Sonntag, 17. Januar 2010

Spaß am Lernen im Deutschclub

SCHÜLER DER GOVERNMENT BILINGUAL HIGH SCHOOL NGAOUNDÉRÉ (G.B.H.S.N) PROBIEREN EINE NEUE LEHR- UND LERNSTRATEGIE DER FREMDSPRACHE AUS

Wir haben jetzt einen Computerraum mit Multimedia Center. Es hilft dabei, den Deutschunterricht lebendig und attraktiv zu machen. Schüler haben die Möglichkeit authentische Bilder des modernen Deutschlands zu sehen sowie mit deutschen native speakers in Bildkontakt zu treten. Bei dieser Filmvorführung handelt es sich um eine Filmprojektion mit dem Titel: „Deutschlernen mit Kick“.
Da alle Kameruner großes Interesse an Fußball haben, haben alle Spaß daran gefunden. In 50 Minuten haben die Lernenden ihre Deutschkenntnisse über Fußball ergänzt und aktualisiert. Außer dem Thema Sport bietet diese Filmprojektion die deutsche Alltagskultur und bildet einen idealen Ansatzpunkt für interkulturelle Landeskunde.

Deutsch lernen mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien begeistert die Schüler und unterbricht die Eintönigkeit des alltäglichen Frontalunterrichts. In 50 Minuten haben sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf das Abenteuer Fußball eingelassen. Die Videobeiträge im Deutschunterricht beleuchten alltägliche Themen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln und bieten bessere Transfermöglichkeiten an.
Die Projektion wendet sich nicht nur an die Schüler von 1ere und Tle oder an die Fortgeschrittenen, sondern an alle Lernenden und Lehrkräfte, die sich für das Thema Fußball interessieren.
Mit großem Spaß haben sich die Schüler und Schülerinnen mit dem Fachvokabular wie „Trikot“, „Elfmeter“, „Trainer“, oder „Fans“ vertraut gemacht. Die Aufgabe des Betreuer bzw. Lehrers besteht dabei darin, den Lernenden stufenweise das Hörverstehen zu erleichtern, indem er den Wortschatz erklärt oder nachspricht.

DAS MULTIMEDIA CENTER
Mit dem Multimedia Center stellen wir den Schülern und Schülerinnen virtuelle Module zum individuellen Lernen zur Verfügung. Für Anfänger ist die Motivation zum Lernen besonders wichtig, wenn sie gerne mit Hilfe eines Bildschirms mit authentischen Gesprächsituationen in Kontakt treten.
Das Filmprogramm wird im Rahmen des Deutschclubs durchgeführt und zielt darauf ab, die Fertigkeit im Hören und Sprechen zu trainieren.
Schüler haben die Möglichkeit, abseits der geplanten Filmvorführung ihre freien Stunden mit einer Filmepisode oder Hör C.D im Multimedia Center zu belegen.
Technische Voraussetzungen sind vorhanden: mit dem Lautsprecher oder Headset und Intranet-Verbindung haben sie eine optimale autonome Lernsituation. Diese modernen Lern- und Unterrichtmethoden kommen allmählich in vielen Gymnasien zum Einsatz. Sie fördern bei den Schülern Selbständigkeit und Autonomie beim Lernen.
Dank der Initiative des Deutschclubs haben die anderen Fremdsprachenlehrer bzw. Englisch- und Arabischlehrer vor, den Lernenden auch solche Intranet Kurse anzubieten. Trotzdem sind wir Pionier in Ngaoundéré Landeshauptstadt der Adamaoua Region.
Den Schülern rate ich immer ab, die deutsche Sprache nur mit einer Reise nach Deutschland zu verbinden. Vielmehr öffnet die Sprache interkulturelles Verständnis und ermöglich eine intensive Beschäftigung mit Kultur und Alltag der Gesellschaft eines anderen Landes.

von Jean Francois BAPACK

Samstag, 16. Januar 2010

Weihnachtslieder im Unterricht : eine tolle Initiative der Schüler

Ursprünglich ist Weihnachten das Fest zur Erinnerung der Geburt Christi. Aber mit der Zeit hat es mehr Bedeutungen bekommen. Weihnachten ist nicht nur eine religiöse Feier im engeren Sinne, sondern auch eine soziale. Warum nicht auch eine schulische?
Welches Weihnachtsbild haben mir denn meine Schüler in diesem Schuljahr gezeigt?

