Hinter den Meldungen, die in Zeitungen und in den sozialen Netzwerken Schlag auf Schlag kommen, zeichnet sich eine traurige Realität ab : die Femizide in Kamerun nehmen zu. Frauen, die von ihrem Partner, ihrem Ex, einem Familienmitglied oder einem Unbekannten getötet werden. Hinter jedem Namen steht ein zerstörtes Leben. Hinter jedem Drama stellt sich dieselbe Frage : Was sagt dieses Phänomen über unsere Gesellschaft aus ?
Alarmierende Zahlen
Ein offizielles nationales Register für Femizide gibt es in Kamerun bislang überhaupt nicht. Frauenrechtorganisationen wie ALVF (Association de Lutte contre les Violences) und WILPF Cameroon dokumentieren jedoch jedes Jahr mehere Dutzend Fälle. 2024 und 2025 berichteten die Medien über Taten in Yaoundé, Douala, Buea und Bafoussam : Messerangriffe, Vergiftungen, Leichen, die unter grausamen Umständen aufgefunden wurden. Die meisten Opfer sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. In über 60 % der dokumentierten Fälle ist der Täter ein Nahestehender : Ehemann, Freund oder Ex-Partner.
Die Ursachen des Problems
Femizid ist kein ,,Verbrechen aus Leidenschaft’’. Es ist das Ende einer Kette von Gewalt.
1-Verankerte Stereotype
In Kamerun hält sich noch immer das Bild vom Mann als ,,Familienoberhaupt’’ und von der Frau als ,,unterwürfig’’. Eifersucht, Kontrolle und Gewalt werden viel zu oft als Liebesbeweis verharmlost.
2-Wirtschaftliche Prekarität
Finanzielle Abhängigkeit zwingt viele Frauen, in gewalttätigen Beziehungen zu bleiben. Daher ist Weggehen ist ein Luxus, den sich viele nicht leisten können.
3-Defizite bei Justiz und Gesellschaft
Anzeigen wegen häuslicher Gewalt führen nicht immer zu Konsequenzen. Angst vor Stigmatisierung, lange Verfahren und manchmal Druck aus der Familie hindern Frauen daran, sich zu wehren. Wenn die Justiz nicht als Schutz der Frauen wahrgenommen wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Tat kommt.
Die Stimme werden langsam laut
In den letzten Jahren brechen feministische Kollektive und Bürgerjournalisten das Schweigen. Hashtags, Märsche am 8. März und Sensibilisierungskampagnen in Schulen und Kirchen versuchen, die Mentalität zu verändern. Es gibt erste Initiativen : Hilfstelefone, Frauenhäuser in Douala und Yaoundé, Schulungen für Sicherheitskräfte. Doch die Mittel reichen angesichts des Ausmaßes nicht aus.
Und jetzt ?
Der Kampf gegen Femizide braucht mehr als Pressemitteilungen.
*Seitens des Staates : Daten zentral erfassen, Strafen verschärfen, Richter und Polizei im Umgang mit Opfern schulen.
*Seitens der Gesellschaft : Schon Kinder zu Respekt und Gleichberechtigung erziehen . Über die Wichtigkeit von Einvernehmen, Wutmanagement und gewaltfreie Trennung sprechen.
*Seitens der Gemeinschaft : Aufhören zu sagen : Das ist eine Privatsache der Ehepartner. Ein Nachbar, ein Freund, ein Kollege kann ein Leben retten, indem er gewalttätige Übergriffe frühzeitig meldet.
Fazit
Jeder Femizid ist ein Alarmsignal. Wenn eine Gesellschaft ihre Frauen tötet, tötet sie einen Teil ihrer Zukunft : Mütter, Unternehmerinnen, Lehrerinnen, Ingenieurinnen, Führungspersönlichkeiten. Kamerun ist nicht unumkehrbar ,,im Niedergang’’. Aber solange das Leben einer Frau weniger wert ist als das Ego eines Mannes, bleibt die Gesellschaft krank. Der Niedergang beginnt nicht mit dem ersten Schlag. Er beginnt an dem Tag, an dem wir uns entscheiden, zu schweigen. Deshalb rufen wir zu einem kollektiven Verantwortungsgefühl auf.
William CHANTCHO, Douala - Kamerun