee und Croissants angeboten wurden.
Mündliche
Phase der Deutscholympiade
Darauf
ging es mit der mündlichen Evaluierung der Kandidaten und
Kandidatinnen weiter. Sie wurden zu zweit auf Sprechkompetenz
geprüft.. Sie mussten in der Lage sein, ganz spontan mündlich auf
verschiedene ihnen gestellte Fragen zu reagieren. Gegen 13 Uhr ging
diese Phase zu Ende und ein Mittagessen wurde angeboten . Inzwischen
hatte sich der Prüfungsausschuss versammelt, um die Ergebnisse
festzustellen. Die SchülerInnen konnten diese Gelegenheit ausnutzen,
um sich kennen zu lernen und um ihre ersten Eindrücke über dieses
Finale auszutauschen. Nach der Mittagspause konnten die
Teilnehmer(Innen) sich einen spannenden und aktuellen Film ansehen.
Dieser Film, “King of Bebab”, präsentierte die Liebe zwischen
einem jungen Türken und einer jungen Deutschen. Das Mädchen ist
schwanger geworden. Doch die Eltern des jungen Türken sind wegen
der kulturellen Differenz total gegen diese Beziehung und sehen
sie als Verrat und Sittenverdorbenheit an.
Abschließend
wurden um 18 Uhr die Ergebnisse bekannt gegeben. Die vier besten
Schülerinnen, die im nächsten Sommer die Flugreise nach Deutschland
antreten werden, sind :
1-MANGAMTCHEUTH
Paule Audrey
( Lycée Ndog- Hem von Douala )
2-NGONO
NDONG Françoise
( Collège de la Retraire von Yaoundé )
3-YATOU
POUAMOU Joyce
( Lycée Bilingue Bépanda von Douala)
4-BEESE
BAS’ ESSAMBA Séphora
( Lycée Bilingue Bepanda von Douala )
Das
Treffen schloss mit den Gratulationsworten der Expertin für
Unterricht am Goethe- Institut Jaunde Katja
Buchecker
an die Gewinnerinnen.
Gruppenbild
Die anderen TeilnehmerInnen wurden prämiert.
Für einige von ihnen ist für nächsten Sommer eine Reise nach
Kribi im Süden Kameruns geplant . Schließlich wurde ein
Grupppenbild aufgenommen, um das Finale der Deutscholympiade 2017 von
Jaunde zu verewigen.| Gruppenbild mit Katja Buchecker |
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Kamerun
Donnerstag, 16. Februar 2017
Interview mit Johanna SCHOLVIEN, Gastschülerin in Baho Bilingual High School von Douala KAMERUN
Nachbarschaft
:
Können Sie sich bitte vorstellen ?
Johanna
:
Mein Name ist Johanna SCHOLVIEN. Ich bin seit drei Wochen in Kamerun
und Schülerin in Baho Bilingual High School Douala . Dort besuche ich
die Klasse von „2nde
A4“
.
Nachbarschaft
:
Woher kommen Sie eigentlich ?
Johanna
:
Ich komme aus einem kleinen Dorf in Süddeutschland. Dort habe ich
zehn Jahre die Freie Schule Albris besucht. Nach meinem
Auslandsaufenthalt hier in Kamerun werde ich an diese Schule
zurückkehren, um das Schuljahr abzuschließen.
Nachbarschaft
:
Was erhoffen Sie sich von Ihrem Aufenthalt in Kamerun ?
Johanna
:
Ich hoffe, die französische Sprache besser zu sprechen, neue
Kontakte zu knüpfen und viele neue Erfahrungen zu sammeln.
Nachbarschaft
:
Wie gefällt es Ihnen bisher ?
Johanna
:
Es ist nicht immer einfach, aber bis jetzt gefällt es mir in Kamerun
sehr gut.
Nachbarschaft
:
Wie beurteilen Sie das kamerunische Schulsystem ?
Johanna
:
Für eine Beurteilung bin ich noch nicht lange genug in Kamerun. Was
mir allerdings aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wesentlich mehr Texte von Lehrern diktiert werden. Auch das Schreiben von
Exposés ist in Deutschland nicht so verbreitet wie hier. Ein
Unterschied zu Deutschland ist auch, dass die Schüler nach der
Prüfung die Punkte „verhandeln“. Während es in Deutschland die
Noten 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) gibt, kann man in Kamerun
mehr Punkte erhalten. Die höchste Note ist übrigens 20/20. Mir ist
auch aufgefallen,
dass es sehr viele Freistunden gibt, in denen man Zeit hat, die
Hausaufgaben zu machen, oder um sich mit Klassenkameraden zu
unterhalten. In Deutschland ist es anders. Dort gibt es selten
Freistunden. Dafür ist in den meisten Schulen die Pause etwas
länger.
Nachbarschaft
:
Was fällt Ihnen besonders beim Deutschunterricht auf ?
Johanna
:
Im Deutschunterricht habe ich bis jetzt noch keine großen
Veränderungen festgestellt. Allerdings
ist doch ein Unterschied, dass Tests, Exposés oder Hausaufgaben
im
Unterricht verbessert werden und nicht wie in Deutschland vom Lehrer
eingesammelt und korrigiert oder als Hausaufgabe aufgegeben werden.