Weihnachten ganz anders zelebrieren!
Gewöhnheitsmäβig ist Weihnachten “die Reise nach Bethlehem“, um das geborene Baby “vor Ort” zu Gesicht zu bekommen. Aber mit Jugendlichen, hier sind auch Schüler gemeint, kann man Weihnachten ganz anders feiern. In dieser Hinsicht haben meine Schüler der “3ème” selbst beschlossen, dass wir im letzten Unterricht des 1. Trimesters Weihnachtslieder singen sollten. Auf dem Weihnachtsmenü stehen zwei Lieder; nämlich : “O Tannenbaum” und “Stille Nacht” .Sie sind ein einfaches und leckeres Menü, das schnell zubereitet werden kann. Die Lieder habe ich auβerdem aus dem Lehrwerk “Yao Lernt Deutsch”, Bände 1 und 2 entnommen. So habe ich die Schüler sie an die Tafel schreiben lassen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass dieser Unterricht am 23. Dezember stattfand, also ca. 48 Stunden vor Weihnachten. Ich habe dann diese Unterrichtsstunde wirklich mit Leidenschaft genossen, denn es war schön zu sehen, wie die Schüler stark durch Lieder angeregt wurden. Sie diskutierten untereinander, suchten nach dem geeignetesten Anfangston für die Lieder und bildeten sogar Gruppen. Die Binnendifferenzierung lieβ sich in diesem Zusammenhang kaum spüren. So versuchten die Schüler, die “heiseren” und die “sanften” Stimmen in Einklang zu bringen, damit die Lieder gut klangen. Moderne Musikinstrumente hatten wir dabei nicht. Bei dieser Gelegenheit benutzten die Schüler Hände, Bänke, Stäbe und Füβe als Begleitinstrumente, während sie begeistert sangen. Andere Aspekte des Sprachunterrichts haben sie selbst erschlossen. Wortschatz, Komposita wie: die Tanne + der Baum = der Tanne(n)baum, Verben wie grünen, schneien, schlafen; landeskundliche Informationen zu Jahreszeiten in ganz Europa haben sie schnell aufgenommen. Mir fiel besonders das Tempo auf, mit dem sie sich an den Unterricht angepasst hatten. Mit dem ”Ton” kann man bei den Schülern eine entspannte und erfolgreiche Lernautonomie schaffen.

Zum Schluss möchte ich noch mal betonen, dass Lieder Erfolg mit sich bringen. Das Wichtigste dabei besteht darin, dass sie schülerorientiert sind und dass sie den Schülern dazu helfen, sich in die Gesellschaft sowohl kulturell als auch beruflich zu integrieren. So setzen sie das Gelernte in die Praxis um.

Frohe Weihnachten und frohes erfolgreiches Jahr 2010 !


CHANTCHO TANKOUA William

Freitag, 11. Dezember 2009

Es gibt noch viele Mauern abzubauen

Editorial
Am 9. November haben wir eines der wichtigsten Ereignisse des letzten Jahrhunderts wieder erlebt: Den Fall der Berliner Mauer. Ihr Bau am 13 August 1961 als wichtigste Kundgebung des kalten Krieges wurde ein unheimlicher Schock, nicht nur für die Deutschen, sondern auch für die ganze Welt. Nach 28 Jahren musste die Mauer fallen, als Resultat eines beharrlichen Kampfes der DDR-Bürger um ihre Freiheit. Dieser Kampf hätte nie ein fröhliches Ende gekannt, ohne die Unterstützung der Westdeutschen und aller Protagonisten der menschlichen Freiheit. Ein Wegbereiter dieses Falls, Willy Brandt, sagte: „Wir sind zwei deutschen Staaten, aber eine Nation.“
Am 9. November haben die Deutschen und alle Freunde der Freiheit und Einheit weltweit gefeiert, wie vor 20 Jahren, als die Mauer fiel. In dieser festlichen Atmosphäre müssen wir uns aber fragen, welche Lehre die Ereignisse von Berlin für die noch heute zersplitterte Welt gebracht haben.
So viele Mauern sind noch heute überall sichtbar. Mauern zwischen Israel und Palästina, Nordkorea und Südkorea, Mauern zwischen Nachbarländern in Afrika, Mauern zwischen Armen und Reichen in Amerika, in Indien…
Alle diese Mauern müssen auch unsere Aufmerksamkeit wecken, wie an diesem Tage der 9. November in Berlin.
Weil wir auf den Fall dieser noch bestehenden Mauern warten, leisten wir schon unseren kleinen Beitrag zur interkulturellen Verständigung mit der Nachbarschaft, unserem Kulturaustauschmagazin in ihrer 9. Ausgabe.

