Freitag, 30. Oktober 2026

Korruption: ein Gift für jede Nation

 Eine Nation lebt vom Vertrauen. Vom Vertrauen auf die Solidarität ihrer Bürger, darauf, dass die große Mehrheit der Bevölkerung ihr Bestes tut bei der Arbeit und im menschlichen Umgang. Dazu gehört, dass Gewalttätigkeit, Betrug und Gesetzesübertretungen erfolgreich bestraft werden, dass die Institutionen ordnungsgemäß funktionieren und Gerechtigkeit herrscht.

Dann besteht auch in Krisen die Hoffnung, dass Schwierigkeiten überwunden werden, weil alles getan wird, sie zu überwinden.

Weshalb ist dies Vertrauen weltweit gesunken? Weshalb sind die USA so tief gespalten, weshalb protestiert die Jugend immer wieder wie jetzt in Frankreich, weshalb kommt es dort kurz nach der Gelbwestenbewegung zu immer größeren Gesetzesübertretungen und Gewalttaten?

Weshalb ist das Vertrauen in die Regierungen so zurückgegangen? Weshalb ging die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verloren?

Es liegt nicht allein an der Zunahme der Krisen, an Kriegen und den Folgen des Klimawandels mit vermehrten Naturkatstrophen. Die Bindung zwischen der Bevölkerung und ihrer politischen Führung hat allgemein gelitten. Woher kommt der Missbrauch anvertrauter Macht zum eigenen Vorteil?

Es liegt ganz wesentlich an dem Krebsschaden jeder gedeihlichen Zusammenarbeit, der Korruption :

Wenn das Geld, das für den Bau einer Schule bestimmt war, veruntreut wird, dann sind es Generationen, die ihre Chance zu lernen verlieren. Wenn die Mittel eines Krankenhauses verschwinden, dann sind es Menschenleben, die in Gefahr geraten. Wenn ein Arbeitsplatz nicht dem Fähigsten gegeben wird, sondern dem, der jemanden kennt oder bezahlt, dann stirbt das Leistungsprinzip und die Entmutigung macht sich breit. Statt nach Regeln, Gesetz und Gemeinwohl zu handeln, geht es um persönliche Bereicherung, Gefälligkeit oder Macht. Wenn er ständig sieht, wie Regeln umgangen werden, hört der Bürger irgendwann auf, an die Institutionen zu glauben. Er fragt sich: ,,Warum soll ich das Gesetz respektieren, wenn diejenigen, deren Arbeit von der Wirksamkeit der Gesetze abhängt, es selbst nicht respektieren?’’

So wird Korruption als gefährlicher als eine bloße Unterschlagung von Geld angesehen. Sie zerstört die gemeinsame Moral, sie bringt dem Volk bei, dass Erfolg den Privilegierten gehört, dass man sich Vorrechte kaufen kann und dass Gesetzestreue eine Schwäche wäre.

Wenn eine Nation das Vertrauen ihrer Jugend verliert, beginnt sie, ihre Zukunft zu verlieren. Deshalb ist Korruption ein Gift für jede Nation. Sie zerstört nach und nach ihre Seele, ihr gegenseitiges Vertrauen und ihre Fähigkeit, an eine wünschenswerte Zukunft zu glauben. Darüber hinaus vernichtet sie völlig die Hoffnungen der Jugend, die Träger jeder Nation ist.

Wahre Entwicklung beginnt also erst, wenn öffentliches Geld wieder heilig ist, Kompetenz wieder ein Wert ist und das Gesetz für alle ohne Ausnahme gilt.

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