Nachbaschaft
:
Welche anderen afrikanischen Länder haben Sie bisher besucht ?
Johanna
:
Mein Auslandsaufenthalt in Kamerun ist der erste außerhalb Europas.
Außer Kamerun habe ich noch keine afrikanischen Länder besucht .
Nachbarschaft
:
Wie
sind Ihre Beziehungen zu den kamerunischen Mitschülern und zu den
Lehrern?
Johanna
:
Mit der Zeit habe ich mich mit einigen Mitschülerinnen und
Mitschülern angefreundet. Im Großen und Ganzen sind die Schüler
und Lehrer nett zu mir und respektieren mich. Es kommt allerdings ab
und zu zu Diskussionen, ob ich den Test oder das Exposé mitschreiben
muss. Nicht weil ich keine Lust hätte, den Test oder das Exposé zu
schreiben, nein da
verteidigen mich meine Klassenkameraden.
Nachbarschaft
:
Was hat es bisher
für
Schwierigkeiten gegeben ?
Johanna
:
Wirklich nennenswerte Probleme gibt es bis jetzt nicht. Allerdings
war es vor allem am Anfang nicht immer einfach, sich mit den Lehrern
und den Mitschülern zu verständigen, da ich die französische
Sprache nicht fließend spreche.
Nachbarschaft
:
Können Sie etwas über die afrikanische Kultur im Allgemeinen und die
kamerunische Kultur im Besonderen sagen ?
Johanna
:
Eine wirklich ausschlaggebende Antwort kann ich leider auf diese
Frage noch nicht geben, da ich noch nicht so lange in Kamerun bin.
Nachbarschaft
:
Was würden Sie gerne am Ende Ihres Aufenthalts mitnehmen ?
Johanna
:
Am Ende meines Aufenthalts würde ich gerne die Wärme meiner Freunde,
die ich
hier gefunden
habe, die Menge von Erinnerungen und die eine oder andere
kamerunische Spezialität mitnehmen.
William
CHANTCHO
und Walter
Böhme
führten das Interview.
Samstag, 11. Februar 2017
Unterstützung für ein Gesundheitszentrum in Kamerun
Mit viel Freude überreichten die angehenden Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter [Hauswirtschaftsschüler] der Heinrich Metzendorf Schule Bensheim einen Spendenscheck an Sister Schola, die 2015 ein Gesundheitszentrum in Kamerun/Mbalmayo eröffnet hat [...]
Die Auszubildenden unterstützen die Sister Schola Foundation in Kamerun bereits seit drei Jahren und können so von Beginn an Umsetzung, Entwicklung und Erfolge mitverfolgen.
Die Auszubildenden unterstützen die Sister Schola Foundation in Kamerun bereits seit drei Jahren und können so von Beginn an Umsetzung, Entwicklung und Erfolge mitverfolgen.
Die Sister Schola Foundation ist ein zertifiziertes und privat organisiertes Hilfsprojekt der Darmstädter Kinderkrankenschwester Scholastique Hafner. Beim Besuch in der Schule hat Schola das Selbsthilfeprojekt vorgestellt und zeigte einen kleinen Film über den Alltag und die Fortschritte des Gesundheitszentrums.
In Kamerun gibt es keine gesetzliche Krankenversicherung, die Versorgung ist oft schlecht und nur wenige können es sich leisten, die medizinische Versorgung in der Stadt in Anspruch zu nehmen.
Erste Erfolge waren schnell zu verzeichnen. Es gibt sechs Zimmer und mittlerweile 15 feste Angestellte. Es gibt einen Brunnen, einen Stromgenerator und ein EKG-Gerät für das Entbindungszimmer. Inzwischen sind mehr als 20 Kinder dort geboren worden. Ihr nächstes Vorhaben ist, eine kleine Kantine einzurichten, die von Angestellten und Patienten genutzt werden kann. Dabei sollen in erster Linie vor allem regionale und gesunde Lebensmittel verwendet werden. (Bergsträßer Anzeiger 11.2.2017)
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Kamerun
Montag, 30. Januar 2017
Schwierigkeiten mit der Recherche im Internet
"Als die Barry-Brüder in den 1970ern Jahren in N’Zerekore, einer Stadt im Südwesten von Guinea, geboren wurden, schrieb man Fulfulde noch mit arabischen Buchstaben. Ein eigenes Fulfulde-Alphabet gab es nicht. Arabisch wurde in der ehemaligen französischen Kolonie behelfsmäßig benutzt und war den Menschen durch das Lesen des Korans bekannt. 90 Prozent der Menschen in Guinea sind Muslime."