Evariste Fosong

Radiosendung für Deutschschüler: Eine tolle Erfahrung!!!

Ich bin am Lycée Bilingue Bertoua als Deutschlehrer tätig. Bertoua ist die Hauptstadt der Ostregion von Kamerun. Seit drei Jahren koordiniere ich eine pädagogische Radiosendung, die für DeutschschülerInnen und von DeutschschülerInnen selbst produziert wird. Die Teilnehmer an der Sendung kommen aus verschiedenen Schulen der Stadt. Die Sendung heißt "DEUTSCHFREUND" und läuft jeden Sonntag von 15 bis 16 Uhr bei "RADIO-AURORE", einem Privatradiosender in Bertoua.
Die Schüler bereiten selbst die Sendung im Laufe der Woche vor. Jeder ist also verantwortlich für eine bestimmte Rubrik. Sie sammeln zuerst Informationen aus verschiedenen Bereichen. Nachdem sie die Nachrichten eingeholt oder gesammelt haben, versammelt sich die Redaktionsmannschaft um 11 Uhr im Studio, um die Informationen zu bearbeiten, die anderen Senderubriken bereitzustellen und die ganze Sendung zu gestalten oder organisieren. Wir DeutschlehrerInnen kümmern uns um die Verbesserung der produzierten Artikel und die Koordination der Arbeit. Es ist ein echtes Teamwork, das auf Komplementarität, kritischem und demokratischem Geist beruht. Nach der Vorbereitungsphase sind die Schüler sehr zufrieden und begeistert, die gesammelten Nachrichten wie Journalisten im Radio zu entwickeln, zu kommentieren und zu analysieren.
Das Redaktionsteam besteht nicht nur aus Journalisten, sondern auch aus Lehrern. Die Schüler bereiten in der Tat selbst den Unterricht vor und unterrichten wie Lehrer im Rundfunk Am Anfang der Sendung habe ich mir als Ziel gesetzt, der deutschen Sprache zu erlauben, ihre Kommunikationsfunktion als lebendige Sprache konkret zu erfüllen. Heute sind wir darauf stolz, das Ziel erreicht zu haben. Aber wir sollen unterstreichen, dass die Sendung jetzt über den bloßen Kommunikationsaspekt beträchtlich hinausgeht und andere interessante pädagogische Vorteile mit sich bringt.
Die Sendung fördert nämlich Lernerautonomie, handlungsorientierten Unterricht, Sprechfertigkeit, Schreibfertigkeit und Kreativität. Dazu erlaubt die Sendung den Lernenden, für das Leben zu lernen, so dass Deutschunterricht eine Lebensrelevanz haben kann. Dank der Sendung können zum Beispiel viele angehende Lehrer, Journalisten, Dolmetscher und Übersetzer ihre Talente früher entfalten. Die Sendung trägt somit dazu bei, bei Jugendlichen die Berufung so früh wie möglich zu erwecken.
Herr ONYA Jacques Abel, Deutschlehrer Lycée Bilingue Bertoua, Kamerun

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die Welt zu Gast in Düsseldorf

Die Deutschen bzw. die Düsseldorfer sind netter und kontaktfreundlicher, als ich vorher gedacht habe. Wenn wir jemandem nach der richtigen Fahrtrichtung fragen, dann bekommen wir sofort die Antwort mit einem begleitenden Lächeln. Es tut mir allerdings leid, dass wir mit den Deutschen nur im Restaurant, in den Kaufhäusern oder bei der Auskunft zu tun hatten, sonst waren unsere Mitschüler, die auch Ausländer waren, unsere ständigen Gesprächspartner. Nach 4 Wochen habe ich bemerkt, dass die Deutschen bzw. die Düsseldorfer bei der Freundschaft den ersten Schritt nicht wagen. Sie bleiben lieber zurückhaltend. Aber wenn man zu ihnen geht, dann wird man mit einem freundlichen Lächeln empfangen. Mehrmals hatte ich Angst, zu den Deutschen zu gehen, aber allmählich habe ich angefangen, ihnen die afrikanische Höflichkeit in den Zügen, Bussen oder in den Aufzügen zu zeigen. Ich habe einige Frustrationen erlebt, bei denen ein Mitschüler den anderen bei der Begrüßung die Hand reicht und mich übersieht. Im Großen und Ganzen sind die Deutschen mit den Ausländern seit langer Zeit vertraut und leben ins Frieden mit ihnen. Das ist ein Zeichen der Demokratie.
Wir Deutschlehrer, Botschafter der deutschen Sprachen bzw. der deutschen Kultur, haben eine Menge Arbeit: unserem Volk an Stelle des früher rassistischen und kriegsüchtigen Deutschland das gegenwärtige Gesicht der modernen Bundesrepublik zu zeigen.

UNSERE SPRACHKURSE
Wir waren insgesamt neun Kursteilnehmer in meiner Klasse: Eine ideale Klasse angesichts der Klassenstärke. Die Sprachkursteilnehmer kamen aus aller Welt: Afrika, Asien, Südamerika und Europa. Das Unterrichtsklima war gut. Lebendiger Unterricht und ein methodisch abwechslungsreiches Kursprogramm haben uns Spaß am Unterricht gemacht. Ich war der einzige Afrikaner und musste häufig über Schwarzafrika im Allgemeinen und über Kamerun insbesondere erzählen. Das ist eine große Verantwortung, im Namen eines Volkes zu sprechen, da die meisten von ihnen nichts über Afrika wissen. Es macht aber Spaß, seine Kultur mittels der deutschen Sprache bekannt zu machen. Keiner der Kursteilnehmer wusste zum Beispiel, dass Kamerun von 1884 bis 1914 unter deutscher Kolonialverwaltung war!
Und dass die deutsche Sprache die erste Amtssprache in Kamerun war. Deshalb haben wir die deutsche Sprache in unserem Schulsystem. Sie waren total überrascht, dass Kamerun über 250 Dialekte verfügt.
Der einmonatige Sommerkurs war lehrreich. Von unserer Deutschlehrerin Frau Silke bekamen wir Ratschläge, zum Beispiel, wo und wann man billiger einkaufen kann oder wie man mit den Deutschen besser umgeht.
Die Klassenzimmer waren gut eingerichtet, aber zu klein. Hier ist die Sitzordnung anders. Die Schüler sitzen in kleinen Gruppen. Die Tatsache, dass ein Schüler irgendwann das Wort ergreifen kann, ohne seinen Finger hochzuheben wie bei uns, fand ich unhöflich.
Die Unterrichtszeiten für die Schüler in Intensiv 4 dehnten sich von halb zwei bis sechs aus. Wir durften zwei Pausen haben. Die Mediothek half uns bei der Vor- und Nachbereitung.
Ende gut alles gut. Wir haben uns verabschiedet, und jeder von uns hat diese unvergessliche Zeit in Gedächtnis. Mit der Hoffnung, dass man sich zweimal im Leben trifft.

ANREGUNGEN ?

Probleme gab es nur mit dem Kultur- und Freizeitprogramm: Es wurde von drei Jugendlichen geleitet, die ihr Praktikum oder den Zivildienst am Goethe-Institut leisteten.
Zwar hatte das Kultur- und Freizeitprogramm ein spannendes Angebot, aber es hatte manchmal wenige Teilnehmer wegen des schulischen Leistungsdrucks oder der unterschiedlichen Unterrichtszeiten.
Es fiel uns schwer, das Unterhaltungsprogramm mit den Sprachkursen in Einklang zu bringen. Da wir von Montag bis Freitag um 13 Uhr mit dem Deutschunterricht anfangen sollten, war dieses Programm begrenzt. Zudem waren die Hausaufgaben zu erledigen. Und als Deutschlehrer sollte ich mit dem Beispiel des fleißigen Schülers vorangehen. Im Großen und Ganzen hatten wir viel zu unternehmen, zu erleben und zu experimentieren besonders, was die Tatsachen über Deutschland betrifft. Aber es fehlte uns an Zeit. Es wäre besser, wenn das Goethe-Institut uns eine zusätzliche freie Woche geben würde, um die deutsche Kultur und Realität innerhalb eines geplanten Kulturprogramms besser zu kennen zu lernen. Leider mussten wir gleich nach dem einmonatigen Unterricht am nächsten Tag das deutsche Territorium verlassen.
Geduld, Weltoffenheit und Flexibilität: Motto der Reise nach Goethes Land.