Jetzt sind sie schon weiter. Sie wollen erreichen, dass Google das von ihnen erfundene Fulfulde-Alphabet akzeptiert.
taz.de 29.1.17
Jetzt sind sie schon weiter. Sie wollen erreichen, dass Google das von ihnen erfundene Fulfulde-Alphabet akzeptiert.
taz.de 29.1.17
Mittwoch, 28. Dezember 2016
Tierno Monénembo: Kubas Hähne krähen um Mitternacht
Tierno Monénembo ist ein Afropolit,
und das war er schon lange, bevor dieses Wort für Afrikaner, die die
ganze Welt bespielen, erfunden wurde. Als junger Mann floh er vor der
kommunistischen Diktatur in seiner Heimat Guinea: Zu Fuss ging er
nach Senegal, wo er ein Studium der Biochemie aufnahm, das er in Côte
d’Ivoire fortsetzte und in Frankreich mit der Promotion abschloss.
Er unterrichtete in Marokko und Algerien sowie als Gastprofessor in
den USA. Schreibstipendien erlaubten ihm mehrmonatige Aufenthalte in
der Schweiz, in Brasilien und Kuba.
Der Familienverband der Diallos, in den
er 1947 geboren wurde, ist so zahlreich, dass er als Autor ein
Pseudonym vorzieht, in dem ein Wort seiner Muttersprache Fufulde
steckt, nämlich «nenembo» – «Mutter». Unter diesem Namen ist
er einer der erfolgreichsten frankofonen Romanautoren. Schon sein
Erstling «Les crapauds-brousse» wurde 1979 im renommierten Pariser
Verlag Seuil veröffentlicht, wie auch die zehn folgenden Romane, von
denen vier angesehene Preise erhielten.
So unterschiedlich wie Tierno
Monénembos Themen – Diktatoren in Afrika, Leben im Exil,
historische Porträts, auch ein Roman zum Genozid in Rwanda –, so
unterschiedlich ist auch sein Stil: Bald klingt der westafrikanische
Griot durch, der große Helden und ihre Taten besingt, bald
erschweren ausufernde Dialoge und extravagante Anspielungen das
Verständnis. Wohl auch deshalb erschienen bisher nur zwei seiner
Romane auf Deutsch: «Cinema» und «Zahltag in Abidjan», beide in
den 1990er Jahren im Peter-Hammer-Verlag.
Bei Monénembos neuestem, erst 2015
erschienenem Roman griff der Verlag schnell zu: «Kubas Hähne krähen
um Mitternacht» ist ein Spiel mit Klischees und Erwartungen.
Unter
dem Einfluss von Rum und heißen Rhythmen agieren der schlitzohrige
Ignacio, der davon lebt, Touristen zu schröpfen, obskure
Geschäftsleute, die zwischen Restkommunismus und freier
Marktwirtschaft operieren, eine temperamentvolle dunkelhäutige
Schöne, deren Kleiderfarbe auf Zukünftiges verweist, und ein
Milizionär, der überall seine Hände im Spiel hat, aber von seiner
Frau betrogen wird. Zwischen ihnen sucht Tierno Alfredo Diallovogui,
genannt El Palenque, eine Antwort auf die Frage, warum seine
kubanische Mutter ihn als Kind bei seinem Vater in Guinea zurückließ.
Die Fotos des Grabes, das ihres sein
soll, und eine Melodie, die ihm nicht aus dem Kopf geht, sind seine
einzigen Wegweiser. Um nach Kuba zu gelangen, musste er dem
Migrantenpfad folgen, der ihn durch die Sahara und übers Mittelmeer
nach Paris brachte, wo er wundersamerweise weder Dealer noch Müllmann
wurde, sondern ein Feinkostgeschäft aufmachte. Als Tourist fliegt er
nach Kuba, wo ihn Ignacio auf seiner Initiationsreise begleitet.
Zufälle – oder vielleicht das Wirken der Yoruba-Götter, wo nicht
gar des mächtigen Milizionärs – treiben die Handlung voran, die
Ignacio in einem langen Brief dem wieder nach Paris zurückgekehrten
El Palenque erzählt. Das ist nicht immer schlüssig, denn vieles
müsste der Angeschriebene selbst besser wissen. Aber Ignacio kann
wesentliche Ergänzungen liefern, die in die Vergangenheit verweisen:
Castros Begegnung mit einem Gutsbesitzer, dem er das Recht auf sein
Eigentum in einem Dokument garantierte, und den Besuch einer
afrikanischen Delegation in Havanna zu den elften Weltjugendspielen.
Damals, das war 1978, befanden sich
unter den Tausenden Gästen Berühmtheiten wie Miriam Makeba, aber
auch ein Saxofonspieler aus Guinea, der sich in die schöne Kubanerin
Juliana verliebte, ausgerechnet die Tochter jenes Gutsbesitzers, der
Castros Unterschrift aufbewahrt hat und seinerseits auf eine illustre
Familiengeschichte zurückblickt.
«Zu gewissen Zeiten», schreibt
Ignacio dem Freund, «tritt die große Geschichte aus ihrer Sphäre,
hockt sich in die Eckkneipe und stößt mit der kleinen an.» Und was
sich daraus ergibt, ist eine Erzählung wert.
Tierno Monénembo: Kubas Hähne
krähen um Mitternacht. Aus dem Französischen von Gudrun und Otto
Honke. Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 2016.
Almut Seiler-Dietrich
(Erstveröffentlichung: NZZ, 28.12.2016, S. 31.)
(Erstveröffentlichung: NZZ, 28.12.2016, S. 31.)
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