Jean François Bapack, Deutschlehrer
Lycée Bilingue Ngaoundéré, Kamerun

Sonntag, 6. Dezember 2009

Interview mit Evariste Fosong

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit Evariste Fosong vom Gymnasium Delta Pog in Gabun zu sprechen, der das internationale Kulturaustauschmagazin „Nachbarschaft“ herausgibt, dessen Mitarbeiterstab innerhalb eines Jahres von zwei auf 31 angestiegen ist.

Frage: Wie kamen Sie dazu, das Magazin „Nachbarschaft“ zu gründen?


Antwort: Im Rahmen des Don Bosco Programms kam Franziska Götz zu uns nach Gabun. Da kam ich auf die Idee, mit ihr zusammen ein deutschsprachiges Magazin zu beginnen. Die Idee wurde sofort von der deutschen Botschaft in Libreville unterstützt, die uns mit einigen Materialien geholfen hat. Dass jetzt Mitarbeiter aus so vielen Ländern Zentral- und Westafrikas daran mitwirken, war aber nur möglich, weil mich das Goethe-Institut Kamerun bei der Suche nach Mitarbeitern unterstützt hat.

Frage: Wie erklärt es sich, dass die deutsche Kultur in Gabun und Kamerun so beliebt ist?

Antwort: Das französische Schulsystem, das in der Kolonialzeit in Gabun und Kamerun eingeführt wurde, sieht eine recht intensive Behandlung der deutschen Kultur vor. Das ist auch nach der Unabhängigkeit nicht wesentlich geändert worden.

Frage: Wieso kamen Sie von Kamerun nach Gabun?

Antwort: In Gabun besteht eine große Nachfrage nach Lehrern im Allgemeinen und Deutschlehrern insbesondere. Die kann von den dort ausgebildeten Lehrern allein nicht befriedigt werden. Deshalb gehen nicht wenige Deutschlehrer von Kamerun nach Gabun.

Frage: Welche Werke der deutschen Literatur schätzen Sie besonders?

Antwort: Ich liebe vor allem die Gedichte. Zunächst Ernst Moritz Arndt und sein Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland?“ mit den Zeilen: „Das ganze Deutschland soll es sein! [...] Und gib uns rechten deutschen Mut, Daß wir es lieben treu und gut. Das soll es sein!“
Aber auch Goethe und natürlich Schillers Gedichte. Von den älteren Dichtern liebe ich besonders Andreas Gryphius, der so eindrücklich zu gestalten weiß, dass menschliches Leben immer vom Tode bedroht ist.
Und außerdem liebe ich Heine. In seinem Gedicht „Die schlesischen Weber“ entlarvt er die Unterdrücker und ruft zum Widerstand gegen sie auf. „Wie weben hinein den dreifachen Fluch“ und „Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, Den unser Elend nicht konnte erweichen, Der den letzten Groschen von uns erpreßt, Und uns wie Hunde erschießen lässt“.
Überhaupt entlarvt er immer wieder die Ideologie der Herrschenden.

Das Gespräch führte Walter Böhme

Nelson Mandela - ein Beispiel der Ausdauer (2)

(Fortsetzung der ersten Folge)
Die Aussicht auf die drohende Entlassung quälte Mandela, aber er blieb hartnäckig. Sein Vormund, der Regent, empörte sich über die Starrsinnigkeit seines Günstlings und drängte Rolihlahla, in dem Streit nachzugeben, hatte er doch für das Studium bereits viel Geld geopfert. Als Mandela bereits innerlich der Kapitulation zuneigte, führten neue Umstände eine unerwartete Wende herbei. Der Regent Jongintaba, der Mandela viele Jahre erzogen hatte, hatte inzwischen - zwar über ihre Köpfe hinweg, jedoch in völliger Übereinstimmung mit der herrschenden Tradition - die Verheiratung seines Sohnes Justice und Mandela mit zwei Thembu-Mädchen arrangiert… Die beiden jungen Männer waren angesichts der überraschenden Entscheidung Jongintabas verwirrt und niedergeschlagen. So entschlossen sie sich zur Flucht. Zusammen mit Justice floh Mandela nach Johannesburg, in die „goldene Stadt“. Dort übte er verschiedene Tätigkeiten aus, um zu überleben, doch seine ersten Monate in der Großstadt waren geprägt durch Anpassungsschwierigkeiten, Unsicherheit und Misserfolge. Dank einem in Johannesburg ansässigen Vetter wurde ihm eine neue Lebensperspektive eröffnet. Mandela hatte ihm erzählt, er wolle nun Rechtsanwalt werden. Daraufhin führte der Vetter ihn bei Walter Sisulu ein. Sisulu ermöglichte ihm, ein juristisches Studium an der Witwatersrand-Universität zu beginnen.
Schon als junger Jura-Student engagierte sich Mandela in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime und dessen Weigerung, der schwarzen Mehrheit des Landes politische, soziale und wirtschaftliche Rechte zu gewähren. 1942 trat er dem ANC (African National Congress) bei und gründete dort zwei Jahre später zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen die Jugendorganisation des ANC. Nach dem Wahlsieg der „Afrikaaner“-dominierten National Party 1948 und der darauf folgenden Politik der Rassentrennung (Apartheid) war Mandela führend in der Widerstandskampagne des ANC von 1952 und bei dem Volkskongress (Congress of the People) von 1955, dessen Verabschiedung der Freiheitscharta die Basis der Anti-Apartheid-Aktivitäten bildete. 1956 wurde Mandela zusammen mit 155 anderen Aktivisten wegen Hochverrats angeklagt. Der Mammut- Prozess zog sich bis 1961 hin und endete mit dem Freispruch aller verbliebenen Angeklagten. Ursprünglich war Mandela bekennender Vertreter des Gewaltverzichts. Nachdem im März 1960 in Sharpeville unbewaffnete Demonstranten erschossen und in der Folge der ANC und andere Anti-Apartheid-Gruppen verboten worden waren, akzeptierten Mandela und seine Mitstreiter die vom ANC gesehene Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid. 1961 wurde er Anführer des bewaffneten Flügels des ANC, des Umkhonto We Sizwe („Speer der Nation“). Im August 1962 wurde er verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis wegen illegaler Auslandsreisen und wegen Streikaufrufs verurteilt. Am 12. Juni 1964 verurteilte Richter Quartus de Wet nach achtmonatiger Verhandlung im Rivonia-Prozess ihn und sieben weitere Mitstreiter zu lebenslanger Haft wegen Sabotage und Planung bewaffneten Kampfes. Die Freiheitsstrafe leistete er überwiegend (bis 31. März 1982) auf der Gefängnisinsel Robben Island ab, die im Atlantischen Ozean vor Kapstadt liegt. Es folgten weitere acht Jahre Inhaftierung im Gefängnis Pollsmoor bzw. Arrest im Sonderteil eines kleinen Gefängnisses bei Franschhoek nahe Kapstadt. Mandela lehnte im Februar 1985 das Angebot einer Freilassung ab, die an die Bedingung geknüpft war, auf den bewaffneten Kampf zu verzichten. Er blieb im Gefängnis bis zum 11. Februar 1990, als eine starke Kampagne des ANC und weiterer internationaler Druck zu seiner Freilassung führten. Staatspräsident F. W. de Klerk hatte den Befehl gegeben und gleichzeitig das Verbot des ANC aufgehoben. Am Tage seiner Freilassung leitete er in einer Rede vor 120.000 Zuhörern im Stadion von Soweto öffentlich seine Politik der Versöhnung ein, indem er „alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben“, zur Mitarbeit an einem „nichtrassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud. Mandela und de Klerk erhielten 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis. 1994 gewann der ANC die ersten demokratischen Wahlen, und am 9. Mai wurde Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Als Staatschef und Präsident des ANC (Juli 1991 bis Dezember 1997) leitete Mandela die Umgestaltung des Staates und der Gesellschaft weg von der Apartheid und der Minderheitenherrschaft. Er gewann internationalen Respekt für sein Eintreten für nationale und internationale Versöhnung. Dennoch waren einige radikale Elemente enttäuscht von den in seiner Amtszeit erreichten sozialen Verbesserungen, vor allem von dem Unvermögen der Regierung, die AIDS-Krise in den Griff zu bekommen. Mandela wurde auch kritisiert wegen seiner engen Freundschaft mit Politikern wie Fidel Castro und Muammar al-Gaddafi, die er seine „Kampfgenossen“ nannte.
(Text nach Wikipediaartikel Nelson Mandela)